Aktualisiert 03.11.2009 07:56

Schweizer Formel-1-PilotenNur einer hat die Chance gepackt

Mit Sébastien Buemi und Romain Grosjean waren ab Saisonmitte gleich zwei junge Schweizer in der Formel 1. Das wird sich 2010 wieder ändern. Nur Buemi hat sich für eine Vertragsverlängerung empfohlen.

von
Peter Haab

Es war ein traumhafter Einstieg für einen Formel-1-Neuling: Sébastien Buemi, am Samstag 21 Jahre alt geworden, holte bei den ersten drei Saisonrennen 2009 (7. Platz in Melbourne/8. Rang in Schanghai) gleich drei WM-Punkte. Doch nach dem kurzen schönen Traum folgte der lange bittere Albtraum. Zwölf Rennen hintereinander ohne einen einzigen Punktgewinn waren eine Katastrophe. Dabei profitierte auch Buemis Toro-Rosso-Equipe von den technischen Fortschritten des Schwestern-Teams Red Bull. Und Red-Bull-Racing kämpfte mit Brawn-GP um den WM-Titel.

Es war eine überaus gefährliche Entwicklung für die noch junge Karriere des in Bahrain wohnhaften Westschweizers aus Aigle. Denn junge Formel-1-Einsteiger geniessen heutzutage keine Schonfrist mehr. Selbst wenn sie noch so talentiert sind. Wer nicht sofort Resultate liefert, wird ohne Skrupel im Schnellverfahren aussortiert. Umso besser deshalb, dass Buemi in den letzten beiden Rennen mit weiteren drei WM-Punkten (7. in Sao Paulo/8. in Abu Dhabi) die Negativ-Spirale quasi in letzter Sekunde noch stoppen konnte.

Im eigenen Team umstritten

Denn der junge Schweizer war zu Saisonbeginn selbst in seinem eigenen Team umstritten. Die einen hielten ihn für ein Ausnahme-Talent vom Kaliber Sebastian Vettel. Die andern monierten, der junge Buemi sei noch nicht reif genug für die Königsklasse des Automobilrennsports. Doch wenn es bei Red Bull oder Toro Rosso um die Besetzung von Formel-1-Cockpits geht, hat neben Red-Bull-Konzernchef Didi Mateschitz ein zweiter Mann ein Machtwort: Der 65-jährige Österreicher Dr. Helmut Marko, früher selbst Formel-1-Pilot und heute oberster Chef der Red-Bull-Talentschmiede. Zum Glück für Buemi. Denn letztlich war es vor allem Marko zu verdanken, dass die Schweiz nach 14 Jahren wieder einen Formel-1-Piloten in Startaufstellung hatte.

Der gebürtige Grazer hat seit Jahren unerschütterliches Vertrauen in die Fähigkeiten seines Schützlings aus Aigle im Kanton Waadt. Marko erzählt bei jeder Gelegenheit mit sichtlichem Stolz, dass er mit Buemi einen zweiten Sebastian Vettel gefunden hat.

Buemi hatte also einen starken Fürsprecher im Team und auch die Chance, sich im Verlaufe der Saison nochmals aus der Krise hochzurappeln. Der Toro-Rosso-Neuling hatte immerhin 17 Rennen zur Verfügung, um die nötigen Erfahrungen zu sammeln.

Grosjean das fünfte Rad am Wagen

So betrachtet stand der 23-jährige Genfer Romain Grosjean mit seinen sieben Rennen seit Saisonmitte auf verlorenem Posten. Buemis Landsmann stand zudem bei Renault im Schatten des zweifachen Weltmeisters Fernando Alonso. Die Franzosen haben alles auf den Nummer-1-Piloten Alonso ausgerichtet. Der noch von Flavio Briatore ins Team geholte Grosjean musste immer hinten anstehen. Er war bei Renault lediglich das fünfte Rad am Wagen. Genauso wie sein unglücklicher Vorgänger Nelson Piquet jr.

Der Genfer wird sich für 2010 einen neuen Arbeitgeber suchen müssen.

Und den wird er nach seinen mageren Resultaten kaum in der Formel 1 finden. Aber auch bei Sébastien Buemi ist noch nichts in Stein gemeisselt. Der junge Schweizer geniesst trotz der Unterstützung seines Mentors Helmut Marko bei Toro Rosso keinen Sonderstatus. Sein Vertrag läuft Ende Dezember 2009 aus. Ein neuer ist noch nicht unterschrieben. Zuerst muss die Zukunft des Toro-Rosso-Teams definitiv geklärt werden.

Der Kolumnist

Peter Haab befasst sich seit 30 Jahren mit dem Motorsport und der Formel 1. Der Sportjournalist gibt für 20 Minuten Online sein Insiderwissen preis und kommentiert die aktuellen Vorkomnisse.

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