Coronavirus: Contact-Tracing in Kantonen – aber alle warten auf die App
Aktualisiert

CoronavirusContact-Tracing in Kantonen – aber alle warten auf die App

Um eine zweite Infektionswelle zu vermeiden, setzen die Kantone auf die Nachverfolgung aller positiven Fälle. Sie bedauern es, dass die Tracing-App verspätet kommt.

von
Daniel Krähenbühl
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Schulen, Geschäfte, Restaurants und Fitnesscenter sind ab sofort wieder offen. Damit es jetzt nicht zu einer erneuten Infektionswelle kommt, setzen Bund und Kantone auf die Rückverfolgung der Infektionsketten.

Schulen, Geschäfte, Restaurants und Fitnesscenter sind ab sofort wieder offen. Damit es jetzt nicht zu einer erneuten Infektionswelle kommt, setzen Bund und Kantone auf die Rückverfolgung der Infektionsketten.

Foto: Keystone
«Je besser wir das Contact Tracing durchführen können, umso wahrscheinlicher wird es, dass wir weitere Lockerungsschritte beschliessen können», sagte Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit.

«Je besser wir das Contact Tracing durchführen können, umso wahrscheinlicher wird es, dass wir weitere Lockerungsschritte beschliessen können», sagte Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit.

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Die Tracing-App des Bundes wird jedoch voraussichtlich erst im Juni verfügbar sein.

Die Tracing-App des Bundes wird jedoch voraussichtlich erst im Juni verfügbar sein.

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Darum gehts

  • Ab Montag sind nun auch wieder Restaurants und Fitnesscenter offen.
  • Damit es nicht zu einer neuen Infektionswelle kommt, setzen die Kantone auf Contact Tracing.
  • Dabei werden alle positiv getesteten Personen telefonisch kontaktiert und ihre Kontaktpersonen ausfindig gemacht.
  • Doch nicht immer können alle Personen identifiziert werden.
  • In solchen Fällen würde die Contact-Tracing-App des Bundes helfen, sagen die Kantone.

Nach dem achtwöchigen Lockdown erwacht die Schweiz: Schulen, Geschäfte, Restaurants und Fitnesscenter sind ab sofort wieder offen. Damit es jetzt nicht zu einer erneuten Infektionswelle kommt, setzen Bund und Kantone auf die Rückverfolgung der Infektionsketten. «Je besser wir das Contact Tracing durchführen können, umso wahrscheinlicher wird es, dass wir weitere Lockerungsschritte beschliessen können», sagte Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit an der Medienkonferenz am Montag.

Da die Tracing-App des Bundes voraussichtlich erst im Juni verfügbar sein wird, muss sich Simon Fuchs (39) jedoch auf die Angaben der Infizierten verlassen (siehe Box unten). Für den stellvertretenden Basler Kantonsarzt und Leiter des Basler Contact-Tracing-Teams würde die App helfen, bisher unbekannte Infektionsketten offenzulegen: «Schliesslich hat man die Telefonnummer seines Sitznachbarn im Zug oder Tram nicht zur Hand – auch wenn man dieser Person über längere Zeit relativ nahe war.» Mit einer Proximity-App sei es vermutlich möglich, alle möglichen Infizierten zu finden.

Maximal fünf neue Fälle pro Tag

Doch mit oder ohne App – das klassische Contact Tracing bleibe unabdingbar, betont Fuchs. Er und seine Mitarbeitenden kontaktieren telefonisch alle positiv getesteten Personen. «In Quarantäne müssen jene, die mit einer infizierten Person ungeschützt – also ohne Maske oder Trennscheibe – während länger als 15 Minuten und mit weniger als zwei Metern Abstand Kontakt hatten.»

Fuchs rechnet pro Corona-Infiziertem mittelfristig mit rund zehn Kontaktpersonen. Für jede neue getestete Person müsste sein Team zehn Leute ausfindig machen, in Quarantäne bringen und sie regelmässig nach dem Gesundheitszustand fragen. «Stand jetzt könnte unser Team mit zwölf Mitarbeitenden so fünf neue Fälle pro Tag bewältigen.»

Quarantäne-Kontrollen zu Hause

Auch der Kanton Bern setze mit momentan 24 Personen auf das klassische Contact Tracing, sagt Gundekar Giebel, Mediensprecher der Berner Gesundheitsdirektion. Trotzdem sei es für Bern sehr wichtig, dass eine Tracing-App auf nationaler Ebene eingesetzt werde. «Das Kontaktmanagement und das Contact Tracing werden zu einem zentralen Faktor, um die Infektionsketten mit dem Coronavirus rasch zu unterbrechen.»

Ebenso wichtig sei die Einhaltung der Quarantäne-Massnahmen bei möglichen Infizierten, sagt Giebel. Dabei helfe, dass die Bevölkerung sehr gut mitmache. Bussen hätten noch keine ausgesprochen werden müssen – obwohl dies laut Epidemiengesetz möglich wäre.

Wer sich nicht an die Quarantäne-Verfügung des Kantons hält, kann in ein Spital oder in eine andere geeignete Institution eingewiesen werden. «Im Notfall könnten wir die Einhaltung der Quarantäne überprüfen, indem wir zu verschiedenen Tageszeiten anrufen und schauen, wo sich die Personen befinden», sagt Giebel. «Oder man schickt jemanden vorbei, um zu sehen, ob man die Person tatsächlich zu Hause antrifft.» Bis jetzt habe es aber noch keinen Fall gegeben, in dem man derart rigoros eingreifen musste. «Die Leute wissen um ihre Verantwortung.»

Darum harzt es bei der Tracing App

Foto: Keystone

Die Schweizer Contact-Tracing-App war ursprünglich für den 11. Mai angekündigt. Jedoch hat das Parlament letzte Woche an der ausserordentlichen Session in Bern beschlossen, dass die Lancierung der App eine gesetzliche Grundlage voraussetzt. Daher verzögert sich die Veröffentlichung bis in den Sommer. Doch schon jetzt ist bekannt, welche Funktionen die App umfasst. So wird sie etwa darüber informieren, ob sie einen Kontakt mit einer infizierten Person registriert hat. Die Daten werden laut dem BAG zum Schutz der Privatsphäre nicht zentral auf einem Server, sondern nur lokal auf dem Gerät gespeichert.

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