Aktualisiert 01.10.2010 09:48

Prozess in Winnenden

Nur Tim Ks. DNA-Spuren auf der Tatwaffe

An der Tatwaffe und Munition hat die Polizei nur DNA-Spuren von Tim K. gefunden. Die Pistole lag seit mehr als zwei Jahren im Schlafzimmerschrank hinter einigen Pullovern.

Weder an der Tatwaffe noch an der Munition, mit denen der 17-jährige Tim K. im März 2009 insgesamt 15 Menschen tötete, wurden DNA-Spuren des Vaters gefunden. An den Patronenständern, in denen die Munition aufbewahrt wurde, dagegen schon. Die Spuren des Vaters seien durch das Einfüllen der Patronen in den Ständer zu erklären, sagte der zuständige Beamte der Polizeidirektion Waiblingen am Donnerstag im Prozess gegen den Vater vor dem Landgericht Stuttgart.

Zwei Tage zuvor war vor Gericht behauptet worden, dass die Waffe, mit der der 17 Jahre alte Tim K. in Winnenden Amok lief, hätte möglicherweise sicher untergebracht werden können. Ein Hauptsachbearbeiter der Polizei Waiblingen sagte, aus einem Chatprotokoll der Schwester gehe hervor, dass Tim den Code zur Alarmanlage des Hauses der Familie nicht kannte. Nach Aussage des Vaters war die Verschlüsselung identisch mit der des Waffenschranks im Keller. Ob die Codes tatsächlich übereinstimmten, konnten die Ermittler bisher nicht klären. Die Verteidigung forderte den Beamten auf, zu klären, ob die technische Möglichkeit bestanden habe, dass die Codes gleich waren.

Im Waffenschrank im Keller des Hauses befanden sich zehn Langwaffen, die ordnungsgemäss aufbewahrt gewesen seien. Die Beretta, mit der Tim den Amoklauf verübte, lag seit mehr als zwei Jahren im Schlafzimmerschrank hinter einigen Pullovern. Die Waffe hätte allerdings in einem Sicherheitskasten aufbewahrt werden müssen, im Waffenschrank sei sogar noch Platz dafür gewesen, wurde bekannt. Zudem befanden sich in einem Stahlschrank im Keller zwei Revolver, die dort nicht ordnungsgemäss aufbewahrt waren. In einem Werkzeugschrank fanden die Beamten zudem Waffenteile und Munition.

Gute Bruder-Schwester-Beziehung

Im Prozess wurde zudem ein früheres Verhör des Vaters verlesen. Darin berichtete dieser, dass Tim sich mit seiner Schwester gut verstanden habe. Er habe auch Freunde gehabt, jedoch keine besonders engen. In seiner Freizeit habe Tim viel Tischtennis, Poker und am Computer gespielt, erzählte der Vater dem Verhörprotokoll zufolge. Der Vater habe Tim für sportliche Erfolge Geld gegeben, seine Schwester habe Geld für gute Noten bekommen. Woher sein Sohn die Egoshooter gehabt habe, wisse er nicht. Er habe sie ihm nicht gekauft.

Der Vater muss sich seit 16. September vor Gericht verantworten, weil er die Tatwaffe unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt und nicht wie vorgeschrieben weggeschlossen haben soll.

(dapd)

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