Kindsmissbrauch: Nur jeder zehnte Fall wird überhaupt gemeldet
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KindsmissbrauchNur jeder zehnte Fall wird überhaupt gemeldet

Gegen 4000 Kinder und Jugendliche pro Jahr werden in der Schweiz Opfer von sexueller Gewalt. Doch eine neue Studie zeigt: Effektiv sind fast zehn Mal so viele betroffen.

von
kmo
Manche der Missbrauchsopfer sind noch zu klein, um Hilfe zu suchen.

Manche der Missbrauchsopfer sind noch zu klein, um Hilfe zu suchen.

Laut offiziellen Zahlen werden in der Schweiz 3500 bis 4000 Kinder und Jugendliche Opfer von sexueller Gewalt. Doch eine neue Studie der Universität Zürich zeigt: Nur etwa 5 bis 10 Prozent der Fälle kommt überhaupt ans Licht.

«Wir haben festgestellt, dass in der Schweiz pro Jahr rund 1000 Fälle von Vergewaltigung an Kindern gemeldet werden. Wir wissen aber, dass die tatsächliche Zahl solcher Fälle ungefähr zehnmal höher liegt», sagt Studienleiter Thomas Maier am Samstag zur «Tagesschau» auf SRF.

Für ihre Erkenntnisse haben die Forscher eine umfangreiche Erhebung über sexuelle Gewalt bei Minderjährigen durchgeführt und diese Resultate dann mit den effektiv gemeldeten Fällen verglichen.

Ausgenutzt und bedroht

Die Gründe, weshalb die Taten nicht ans Licht kommen, sind vielfältig. Oft werden die Opfer bedroht oder man sagt ihnen, sie sollen ein Geheimnis bewahren. Viele Kinder und Jugendliche schämen sich ausserdem, für das was vorgefallen ist, und wollen deshalb nicht darüber reden. Dazu kommt, dass manche gar nicht fähig sind, Hilfe zu suchen, ganz einfach deshalb, weil sie noch zu klein sind.

Ein Ort, an den sich missbrauchte Kinder und Jugendliche wenden können, ist etwa Castagna, die grösste Schweizer Beratungsstelle für Opfer von Sexualdelikten. Regula Schwager, die bei dieser Organisation arbeitet, erwähnte eine weitere Hemmschwelle gegenüber der «Tagesschau»: Wenn der Missbrauch nicht physischer Natur war, sondern im Internet stattgefunden hat, dann seien sich viele Opfer gar nicht bewusst, dass etwas Illegales stattgefunden hat. Oder sie fühlten sich gar mitschuldig, weil sie ja etwa in der Schule oder von den Eltern gewarnt worden wären. «Sie sind in die Falle getappt», so Schwager.

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