16.11.2018 19:43

Frauenticket der CVP«Nur so bringen wir die Gleichstellung voran»

Die CVP überrascht alle und steigt mit zwei Frauen in die Bundesratswahl vom 5. Dezember. Die Reaktionen.

von
Nikolai Thelitz / Daniel Waldmeier

Die beiden offiziellen CVP-Kandidatinnen für den Bundesrat stellen sich den Fragen von 20 Minuten. (Video: Nikolai Thelitz)

Viele rechneten damit, dass die CVP Nationalrätin Viola Amherd (56) und sowie Ständerat Peter Hegglin (57) nominieren werde. Es kam anders: Die Fraktion setzt neben Amherd die in Bundesbern eher unbekannte Urner Regierungsrätin Heidi Z'graggen (52) aufs Ticket. «Ich werde nun mein Netzwerk aktivieren, ins Gespräch kommen mit den Parlamentariern und Visionen aufzeigen für die Schweiz», sagte Z'graggen am Freitagabend vor den Medien.

In den sozialen Netzwerken wirft der Entscheid der CVP hohe Wellen. Vor allem linke Frauen freuen sich, dass am 5. Dezember mit einiger Wahrscheinlichkeit zwei Frauen in den Bundesrat gewählt werden dürften, gilt doch Karin Keller-Sutter bei der FDP als Kronfavoritin für die Nachfolge von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann.

«Warum hat das die FDP nicht gewagt?»

Auch Grünen-Präsidentin Regula Rytz gratuliert der CVP und deren Präsident Gerhard Pfister. Nur so komme man mit der Gleichberechtigung einen Schritt vorwärts.

Derweil will CVP-Frau Marianne Binder nichts von einer Überraschung wissen: Die Partei trete seit 1999 mit Frauentickets an.

«Keine Frauenquote»

An der Pressekonferenz betonte die CVP-Spitze, es habe keine Vorgaben bezüglich des Geschlechts gegeben. Die Fraktionsmitglieder hätten frei aus den drei Frauen und Hegglin wählen können: «Ich habe im Vorfeld gesagt, dass ein Frauenticket für mich nichts Schlimmes wäre. So ist es gekommen, ohne dass wir eine Frauenquote hätten festlegen müssen», sagt Amherd. Man habe sich die Aussagen bei den Hearings angehört, habe sich ein Bild gemacht und dann zwei Frauen aufs Ticket gesetzt. «Ich denke, dass ist eine gute Situation für die CVP.»

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Die FDP-Fraktion hat Hans Wicki und Karin Keller-Sutter nominiert.

Die FDP-Fraktion hat Hans Wicki und Karin Keller-Sutter nominiert.

Keystone/Peter Klaunzer
Bei der FDP ist Karin Keller-Sutter Kronfavoritin für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann.

Bei der FDP ist Karin Keller-Sutter Kronfavoritin für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann.

Keystone/Christian Beutler
Oder macht doch Ständerat Hans Wicki das Rennen, den die Partei neben Keller-Sutter aufs Ticket setzt? Seine bescheidenen Französischkenntnisse sorgen für viel Gesprächsstoff.

Oder macht doch Ständerat Hans Wicki das Rennen, den die Partei neben Keller-Sutter aufs Ticket setzt? Seine bescheidenen Französischkenntnisse sorgen für viel Gesprächsstoff.

Keystone/Patrick Huerlimann

Verlierer Hegglin musste derweil vor dem Konferenzsaal warten, während die Nominierten die Fragen der Medien beantworteten. Gegenüber 20 Minuten gibt er sich als fairer Verlierer. Auf die Frage, ob er nicht auf dem Ticket stehe, weil er ein Mann sei, sagt er: «Es ist gut möglich, dass die Überlegung im Raum stand, dass die CVP nach Doris Leuthard sicher wieder mit einer Frau im Bundesrat vertreten sein muss.» Schon vor der Abstimmung in der Fraktion habe er den Eindruck gehabt, dass es auf ein Frauenticket hinauslaufe. Vielleicht habe man aber auch keinen Bauernvertreter gewollt oder einen Vertreter eines finanzstarken Kantons. Zu hadern, bringe nichts. Immerhin habe er es versucht.

Nachhilfe für Wicki?

Die FDP schlägt derweil Karin Keller-Sutter und Hans Wicki vor. Das Ticket ist keine Überraschung. Zu reden gaben vor allem die Französischkenntnisse von Hans Wicki, der sich am Freitag weigerte, gegenüber den Medien Französisch zu sprechen. «Ich bin kein Sprachgenie, ich war viel unterwegs im Ausland. Dort habe ich vor allem Englisch gesprochen. Darunter hat mein Französisch etwas gelitten. Als Bundesrat würde aus schlechtem Französisch aber schnell gutes werden.» Französischlektionen nehme er keine.

Hans Wicki zu seinen Französischkenntnissen

Bundesratsanwärter Hans Wicki erklärt seine Französischkenntnisse. (Video: Tamedia)

Wicki präsentierte sich als Mann der Wirtschaft. Sein Vorteil sei, dass er lange in der Privatwirtschaft gearbeitet habe. Übersetzerin Keller-Sutter punktete derweil mit ihrem fehlerfreien Französisch.

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