Aktualisiert 20.07.2017 08:39

Roaming-FrustNur jeder zweite Schweizer postet Ferien-Fotos

Die Hälfte der Schweizer verzichtet aus Angst vor Roaming in den Ferien aufs Internet. Doch der erzwungene Verzicht auf Social Media macht vielen zu schaffen.

von
K. Wolfensberger
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Fast jeder zweite Schweizer bleibt in den Ferien offline. Das zeigt eine neue Umfrage von Momondo.ch.

Fast jeder zweite Schweizer bleibt in den Ferien offline. Das zeigt eine neue Umfrage von Momondo.ch.

AP/mel Evans
Die Resultate erstaunen. Schliesslich leben wir im Selfie-Zeitalter: ein junger Mann präsentiert sich mit seinen Eltern auf einem Ferienfoto (Symbolbild).

Die Resultate erstaunen. Schliesslich leben wir im Selfie-Zeitalter: ein junger Mann präsentiert sich mit seinen Eltern auf einem Ferienfoto (Symbolbild).

Youtube.com
Bekannt ist das Inszenieren vor allem von Stars: Auch das indische Model und Filmstar Shraddha Kapoor, hier im Alter von 29 Jahren (Archivbild), zeigt sich gerne mal auf einem Ferienfoto.

Bekannt ist das Inszenieren vor allem von Stars: Auch das indische Model und Filmstar Shraddha Kapoor, hier im Alter von 29 Jahren (Archivbild), zeigt sich gerne mal auf einem Ferienfoto.

Facebook

Ob Strandbild oder Städtepanorama: Instagram und Facebook sind derzeit voller Ferienbilder. Viele, die verreisen, möchten die Daheimgebliebenen via Social Media an ihren Ferien teilhaben lassen. Doch eine neue Umfrage des Reiseportals Momondo zeigt nun: Fast jeder zweite Schweizer verzichtet während Reisen auf Social Media und bleibt offline.

Grund dafür ist einerseits der Wunsch nach mehr Entspannung, andererseits aber auch die nach wie vor hohen Roaming-Gebühren. Denn im Gegensatz zur EU fallen für Schweizer beim Telefonieren oder Surfen im Ausland weiterhin teilweise hohe Kosten an. Gerade Jugendliche sind dann manchmal plötzlich gezwungen, ihren Social-Media-Konsum drastisch zu reduzieren.

Emotionaler Stress

Für viele bedeutet das grossen emotionalen Stress. «Personen, die ständig auf Social Media sind und dann darauf verzichten müssen, können als Folge unter Entzugserscheinungen leiden», erklärt Marc Stoll, Psychologe und Psychotherapeut mit eigener Praxis in Feldmeilen bei Zürich. Die Symptome von Betroffenen einer solchen Onlinesucht ähnelten grundsätzlich einer Abhängigkeit, wie man sie vom übermässigen Gebrauch schädlicher Substanzen kenne.

Allerdings, so Stoll, gelte auch: «Auf Social Media verzichten zu müssen, kann nicht nur stressig, sondern auch befreiend sein.» Endlich werde es möglich, einmal komplett abzuschalten. Die hohen Roaming-Kosten hätten gerade bei Jugendlichen somit auch eine Art Schutzfunktion und wirkten präventiv gegen übermässigen Internet-Konsum in den Ferien.

Weiter erklärt Stoll: «Wer während den Ferien nicht komplett auf Social Media verzichten will, kann irgendwann im Verlauf des Tages mal via Wi-Fi kurz nachschauen.» Dann lohne es sich aber, das Handy für den Rest des Tages im Hotel zu lassen und erst am Abend wieder nachzusehen, was den Tag über so auf Facebook passiert ist.

Bild-Uploads vor Status-Updates

Bei denjenigen, die Facebook und Co. trotzdem verwenden, ist laut der Umfrage von Momondo der Bildupload die beliebteste Nutzungsart. Aber auch Statusupdates werden von mehr als jedem Fünften im Ausland publiziert. Dabei gibt es Unterschiede zwischen den Landesteilen. Während ein Viertel der Deutschschweizer Status-Updates schreibt, tun dies in der Romandie nur 13 Prozent.

Über die Umfrage

Im Auftrag von Momondo befragte das Internationale Umfrageinstitut CINT zwischen dem 2. und dem 12. Januar 2017 insgesamt 24'700 Personen aus 23 verschiedenen Ländern zu ihrem Reiseverhalten. In der Schweiz haben 995 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren teilgenommen. Mehrfachantworten waren teilweise möglich.

Tipps gegen hohe Roaming-Kosten

KWO

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