Überflieger Schlieri: Nur noch Olympia-Gold fehlt ihm
Aktualisiert

Überflieger SchlieriNur noch Olympia-Gold fehlt ihm

Mit seinem 47. Weltcupsieg ist Gregor Schlierenzauer an Rekordhalter Matti Nykänen vorbeigesprungen und krönte sich zum besten Skispringer der Geschichte.

von
Eva Tedesco
Gregor Schlierenzauer ist der beste Weltcup-Skispringer aller Zeiten.

Gregor Schlierenzauer ist der beste Weltcup-Skispringer aller Zeiten.

Die Erleichterung nach seinem 47. Weltcupsieg beim Skifliegen in Harrachov in Tschechien war riesig. Seit Wochen wird «Schlieri» auf den Rekord angesprochen. Die Zahl 47 dominierte die Berichterstattung in Österreich über die Adler. Schlierenzauer reckte die Ski triumphierend gen Himmel und brüllte dabei seine Freude heraus. Endlich war es geschafft. «Wahnsinn, was mit mir derzeit passiert», jubelt der neue Rekordhalter. Mit seinem 47. Sieg in seiner noch jungen Karriere zog der Sieger der Vierschanzentournee am Finnen Matti Nykänen (46 Weltcupsiege) vorbei und ist der erfolgreichste Skispringer der Weltcup-Geschichte.

Das Leben meint es derzeit gut mit dem jungen «Adler». Das war aber nicht immer so. Zu Beginn seiner Laufbahn wurde «Schlieri» Arroganz vorgeworfen, weil er sich schon mal von seinem Hauptsponsor im Privatjet zur Schanze fliegen liess, Fans in Bischofshofen keine Autogramme geben wollte, weil er ungestört seinen Geburtstag feiern wollte und sich immer mehr zurückzog, nachdem Medien 2006/07 das Leben des Teenagers auf den Kopf stellten, indem sie die Geschichte von der Taubheit auf seinem linken Ohr in allen Facetten ausschlachteten. Rückhalt bot ihm in dieser Zeit die Familie und vor allem der 5-fache Rodel-Weltmeister Markus Prock – sein Onkel. «Von Markus habe ich viel gelernt», lässt sich der Tiroler gern zitieren.

Der Seriensieger

Zum Skipringen kam «Schlieri» als Junior über einen Freund aus dem Fussballverein, der ihn einmal zum Skispringen mitnahm. Seinen ersten Sprung setzte er auf einer Mattenschanze – und verfiel dem Skispringen. Er wechselte von Fulpmes, seinem Heimatort im Stubaital rund 15 Kilometer von der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck entfernt, ins Ski-Internat nach Stams. Rund sieben Jahre nach seinem ersten «Hüpfer» wurde Gregor Junioren-Weltmeister. Im März 2006 debütierte er im Weltcup und gewann in seinem dritten Weltcupspringen im Dezember des gleichen Jahres zum ersten Mal – und seither fast in Serie.

Experten attestieren dem neuen «Helden» der Österreicher enorm viel Talent. Er habe tolle Hebel, eine starke Beinmuskulatur und eine hervorragende Absprungkraft. Schlierenzauer verfüge über perfektes koordinatives Feingefühl, um sich so richtig in die Luft reinfühlen zu können und über eine bemerkenswerte mentale Stärke, sagt Werner Schuster, der den Flugschüler einst in Stams unter seinen Fittichen hatte, über den Seriensieger. «Bei ihm passt einfach alles zusammen. Die ganze Mannschaft ist stolz auf den tollen Rekord», lobte Nationaltrainer Alex Pointner seinen Schützling im ORF.

Schlierenzauer ohne Druck

Nach seinem ersten Jubel wirkte Schlierenzauer schon wesentlich gelassener und freute sich über die Komplimente. Der Hobbyfotograf und Designer seiner eigenen Kleiderlinie hat sich an den Hype um seine Person gewöhnt. Druck kennt er nicht. «Den haben nur diejenigen, die einer Sache nachlaufen», sagte er nach seinem Sieg in Harrachow an der Pressekonferenz. «Ich habe fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Das macht alles ein wenig einfacher». Er ist Team-Olympiasieger, Weltmeister Gesamtweltcup-Sieger und hat zweimal in Folge die Vierschanzentournee gewonnen, aber da wäre noch ein weiteres Ziel, das sich der österreichische Glamour-Adler gesetzt hat: Einzel-Gold an Olympischen Spielen. Das Edelmetall fehlt ihm in seiner Sammlung noch. Aber das er diesen Triumph auch noch einfliegt, dazu muss man wohl kein Hellseher sein.

