Aktualisiert 08.09.2009 23:00

Doris Leuthard«Nur mit Ausbildung haben Junge eine Chance»

Über 150 000 Menschen sind arbeitslos in der Schweiz – Tendenz weiter stark steigend. Bundesrätin Doris Leuthard will die besonders betroffenen Jungen noch gezielter fördern.

von
Werner Grundlehner

Frau Bundesrätin, während sich die Arbeitslosigkeit ­unter Lehr- und Studien­abgängern gegenüber dem Vorjahresmonat um 75 Prozent erhöht hat, sind Lehrstellen relativ leicht zu finden. Werden Lehrlinge nun einfach als billige Arbeitskräfte missbraucht?

Doris Leuthard: Nein, keineswegs! Eine Lehre legt den Grundstein für das ganze Berufsleben. Nur mit einer abgeschlossenen Ausbildung haben die Jungen eine Chance, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Wir sind daher sehr froh, dass in den letzten drei Jahren Tausende neuer Lehrstellen geschaffen wurden. Dass die Jungen nach der Ausbildung jetzt überproportional von der Arbeitslosigkeit betroffen sind und unter der Rezession besonders leiden, stimmt. Aber sie werden auch die Ersten sein, die vom Aufschwung profitieren und eine Stelle finden werden – vor allem, wenn sie gut gerüstet sind.

Reicht das dritte Konjunkturpaket aus, um die Folgen der Jugendarbeitslosigkeit zu lindern und die Integration von jungen Arbeitslosen zu fördern? Oder müssen die Mittel aufgestockt werden?

Ich bin schon froh, wenn das Parlament die Vorschläge des Bundesrats unterstützt! Die 350 Millionen Franken, die nun im Rahmen der dritten Stufe für den Arbeitsmarkt vorgesehen sind, werden zusätzlich zu den Leistungen der Arbeitslosenversicherung befristet für 2010 wirken. Die geplanten Massnahmen tragen dem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit Rechnung.

Reichen die von Ihnen ­geförderten Praktika aus, um der rasanten Zunahme der Jugendarbeitslosigkeit entgegenzuwirken – oder braucht es neue Ansätze?

Der Bundesrat hat bereits gehandelt und dem Parlament mit der dritten Stufe ein Paket vorgelegt, das vor allem die Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit zu lindern hilft – etwa mit einem Zustupf an die Weiterbildung und mit ­finanziellen Anreizen für die Unternehmen, junge Stellensuchende mit wenig Berufserfahrung zu beschäftigen. Abgesehen davon sind Praktikumsstellen ein wichtiger und erfolgsversprechender Schritt in die Berufswelt, wir bauen diese konstant aus.

Steuern wir mit einer ­permanent hohen Sockel­arbeitslosigkeit auf deutsche Verhältnisse zu?

Nein, wir haben einen ­flexiblen Arbeitsmarkt und eine diversifizierte Wirtschaft. Unsere Arbeitslosenquote ist im internationalen Vergleich sehr tief. Die Schweiz wird gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Was wurde eigentlich aus der Praktikumsstelle, die Sie mit Ihrem Lohnanteil ­finanzieren wollten?

Diese Stelle konnte in­zwischen besetzt werden. Die betreffende Person, eine frisch ausgebildete Juristin, hat Anfang September im Generalsekretariat ihre Arbeit aufgenommen. Das Generalsekretariat beschäftigt zudem befristet zwei Lehrabgänger weiter. Insgesamt beschäftigt mein Departement momentan rund 100 Hochschulpraktikanten sowie 160 Lehrlinge und Berufspraktikanten.

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