Aktualisiert 09.03.2020 06:40

Asiatin in Luzern gemobbt«Nur weil ich Asiatin bin, habe ich nicht Coronavirus»

Nach einer Auseinandersetzung mit einer Gruppe Senioren in Luzern fühlt sich eine asiatische Studentin diskriminiert. Mit ihrem Schicksal ist sie nicht allein.

von
nke
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Lisa Chang hatte am Samstag eine unschöne Begegnung mit einer Gruppe Senioren in der Theaterstrasse in Luzern.

Lisa Chang hatte am Samstag eine unschöne Begegnung mit einer Gruppe Senioren in der Theaterstrasse in Luzern.

Dort sei die Taiwanesin an einer Gruppe älterer Menschen vorbei gegangen. Die Person, die Chang am nächsten war, habe sich überstürzt von ihr wegbewegt. Andere aus der Gruppe hätten dramatisch gerufen: «Achtung!»

Dort sei die Taiwanesin an einer Gruppe älterer Menschen vorbei gegangen. Die Person, die Chang am nächsten war, habe sich überstürzt von ihr wegbewegt. Andere aus der Gruppe hätten dramatisch gerufen: «Achtung!»

Chang sagt, die Senioren hätten sie diskriminiert wegen des Corona-Virus und weil sie asiatisch aussehe.

Chang sagt, die Senioren hätten sie diskriminiert wegen des Corona-Virus und weil sie asiatisch aussehe.

Lisa Chang ist am Samstag mit ihrem Schweizer Ehemann Essen gegangen. Auf dem Heimweg hatte die 35-jährige Taiwanesin dann eine unschöne Begegnung mit einer Gruppe Senioren: An der Theaterstrasse ging das Ehepaar nach 13 Uhr an einer Gruppe älterer Menschen vorbei. Die Person, die Chang am nächsten war, soll sich überstürzt von ihr wegbewegt haben. Andere aus der Gruppe sollen dramatisch «Achtung!» gerufen haben, sagt Chang gegenüber 20 Minuten. Während der gesamten Szene hätten die Senioren laut gelacht. Das Ehepaar konnte die Situation zunächst gar nicht einordnen und ging weiter.

«Schikaniert ihr Menschen nur zum Spass?»

Erst als Chang bemerkt habe, dass die Senioren ihre Reaktion abgewartet hätten, sei ihr klar geworden, dass es um sie gehe und sie wie eine Corona-Erkrankte behandelt werde. Sie habe dann angehalten, während ihr Mann weiterging. Sie habe die Rentner gefragt, ob das ihr Ernst sei: «Schikaniert ihr etwa Menschen nur zum Spass?» Daraufhin hätten die Senioren keine Anstalten gemacht, sich zu entschuldigen oder gar Reue gezeigt. Das Lachen soll einfach weitergegangen sein, was Chang sehr frustrierte.

Changs Ehemann, der schon ein paar Meter weiter gegangen war, meinte, da könne man nichts tun, sie solle es einfach sein lassen. Auch als Chang die Senioren darauf aufmerksam gemacht habe, dass ihr Verhalten diskriminierend und illegal sei, soll die Gruppe nur weiter gelacht haben. Frustriert sei sie dann weitergegangen.

Am meisten hätte sie geschockt, dass es sich es sich um ältere Menschen handelte, die es eigentlich besser wissen sollten: «So wie sie aussahen und gekleidet waren, müssen es wohlhabende und gebildete Menschen gewesen sein», sagt Chang.

Kein Einzelfall

Chang stammt aus Taiwan und hat sich vor einem knappen Jahr in der Schweiz niedergelassen. Sie absolviert derzeit ein Masterprogramm an der Uni Luzern und lebt in Hergiswil. Sie sei nicht die einzige Person mit asiatischem Aussehen, die mit rassistischer Diskriminierung aufgrund des Coronavirus zu kämpfen habe: «In meinem Umfeld gab es schon mehrere solche Fälle», sagt Chang. Sie habe eine Mitstudentin aus Hong Kong, die täglich von Zürich nach Luzern pendle. Es passiere öfters, dass sich andere Pendler an andere Plätze begeben würden, um nicht neben ihr sitzen zu müssen. Eine Freundin aus Singapur habe zwei Kinder, die in der Primarschule wegen ihrem Aussehen und dem Virus gehänselt werden.

Chang fordert einen gepflegteren Umgang und weniger Diskriminierung: «Nur weil ich Asiatin bin, habe ich nicht das Coronavirus.» Sie findet es Fragwürdig, dass wegen dem Coronavirus rassistische Vorurteile wieder salonfähig würden. Sie fordert Opfer auf sich zu wehren: «Wir sind doch durch die Antirassismus-Strafnorm geschützt!» Deshalb sollen Leute, denen etwas ähnliches widerfährt, zur Polizei gehen, meint Chang.

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