Schweizer Konjunktur: Nur geringe Abschwächung erwartet
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Schweizer KonjunkturNur geringe Abschwächung erwartet

Die Schweizer Wirtschaftslage ist robust: Die Unternehmen haben gemäss der neusten KOF-Umfrage im dritten Quartal ihre Produktion erneut steigern können und sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden.

Die Schweizer Wirtschaft läuft rund, wie die KOF-Umfrage fürs dritte Quartal 2010 zeigt.

Die Schweizer Wirtschaft läuft rund, wie die KOF-Umfrage fürs dritte Quartal 2010 zeigt.

Im dritten Quartal haben die Unternehmen ihre Produktion erneut steigern können, wie aus der Herbstumfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) bei 7000 Firmen hervorgeht, die am Freitag vor den Medien in Zürich veröffentlicht wurde. Einzelne Branchen hätten gegenüber der letzten Umfrage sogar an Wachstumstempo zugelegt.

In der Industrie sei die Auslastung der Produktionskapazitäten weiter gestiegen und habe mit 83,6 Prozent den langjährigen Durchschnitt erreicht. Für die kommenden drei Monate seien die Industriefirmen zuversichtlich. Allerdings dürfte der Bestellungseingang leicht langsamer steigen als bisher.

Die Produktion laufe bei den Schweizer Exportfirmen besser als bei den Konkurrenten aus der EU. Die Schweizer Firmen seien eben auch in anderen Märkten tätig wie im Mittleren und Fernen Osten und könnten vom dortigen Boom profitieren, sagte KOF-Ökonom Richard Etter.

Schlechtere Wettbewerbsposition

Allerdings habe sich nach Einschätzung der Unternehmen die eigene Wettbewerbsposition in der EU hat massiv verschlechtert. Zudem sei in den letzten Monaten auch die Wettbewerbsposition ausserhalb des Hauptmarktes EU nach Ansicht der Firmen schlechter geworden.

Dabei spiele natürlich die Talfahrt des Dollar eine wichtige Rolle, sagte KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm. Bis im Mai habe zwar der Franken gegenüber dem Euro an Wert gewonnen, sich gegenüber dem Dollar aber immer noch leicht abgewertet. Damit konnten die exportorientierten Firmen ihre Einbussen durch den starken Franken im Euro-Raum teils in den Dollar-Märkten kompensieren.

Seit Mai falle diese Stütze weg, sagte Sturm. Dies zeige sich an der Verschlechterung der Wettbewerbsposition von Schweizer Firmen ausserhalb der EU. Die meisten Unternehmen sagten, dass sie die Preise senken müssten, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Allerdings profitierten die hiesigen exportorientierten Unternehmen von der Erholung der Weltwirtschaft immer noch stärker, als sie durch den starken Franken gebremst würden. Der Saldo sei für die Exportindustrie positiv, sagte Sturm. Es komme immer noch ein Wachstum dabei heraus.

«Wir wissen nicht, was gewesen wäre, wenn diese Wechselkursentwicklungen nicht gewesen wären. Vielleicht wären wir jetzt in einer Hochkonjunkturphase», sagte Sturm.

Steigende Nachfrage erwartet

Mit Ausnahme der Hotels und Restaurants erwarteten alle befragten Branchen eine steigende Nachfrage. Das Wachstum habe aber an Dynamik verloren.

Die Banken und Versicherungen sowie die Bauwirtschaft rechnen derweil mit einem Anziehen der Nachfrage. Detail- und Grosshandel sowie die übrigen Dienstleister erwarten eine weiterhin solide Steigerung der Nachfrage.

Insgesamt dürfte sich in den nächsten sechs Monaten die Wirtschaftsdynamik aber gemäss der KOF-Umfrage leicht abschwächen. Dennoch wollten alle Branchen mit Ausnahme des Gastgewerbes bis Jahresende noch mehr Personal einstellen.

Die KOF rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum der Schweizer Wirtschaft von 2,7 Prozent. Für 2011 prognostiziert sie einen Anstieg von 1,8 Prozent. (sda)

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