Facelift für Früchte: Nur in Europa sind Orangen orange
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Facelift für FrüchteNur in Europa sind Orangen orange

Viele Orangen sind in ihrem Herkunftsland nicht orange, sondern gelb bis grün. Damit sie sich auch hierzulande verkaufen lassen, werden sie chemisch behandelt.

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Orangen sind nicht immer orange. Damit sie im Laden dennoch die gewünschte Farbe haben, behandelt man sie chemisch.

Orangen sind nicht immer orange. Damit sie im Laden dennoch die gewünschte Farbe haben, behandelt man sie chemisch.

Welche Farbe hat eine Orange? Die meisten Schweizer würden diese Frage für einen schlechten Scherz halten. Orangen, das ist unbestritten, sind orange, daher auch ihr Name. Bloss: Orangen sind nicht immer orange. In tropischen Ländern wie Brasilien, dem mit Abstand wichtigsten Herkunftsland weltweit, sind Orangen in der Regel gelb bis grün.

In den Regalen von Schweizer Supermärkten gibt es Orangen dennoch nur in der allseits bekannten Kolorierung. Genauso andere Zitrusfrüchte. Gelbe Mandarinen? Grüne Zitronen? In Europa undenkbar. Das hänge mit den Erwartungen der Konsumenten zusammen, sagt Sophia Jördens, Lebensmittelwissenschafterin an der ETH Zürich. «Grün gilt in Europa und Nordamerika als Hinweis für Unreife», erklärt sie gegenüber der sda. Deshalb lassen sich grüne Orangen nicht verkaufen. Dabei gebe es keinen Zusammenhang zwischen der Reife einer Frucht und der Farbe ihrer Schale.

Temperatur nicht tief genug

Ihre namensgebende Farbe erhalten Orangen am ehesten, wenn sie in Regionen mit mildem Klima angebaut werden, etwa Italien oder Spanien, woher mehr als die Hälfte der in der Schweiz verkauften Orangen stammen. Selbst in diesen Ländern ist die typische Farbe aber nicht garantiert, weil die Temperaturen teilweise nicht tief genug sinken, vor allem bei frühen Ernten.

Damit die Orangen dennoch die gewünschte Farbe bekommen, behandelt man die grünen Früchte mit Ethylen. Diese so genannte «Entgrünung» wird vor allem zu Beginn der Orangensaison in Südeuropa durchgeführt, wie Marc Wermelinger, Geschäftsführer des Verbands der Früchte- und Gemüsehändler Swisscofel, sagt. «In dieser Zeit sind die Nächte noch zu warm und die Schale noch nicht vollständig ausgefärbt. Sobald die Nächte kühler würden, sei eine Entgrünung nicht mehr erforderlich. Wermelinger schätzt den Anteil der entgrünten Früchte am gesamten Orangenabsatz auf «deutlich weniger als zehn Prozent».

Einfluss auf Qualität?

Die gleiche Schätzung macht Coop auf Anfrage im Bezug auf das eigene Zitrusfrüchte-Sortiment. Bei Früchten der Marke Naturaplan verzichtet der Detailhändler indes auf die Entgrünung, weil sie gemäss den Richtlinien von Bio Suisse verboten ist, wie Coop-Sprecher Ramon Gander erklärt.

Die Migros macht keine Angaben, wie viele Früchte entgrünt werden. «Dies variiert und ist abhängig von der Sorte», sagt Mediensprecherin Christine Gaillet.

Das Entgrünen von Zitrusfrüchten ist nicht unumstritten. «Die Entgrünung ist ein unnötiger Energieaufwand», kritisiert Sophia Jördens. Sie würde sich eine bessere Aufklärung der Konsumenten wünschen.

Der deutsche Lebensmittelchemiker Udo Pollmer kritisiert ausserdem, dass die Behandlung die Qualität beeinträchtigt. «Entgrünte Orangen schmecken etwas fader, sie enthalten weniger Fruchtsäure und altern schneller», sagt er.

Dem widerspricht Marc Wermelinger: «Dass die Entgrünung den Geschmack verändert, kann ich mir nicht vorstellen.» Denn Ethylen sei ein natürlicher Stoff, der sich auch in der Schale der Früchte bilde.

Die Orange als Zankapfel

In der Schweiz ist Ethylen zur Entgrünung nicht zugelassen, wie es beim Bundesamt für Landwirtschaft auf Anfrage heisst. Erlaubt ist hingegen der Import von so behandelten Früchten. In der EU ist die Entgrünung legal und wird sogar gefördert. So darf höchstens «ein Fünftel der gesamten Fruchtoberfläche» grün sein, damit sie in den Verkauf kommen kann.

Dahinter stehen nicht etwa Bedenken bezüglich der Reife. Der Grund für die Anforderung ist vielmehr politischer Natur. «Die EU-Vorschriften sind das Werk von Griechenland und Spanien», sagt Udo Pollmer. Die südeuropäischen Orangenproduzenten wehren sich seit Jahren gegen Vorschläge anderer europäischer Staaten, auch grüne Orangen für den Verkauf zuzulassen.

Denn einerseits werden in Spanien, Italien oder Griechenland die Früchte eher orange. Andererseits verfügt man hier bereits über die nötigen Entgrünungsanlagen — im Gegensatz zur Konkurrenz aus anderen Ländern. «Diese müssten ihre Früchte zur Entgrünung den Spaniern andienen», sagt Pollmer.

(fee/sda)

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