Studentenecke: Nur Geduld – alles wird besser
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StudenteneckeNur Geduld – alles wird besser

Ein Morgen gleich wie jeder andere. Am Hauptbahnhof angekommen, mir mühsam den Weg durch die unglaublichen Pendlermassen zwischen Central und HB gepflügt, die Zeitung nach einem Zusammenstoss mit einem Mitmenschen wieder aufgehoben, stelle ich fest, dass sich auch an diesem Morgen die Schlange vor der Polybahn bis weit vor deren Eingangstür erstreckt.

von
Silvan Burger

Das soeben vorgefahrene Tram platzt schon aus allen Nähten. Bleibt nur der Gang zu Fuss übrig. Den Hörsaal doch noch gefunden und nach wenigen Minuten der Vorlesung die Frage nicht beantworten können, was ich eigentlich hier mache. Warum komme ich hierher, wenn ich sowieso nicht den blassesten Schimmer davon habe, was der Mensch an der riesigen Wandtafel labert? Warum sitze ich gerade nicht am Strand und geniesse das Leben? Ich erinnere mich an den von den Referenten am ETH-Einführungstag am meisten benutzten Satz: «Nach der Basisprüfung wird alles besser.» Motiviert mich irgendwie nicht.

Sieben Wochen später: Geschickt schlängle ich mich an den vielen Leuten vorbei, erkämpfe mir einen der letzten Plätze im Tram und erspare mir den beschwerlichen Aufstieg. Später finde ich ohne Probleme den richtigen Hörsaal. Zwar kann ich noch immer nicht beantworten, warum ich gerade nicht am Strand sitze, doch ich weiss, dass ich an der ETH studieren will, und dass es eben für alles etwas Zeit braucht. Hat man nur etwas Geduld, kann man sich an vieles gut gewöhnen – und an machen Dingen sogar Freude bekommen, die man zunächst gehasst und überhaupt nicht verstanden hat. Und: Nach sieben Wochen geht es sieben Wochen weniger lang, bis alles besser wird.

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