Frauenaktionstag: Nur wenig Frauen pfiffen aus Protest
Aktualisiert

FrauenaktionstagNur wenig Frauen pfiffen aus Protest

Wie schon vor 20 Jahren wollen heute Frauen für ihre Rechte demonstrieren. Dieses Mal erhalten sie sogar unerwartete Verstärkung. Bis anhin blieb der Auflauf aber deutlich unter den Erwartungen.

Schrille Töne und symbolische Aktionen haben am Dienstag den nationalen Frauenaktions- und Streiktag dominiert. Die Frauen stöckelten in High Heels für gerechte Löhne über die Plätze, liessen BHs in die Luft steigen und demonstrierten lautstark für mehr Gleichstellung.

Dem Aufruf zum Frauenaktionstag folgten seit dem frühen Morgen Tausende in allen grösseren Schweizer Städten und in zahlreichen Betrieben. «Es läuft extrem viel», sagte Koordinatorin Lea Kusano auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Über 50 Organisationen waren am Aktionstag beteiligt. Sie erwarteten rund 100'000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Punkt 14.06 Uhr machten die Frauen in der ganzen Schweiz ihrem Ärger über die ungleichen Löhne und das «Schneckentempo bei der Gleichstellung» mit einem schrillen Pfeifkonzert Luft. Rund 40'000 Trillerpfeifen waren im Vorfeld verteilt worden.

Nur wenige hundert mobilisiert

Der Trillerpfeifen-Protest vermochte allerdings in allen grösseren Schweizer Städten nur wenige hundert Frauen zu mobilisieren, wie SDA-Korrespondenten vor Ort feststellten. Vor allem Frauen über 40 und einige wenige Männer pfiffen dennoch mehrere Minuten lang und mit grosser Begeisterung.

Auf allen Plätzen dominierte die Farbe lila - Fahnen, T-Shirts und Accessoires sollten an die Farbe des ersten nationalen Streiktages vom 14. Juni 1991 erinnern.

In der grössten Schweizer Stadt, Zürich, folgten gerade einmal rund 100 Frauen dem Aufruf zum «Anpfiff für faire Frauenlöhne und echte Gleichstellung» rund um den Helvetiaplatz. Rund 250 Frauen pfiffen in Basel, 150 in St. Gallen. In Lausanne verschafften sich rund 300 Frauen mit Trillerpfeifen Gehör, in Genf 200.

Fliegende Büstenhalter

In Bern trafen sich 400 Frauen zum Pfeifkonzert auf der Kleinen Schanze in der Nähe des Bundeshauses. Für Aufmerksamkeit sorgten in der Bundeshauptstadt rund 40 fliegende Büstenhalter: Die Frauen liessen an lila Ballonen Push-up-BHs in den Himmel steigen. Die Aktion sollte symbolisieren, dass auch in Sachen Gleichstellung noch ein Schub nach oben nötig sei.

«Ein echter Push-up wären genug Betreuungsplätze für Kinder, Teilzeitstellen auch für Männer, gleicher Lohn für gleiche Arbeit und mehr Führungspositionen für Frauen», hiess es auf Flugblättern. BHs als Instrument des Frauenprotests hätten eine weltweite Tradition, hatten die Organisatoren zuvor erklärt. Heutzutage protestierten Frauen nicht mehr ohne, sondern mit Büstenhaltern.

Protestlunch und Streikpicknicks

In Chur stöckelten Frauen in High Heels vom Bahnhof zum Grossratsgebäude. Auf einem Transparent forderten sie Lohngleichheit für Frau und Mann sowie einen Mindestlohn von 4000 Franken. In Basel traf sich frau zum Protestlunch, in Genf, Lausanne, Neuenburg oder Yverdon fanden Streikpicknicks statt.

In St. Gallen zeigten die Angestellten des Detailhandels die lila Flagge: Verkäuferinnen, Coiffeusen oder Serviceangestellte liessen sich vom Protestmarsch durch die Innenstadt anstecken und legten Protestpausen ein. Mehrere hundert Personen feierten so ein spontanes Streikfest.

Nebst den Protesten auf öffentlichen Plätzen fanden auch Aktionen in Betrieben statt. Gemäss Angaben des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes hielten etwa die Angestellten der Tesa-Fabrik in Lausanne, einer Swatch-Produktionsstätte in Mendrisio oder des Industriebetriebs Huber und Suhner in Herisau eine Protestpause ab.

Ein Stuhl für Frauen - eine Aktion der Unia für bessere Löhen im Detailhandel:

Deine Meinung