Frauen-Nati: Nur noch einen Sieg von einer Medaille entfernt
Aktualisiert

Frauen-NatiNur noch einen Sieg von einer Medaille entfernt

In einem begeisternden Match ringen die Schweizerinnen Gastgeber Russland 2:0 nieder und stehen in den Halbfinals. «Das ist ein unglaubliches Gefühl», freut sich Laura Benz.

von
Marcel Allemann
Sotschi

«Das war eine extreme Team- und Torhüter-Leistung. Ich bin enorm stolz, Trainer dieser Mannschaft zu sein», sagte Nati-Trainer René Kammerer sichtlich gerührt. Er brachte damit auf den Punkt, was die 4962 Zuschauer in den 60 Minuten dieser Viertelfinal-Partie sahen. Die Schweizerinnen kämpften und rackerten, Einsatz für Einsatz, Zentimeter für Zentimeter. «Wenn einer ein Fehler unterlief, war sogleich eine andere da, um ihn auszubügeln. So Eishockey zu spielen, macht enorm Spass», erklärte Verteidigerin Laura Benz und meinte weiter: «Wir haben drei Jahre auf diesen Match hin gearbeitet, wenn dann in diesem alles zusammenpasst, ist das enorm schön.»

Eine grandiose Leistung zeigte einmal mehr Goalie Florence Schelling. 41 Schüsse musste die bei den Männern des EHC Bülach in der 1. Liga spielende Zürcherin auf teilweise mirakulöse Weise parieren. Die Schweizer Torfrau strahlte dabei eine ansteckende Sicherheit aus, die sich auf ihre Vorderleute übertrug. «Sie hatte diese Überzeugung in sich, dass wir diese Partie gewinnen werden und das gab dem ganzen Team eine enorme Sicherheit.» Schelling selbst sprach danach «vom wohl besten Länderspiel in meiner Karriere». Doch damit will sie sich nicht zufrieden geben: «Jetzt können wir ohne Druck in die Spiele um die Medaillen gehen und werden für einander sowie für die Schweiz alles geben.»

«Irgendwann werden wir die Kanadierinnen schlagen

Im Halbfinal treffen die Schweizerinnen am Montag auf die Kanadierinnen, denen sie im ersten Gruppenspiel nach ansprechender Leistung mit 0:5 unterlagen. Die Chance, dass die Schweizer Amateurinnen gegen die Profispielerinnen aus Nordamerika bestehen können, sind minim. Womöglich wäre es da taktisch klüger, in dieser Partie Kräfte zu schonen, um danach im Bronze-Spiel (vermutlich gegen Schweden) nochmals die Energie für einen solchen Kraftakt wie gegen die Russinnen aufzubringen.

Doch davon wollte Coach Kammer noch nichts wissen: «Jetzt geniessen wir erstmal diesen Sieg, dann sehen wir weiter. Aber wir sind in einem Turnier, da gilt es auch die Spannung hochzuhalten. Plan A wäre ohnehin, Kanada zu schlagen und Silber zu gewinnen.» Vorzeitig die weisse Fahne schwenken, will auch Laura Benz nicht: «Wir haben in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht und irgendwann werden wir die Kanadierinnen schlagen. Warum denn nicht ausgerechnet am Montag?»

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