Expertenrat: Nur perfekte Gebisse brauchen keine Zahnseide
Publiziert

ExpertenratNur perfekte Gebisse brauchen keine Zahnseide

Braucht es Zahnseide oder nicht? Ja, sagt ein Experte. Nur wer keine Füllungen und keine Zahnfleischentzündungen hat, kann darauf verzichten.

von
jcg
1 / 6
Aus den Richtlinien der US-Gesundheitsbehörde ist die seit 1979 bestehende Empfehlung für den Gebrauch von Zahnseide verschwunden.

Aus den Richtlinien der US-Gesundheitsbehörde ist die seit 1979 bestehende Empfehlung für den Gebrauch von Zahnseide verschwunden.

AP/Julio Cortez
So stand es in der 2010er-Version der Richtlinien: «... Zähne zu bürsten und Zahnseide zu benutzen, ist der wirksamste Weg, um Karies zu reduzieren.» (Quelle: Dietary Guidelines for Americans, 2010, Seite 48)

So stand es in der 2010er-Version der Richtlinien: «... Zähne zu bürsten und Zahnseide zu benutzen, ist der wirksamste Weg, um Karies zu reduzieren.» (Quelle: Dietary Guidelines for Americans, 2010, Seite 48)

Der Grund: Das Gesetz verlangt, dass die Empfehlungen wissenschaftlich untermauert sein müssen.

Der Grund: Das Gesetz verlangt, dass die Empfehlungen wissenschaftlich untermauert sein müssen.

AP/Julio Cortez

Die Frage, ob Zahnseide im Kampf gegen Parodontose und Karies etwas bringt, beschäftigt zurzeit die USA. Auslöser für die Kontroverse ist das Eingeständnis der US-Gesundheitsbehörde, dass es keinen Nachweis für die Wirksamkeit von Zahnseide gibt. Daraufhin wurde die Empfehlung für den Gebrauch von Zahnseide in der Ernährungsleitlinie des US-Gesundheitsministeriums gestrichen.

Und tatsächlich, «wer keine Füllungen oder Zahnfleischentzündung hat, kann auf den Gebrauch von Zahnseide verzichten», sagt Adrian Lussi, Direktor der Klinik für Zahnerhaltung, Präventiv- und Kinderzahnmedizin an der Universität Bern. Allerdings gebe es kaum jemanden, dessen Zahnfleisch nicht zumindest ein wenig entzündet sei, so Lussi. Und wo es Füllungen hat, hat es auch Füllungsränder, die gereinigt sein wollen.

Zahnseide richtig einsetzen

Der Klinikdirektor rät denn auch, neben dem normalen Zahnbürsten trotzdem Zahnseide zu verwenden. Allerdings nur an Stellen, wo man mit sogenannten Interdentalbürsten nicht hinkommt, also zum Beispiel zwischen den vorderen Zähnen.

Interdentalbürsten reinigen durch ihre Beschaffenheit die Zahnzwischenräume deutlich besser als Zahnseide und stellen für das Zahnfleisch ein geringeres Verletzungsrisiko dar. Sie sind geeignet für die hinteren Zähne, da dort die Zwischenräume meist grösser sind und man mit der Zahnseide nur schwer hinkommt.

Christoph Senn, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft SSO, bestätigt diese Aussagen, und ergänzt, dass auch das Alter eine Rolle spiele. Bei älteren Menschen stünden die Zähne tendenziell weiter auseinander als bei jüngeren. In fortgeschrittenem Alter lasse sich also das Interdentalbürstchen gut einsetzen.

Verletzungsgefahr

Wo Zahnseide zum Einsatz kommt, muss sie für grösste Wirksamkeit richtig verwendet werden. Lussi rät, ein kleines Stück zwischen zwei Finger zu spannen und es um den zu reinigenden Zahn zu schlingen und es dann ein paar Mal hinauf und hinab zu bewegen. Dasselbe Stück kann dann andersrum noch einmal um den Zahn geschlungen werden.

Auf keinen Fall sollte man die Zahnseide wie eine Säge hin und her bewegen, da man so Verletzungen der Zahnfleischpapille, also jenes Teils des Zahnfleisches, der zwischen die Zähne reicht, riskiert.

Auch Curaden, ein Schweizer Hersteller von Interdentalbürsten und Zahnseide, warnt, dass viele Menschen Zahnseide nach Gutdünken benutzen und täglich ihr Zahnfleisch verletzen würden. Der Hersteller bietet deshalb Kurse zum richtigen Umgang mit Werkzeugen zur Mundhygiene an.

Profis fragen

Klinikdirektor Lussi rät Personen, die im Umgang mit Zahnseide oder Interdentalbürsten unsicher sind, beim nächsten Zahnarzt- oder Dentalhygienetermin einfach einmal den Profi nach praktischen Tipps zu fragen.

Deine Meinung