Geringe Erfolgsquote: Nur jeder neunte Einbruch wird aufgeklärt
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Geringe ErfolgsquoteNur jeder neunte Einbruch wird aufgeklärt

In der Schweiz werden die meisten Einbrüche nie aufgeklärt. Die Erfolgsquote liegt je nach Kanton zwischen bescheidenen 6 und 30 Prozent. Die Polizei beklagt schwierige Ermittlungs-Umstände.

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dwi/sda

Die Bilanz ist ernüchternd: Gemäss den neusten Einbruchsstatistiken der Kantonspolizeien werden 88,1 Prozent aller Einbrüche nicht aufgeklärt. Von den 61'128 Einbruchdiebstählen vergangenes Jahr blieben demnach 53'854 Fälle ungesühnt. Dabei ist das Gefälle zwischen den Kantonen gross: Die niedrigste Quote weist Uri auf - nur gerade 6,0 Prozent der Einbrüche sind aufgeklärt worden. Vergleichsweise gut schneidet der Kanton Jura mit einer Rate von 27,3 Prozent bei 565 Fällen ab.

Diese Unterschiede sind frappant. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» sucht Ruedi Huber, Chef der Kriminalpolizei Uri nach einer Erklärung: Die Rate sei auf eine Einbruchswelle zwischen September und November zurückzuführen. Hauptverantwortlich seien Tätergruppen aus Georgien, Rumänien und Moldavien. Wegen der Transitachse, die sich durch den Kanton zieht, seien die Ermittlungs-Umstände besonders schwierig. «Die Autobahn wird als schnelle Fluchtmöglichkeit genutzt», sagt Huber.

Ein weiterer Grund wird im Kanton Aargau genannt: «Die Polizei sieht sich immer wieder gezwungen, Festgenommene innert 24 Stunden zu entlassen», sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau. Meistens sei es unmöglich, den Verdächtigen in so kurzer Zeit ein Delikt nachzuweisen. Warum funktioniert die Aufklärung in anderen Kantonen besser? «Da wir im Vergleich zu anderen Kantonen weniger Einbrüche haben, können wir in 98 Prozent der Fälle einen Forensiker beiziehen - auch bei Einbruchversuchen», sagt Olivier Guénat, Chef der Jurasser Kriminalpolizei.

Wiedereinführung kurzer Freiheitsstrafen?

Die Fallzahlen, ebenso wie die Anzahl Polizisten pro Einwohner, spielen bei der Aufklärungsquote eine Rolle. Trotzdem: Die Schweiz scheint ein Mekka für Kriminaltouristen zu sein. Die meisten kommen ungeschoren davon. Stefan Blättler, Präsident der Schweizerischen Kriminalkommission (SKK) und Kommandant der Kantonspolizei Bern, beklagt, dass zu viele bedingte Strafen ausgesprochen würden. Im Gefängnis landen die Verdächtigen praktisch nie. Blättler fordert deshalb die Wiedereinführung kurzer Freiheitsstrafen und neuer Haftgründe. «Besteht bei einer Person der Verdacht auf bandenmässige Delikte, sollte es möglich sein, sie länger festzuhalten», so der SKK-Chef im Blatt.

Derweil haben die Kantone Bern und Solothurn Kriminaltouristen den Kampf angesagt: In der Nacht auf Samstag haben 120 Angehörige der Polizeikorps bei Oberbipp BE entlang der Autobahn A1 und den umliegenden Hauptstrassen eine Grosskontrolle durchgeführt. Die Beamten unterzogen 400 Fahrzeuge und rund 700 Personen einer Kontrolle. Beim eigentlichen Kontrollzweck, den Einbrüchen, gingen der Polizei mehrere verdächtige ins Netz, die aber nach der Kontrolle wieder entlassen werden mussten. Nach Polizeiangaben handelte es sich um einschlägig bekannte Leute namentlich aus Osteuropa.

Aufklärungsquoten

· Appenzell IR (14): 28,6 %

· Obwalden (125): 28,5 %

· Jura (565): 27,3 %

· Neuenburg (1615): 24,0 %

· Schaffhausen (192): 21,9 %

· Freiburg (1964): 19,6 %

· Wallis (2218). 19,1 %

· Basel-Stadt (2048): 18,1 %

· Appenzell AR (142): 16,2 %

· St. Gallen (2137): 15,0 %

· Glarus (87): 13,8 %

· Graubünden (738): 12,9 %

· Aargau (2694): 12,5%

· Zürich (12127): 12,0 %

· Thurgau (1098): 11,9 %

· Zug (557): 11,0 %

· Genf (7322): 10,5 %

· Luzern (1911): 9,9 %

· Waadt (10604): 9,2 %

· Schwyz (379): 9,0 %

· Bern (5761): 8,7 %

· Tessin (2721): 8,2 %

· Solothurn (1885): 8,0 %

· Nidwalden (102): 6,9 %

· Uri (134): 6,0 %

· Basel-Land: noch nicht veröffentlicht

Quelle: «Schweiz am Sonntag»

So schützen Sie sich

· Sichern Sie Fenster, Türen, Nebeneingänge, Kellerfenster und Lichtschächte Ihrer Wohnung oder Ihres Hauses.

· Beziehen Sie Nebenräume und Garagen in die Sicherheitsüberlegungen mit ein.

· Verraten Sie Ihre Abwesenheit nicht durch Notizen an der Haustür und überfüllte Briefkästen, und verstecken Sie keine Schlüssel im Garten oder an anderen Orten wie in Blumentöpfen oder unter Türmatten.

•· Vermitteln Sie den Eindruck, dass Sie zu Hause sind. Vermeiden Sie, dass Ihre Abwesenheit leicht erkannt werden kann. Lassen Sie deshalb – speziell in der Dämmerung – Licht brennen. Informieren Sie Ihre Nachbarn, wenn Sie für ein paar Tage oder eine längere Zeit abwesend sind, und bitten Sie diese, ab und zu nach Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus zu schauen.

· Hinterlassen Sie keinesfalls Nachrichten auf dem Telefonbeantworter, in denen Sie Ihre Abwesenheit erwähnen.

Quelle: Schweizerische Kriminalprävention

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