Der Absturz eines Überfliegers Alkohol-Exzesse, Gefängnis und Auftritte in Strip-Bars. Matti Nykänen ist hoch geflogen und tief gestürzt. Der Finne war einst der Überflieger im Skisprung-Sport. Er holte Olympia-Gold, war 6-facher Weltmeister, 2-facher Sieger der Vierschanzen-Tournee und hielt mit 46 Weltcupsiegen den Rekord.

Der Absturz eines Überfliegers Alkohol-Exzesse, Gefängnis und Auftritte in Strip-Bars. Matti Nykänen ist hoch geflogen und tief gestürzt. Der Finne war einst der Überflieger im Skisprung-Sport. Er holte Olympia-Gold, war 6-facher Weltmeister, 2-facher Sieger der Vierschanzen-Tournee und hielt mit 46 Weltcupsiegen den Rekord.

Mit dem Gesetz kam Nykänen erstmals 1986 in Konflikt. Er hatte Zigaretten und Bier aus einem Kiosk geklaut. 1991 beendete er seine Sportler-Karriere. Sein Musikalbum brachte ihm danach die goldene Schallplatte ein. Das zweite 1993 war ein Flop. 1998 musste er seine Goldmedaille verkaufen. 50 000 Euro bekam er dafür. Den Lebensunterhalt verdiente er sich als Kellner, moderierte Miss-Wahlen, trat als Stripper auf und spielte in einem Pornofilm mit.

2006 landete er erstmals im Gefängnis. Er wurde zu 26 Monaten Haft verurteilt, weil er einen Mann niedergestochen hat. 2009 waren es 5 Monate, nachdem er seine Frau Mervi verprügelt hat. «Mein Leben war die Hölle, aber jetzt bin ich glücklich», so der 49-Jährige in einem Interview mit «Sport-Bild».

Heute tingelt er als Sänger in Diskotheken und Bars herum. Rückhalt gibt ihm Freundin Susanna. Und er habe im Sommer wieder mit Skispringen begonnen. Sein Ziel ist die Senioren-WM im März in Russland. Traurig über den Verlust seines Rekordes ist er nicht. «Nichts im Leben hält für immer», so der Finne. Und er weiss, wovon er spricht. (ete)

Österreich ist eine Ski-Nation 67 Prozent interessieren sich für den Alpinsport. Knapp dahinter kommt das Skispringen mit 54 Prozent. In Sachen Bekanntheitsgrad stehen Thomas Morgenstern und Benjamin Raich (je 94 Prozent) an der Spitze. Auch Marlies Schild (88), Gregor Schlierenzauer, Elisabeth Görgl (beide 87) und Marcel Hirscher (84) kennt man. Die Sportübertragung 2011 mit der höchsten Einschaltquote kommt auch aus dem Wintersport. Der Final der Vierschanzentournee auf ORF lockte 1,314 Millionen Zuschauer an, gefolgt vom Nachtslalom in Schladming (1,292 Mio.) und der WM-Abfahrt der Frauen in Garmisch (1,236). Der erste Nicht-Wintersportevent mit der besten Quote kommt aus dem Fussball: Das EM-Qualifikationsspiel zwischen Österreich und Deutschland verfolgten 0,49 Millionen. Quelle: ifm-sports.com

Österreich ist eine Ski-Nation 67 Prozent interessieren sich für den Alpinsport. Knapp dahinter kommt das Skispringen mit 54 Prozent. In Sachen Bekanntheitsgrad stehen Thomas Morgenstern und Benjamin Raich (je 94 Prozent) an der Spitze. Auch Marlies Schild (88), Gregor Schlierenzauer, Elisabeth Görgl (beide 87) und Marcel Hirscher (84) kennt man. Die Sportübertragung 2011 mit der höchsten Einschaltquote kommt auch aus dem Wintersport. Der Final der Vierschanzentournee auf ORF lockte 1,314 Millionen Zuschauer an, gefolgt vom Nachtslalom in Schladming (1,292 Mio.) und der WM-Abfahrt der Frauen in Garmisch (1,236). Der erste Nicht-Wintersportevent mit der besten Quote kommt aus dem Fussball: Das EM-Qualifikationsspiel zwischen Österreich und Deutschland verfolgten 0,49 Millionen. Quelle: ifm-sports.com

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