Aktualisiert 21.01.2005 14:14

Nur noch acht Marken auf dem Pariser Laufsteg

Die Luft wird dünn in der Welt der Haute Couture. Nur für wenige Modehäuser ist die höchste französische Schneiderkunst noch rentabel.

Gut im Geschäft sind einzig Dior und Chanel mit ihren Stardesignern John Galliano und Karl Lagerfeld.

Nur acht Pariser Marken schicken ab Montag für drei Tage ihre handgenähten Sommerkollektionen auf den Laufsteg. Die dazu geladenen Italiener Valentino und Armani komplettieren das Programm. Die Traditionshäuser Balmain und Torrente haben das Handtuch geworfen. Bereits im Juli 2004 trat Hanae Mori in den Ruhestand.

Vom Erfolg verwöhnt ist jeodoch Christian Dior Couture. Kurz vor dem Start der Schauen gab die Firma am Freitag ein Geschäftsergebnis für 2004 bekannt, von dem andere Firmen der Branche nur träumen: Der Umsatz stieg um 13 Prozent. Das Betriebsergebis ereichte 50 Mio. Euro - 25 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das ist Rückenwind für den britischen Stardesigner John Galliano, der für Dior gleich zum Auftakt am Montag seine Glitzershow auf den Laufsteg bringen wird.

Auch Chanel mit dem deutschen Modegenie Karl Lagerfeld gilt als Marke mit Gewinn. Kaum jemand zweifelt daran, dass «König Karls» x-te Variation des traditionellen Tweedkostüms wieder die Beifallsstürme der verwöhnten Klientel hervorrufen wird.

Aber diese beiden Supermarken sind Ausnahmeerscheinungen. Die Gruppe Jean-Paul Gaultier kündigte vor wenigen Tagen die Entlassung von 30 der insgesamt 175 Angestellten an. Kollege Christian Lacroix, derzeit noch Teil des Luxuskonzerns LVMH Louis-Vuitton-Moët-Hennessy, soll an eine US-Firma verkauft werden.

Strenge Vorschriften

Wer zur Haute Couture gehören will, muss auch heute noch hohe Auflagen erfüllen: Massgeschneiderte, von Hand genähte Modelle und eine bestimmte Zahl von Angestellten in den Salons werden verlangt. Auch muss eine Haute-Couture-Marke 25 Modelle pro Saison vorführen. Einst waren es noch 50.

Kaum zu glauben, dass es 1945 bei der Einführung der strengen Kriterien für diesen Kreis der besten Schneider noch 106 Mitglieder der Haute Couture gab. Massgeschneidertes war damals bei Damen von Welt oder Geld die Regel, doch die Einführung des Luxus-Segments in den 60er Jahren liess viele Firmen aussteigen.

Prêt-à-porter

Die Namen derjenigen Häuser, die sich lieber auf einträglichere Geschäfte wie Prêt-à-porter, Parfüms oder Accessoires verlegten, ist lang und voller illustrer Namen: Balenciaga, Lanvin, Laroche, Nina Ricci, Louis Féraud und viele mehr.

Im Schatten dieser Dramatik der Glamourwelt gibt es allerdings noch Häuser, die sich bei sehr viel geringeren Umsatzzahlen als die Kolosse Chanel oder Dior dennoch wacker schlagen: Dazu gehört die Marke Scherrer mit einer treuen Kundschaft im Nahen Osten und den USA.

(sda)

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