Aktualisiert 30.12.2011 08:47

Steuerparadies Schweiz

Nur Hongkong und Singapur sind günstiger

In der Innerschweiz zahlen Topverdiener so wenig Steuern wie fast nirgendwo sonst auf der Welt. International konkurrenzfähig sind aber auch Bern, Basel und Zürich.

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sas/sda

Für Gutverdienende ist die Schweiz nach wie vor ein Steuerparadies: Weltweit zahlen sie nur gerade in Singapur und in Hongkong weniger als etwa im Kanton Zug. Auch Unternehmen liefern dem Fiskus andernorts weit mehr ab, wie der jüngste Taxation Index des Konjunkturforschungsinstituts BAKBasel zeigt. Dafür wurden insgesamt 17 Kantone unter die Lupe genommen und mit anderen Ländern verglichen.

Der Index bezieht alle relevanten Steuerarten auf staatlicher Ebene mit ein und weist damit die für Investoren effektive Steuerbelastung aus. Die Konjunkturforscher haben aber auch die Besteuerung für hochqualifizierte Arbeitskräfte unter die Lupe genommen. Unternehmen stehen laut den Studienautoren in einem immer intensiver werdenden internationalen Wettbewerb um talentierte Arbeitskräfte, weshalb die Steuerbelastung für Kadermitarbeiter eine wesentliche Rolle einnimmt.

Sogar Bern und Basel-Stadt konkurrenzfähig

Die «Spitzengruppe» der Tiefsteuerregionen führen Singapur und Hongkong an, gefolgt von Nidwalden, Obwalden, Schwyz und Zug. Eine der Schlussfolgerungen der Studienautoren lautet: Neben den klassischen Tiefsteuerkantonen der Zentralschweiz erheben auch Kantone wie Zürich, Bern und Basel-Stadt im internationalen Vergleich tiefe Steuern – obwohl sie im Schweizer Vergleich relativ teuer sind.

Die metropolitanen Zentren in der Schweiz werden neben den eingangs erwähnten Steuerparadiesen nur von Ländern wie Tschechien, Slowakei und Polen übertroffen. Österreich, Deutschland Italien und Frankreich weisen eine höhere effektive Steuerbelastung aus als die als «teuer» verschrienen Schweizer Städte. Zur Verdeutlichung: Frankreichs Unternehmen sehen sich mit einer doppelt so hohen Steuerbelastung konfrontiert, Italien ist rund zwei Drittel teurer.

Nidwalden für Topverdiener an der Spitze

In vielen Kantonen hat sich die steuerliche Attraktivität seit der letzten Ausgabe des BAK Taxation Index (2009) nochmals erheblich verbessert. Laut Martin Eichler von BAKBasel ist das unter anderem auf den internationalen Steuerwettbewerb sowie auf die direkte Demokratie zurückzuführen. Diese würde eine disziplinierende Funktion auf die Finanzpolitik ausüben.

Spitzenreiter bei den tiefen Steuern in der Schweiz ist der Kanton Zug. Hier sehen sich Alleinstehende mit hohem Einkommen (nach Steuern 100 000 Euro) mit einer Steuerbelastung von 23,7 Prozent konfrontiert. Das ist weltweit der dritttiefste Wert hinter Singapur mit 11,3 Prozent und Hongkong mit 16,1 Prozent. Am meisten zahlen die Grossverdiener in Belgien. In der Schweiz müssen sie dem Fiskus im Kanton Basel-Landschaft am meisten abliefern.

Steuerhölle: State New York

Unternehmen werden international nur gerade in Hongkong noch weniger zur Kasse gebeten als im Kanton Nidwalden: In Nidwalden bezahlen sie 10,6 Prozent, in Hongkong 9,7 Prozent. Bei der Unternehmensbesteuerung haben allerdings Grossbritannien, Frankreich und die USA die Belastung reduziert, wenn auch ausgehend von einem hohen Niveau.

Auch Appenzell-Ausserrhoden, Obwalden, Schwyz, Zug, Glarus, Luzern und Schaffhausen knöpfen den Firmen besonders wenig ab. Der teuerste Schweizer Kanton ist Genf. Am anderen Ende der Skala figuriert der Staat New York. Dort zahlen Unternehmen mit 41,1 Prozent am meisten Steuern.

Hier Zahlen Firmen am wenigsten Steuern

EATR = effektive Steuerbelastung in Prozent/Kantonshauptort

RangRegionEATR1.Hongkong9.72.Nidwalden10.63.Appenzell (AR)10.84.Obwalden11.15.Schwy11.66.Zug137.Glarus13.78.Luzern13.99.Schaffhausen13.910.Dublin14.118.Bern18.219.Zürich18.2.82.New York State41.1

Quelle: BAKBasel Taxation Index 2011

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