Schläger verurteilt: Nur noch Tätlichkeit statt Körperverletzung
Aktualisiert

Schläger verurteiltNur noch Tätlichkeit statt Körperverletzung

In der so genannten «Stunde der Idioten» wurde in Affoltern ein Türsteher des Lokals «Klaushouse» von zwei Gästen spitalreif geprügelt. Einer der beiden stand nun vor Obergericht.

von
Attila Szenogrady

Er gilt in der Gastronomie als der gefährlichste Zeitpunkt: Die so genannte «Stunde der Idioten». Gemeint ist die Zeit nach 5 Uhr morgens, wenn die zumeist stark alkoholisierten oder frustrierten letzten Gäste plötzlich aufeinander losgehen. So geschah es auch im Lokal «Klaushouse», als im Morgengrauen auf den 22. März 2009 zwei angetrunkene Gäste auf der Toilette mutwillig einen Spiegel zerstörten.

Türsteher spitalreif geprügelt

Ein heute 36-jähriger Türsteher erwischte die zwei Kosovo-Albaner und wollte ihre Adressen erhältlich machen. Laut Anklage gingen die beiden Männer auf den Sicherheitsbeamten los. Laut Anklage versetzten sie dem Geschädigten mehrere Faustschläge ins Gesicht. Zuerst noch im Lokal, dann draussen in der Nähe der SBB-Geleise. Sicher ist, dass der Türsteher kurz darauf mit einem gebrochenen Nasenbein und Zahnverletzungen ein Spital aufsuchen musste.

Kurz darauf traf die Polizei am Tatort ein und konnte die Personalien der beiden mutmasslichen Täter aufnehmen.

Nur einer der Männer überführt

Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis leitete eine Strafuntersuchung gegen die beiden Handwerker ein. Allerdings hatten die Ermittlungsbehörden kein leichtes Spiel. So wiesen beide Beschuldigten alle Vorwürfe von sich und machten eine Verwechslung geltend. Zudem lagen auch diverse widersprüchliche Zeugenaussagen vor.

Das Bezirksgericht Affoltern sah im Juni 2010 nur einen der beschuldigten Männer als überführt an. Es war ein heute 24-jähriger Industrielackierer aus Hedingen. Er hatte laut Urteil dem Opfer noch im Lokal ins Gesicht geboxt. Was ein Augenzeuge klar bestätigt hatte. Der mehrfach vorbestrafte Täter wurde wegen Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 70 Franken verurteilt. Der zweite Mann wurde mangels Beweisen freigesprochen.

Nur Tätlichkeit erwiesen

Der Verteidiger des verurteilten Angreifers ging in die Berufung und verlangte kürzlich vor dem Zürcher Obergericht nach dem Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten einen Freispruch. So weit wollten die Oberrichter nicht gehen und stuften den Faustschlag als erwiesen an. Dennoch kamen sie dem Beschuldigten entgegen und verneinten den Nachweis einer Körperverletzung. Diese hätte auch draussen in der zweiten Phase erfolgen können. Somit sah das Obergericht nur eine Tätlichkeit als erwiesen an. Womit es neu eine Busse von 1000 Franken als Strafe festlegte. Der Geschädigte wurde mit seinen finanziellen Forderungen auf den Weg eines Zivilprozesses verwiesen.

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