Aktualisiert 28.05.2015 12:00

Zürcher Kreis 2

Nur wer 50 Franken zahlt, kann Wohnung besichtigen

Die jetzigen Mieter verlangen in einem Inserat 50 Franken für die Besichtigung ihrer 3-Zimmer-Wohnung. Interessierte müssen im Voraus zahlen, damit sie eine Chance haben.

von
som
Wer in Zürich eine Wohnung will, braucht starke Nerven. Dass man aber für die Besichtigung Geld abdrücken soll, ist unüblich.

Wer in Zürich eine Wohnung will, braucht starke Nerven. Dass man aber für die Besichtigung Geld abdrücken soll, ist unüblich.

Im ausgetrockneten Zürcher Wohnungsmarkt greifen teilweise nicht nur die Vermieter zu fragwürdigen Maschen. Dies zeigt ein aktuelles Inserat einer 3-Zimmer-Wohnung im Zürcher Kreis 2: Wer diese nämlich besichtigen will, muss im Voraus 50 Franken zahlen – so viel verlangen die jetzigen Mieter.

«Dass man für die Besichtigung Geld verlangt, ist absolut unüblich und unsittlich», sagt Walter Angst vom Schweizer Mieterverband zur «Aargauer Zeitung». Leider gebe es immer wieder «Schlaumeier», die aus der Wohnungsnot Profit schlagen wollten. Es sei auch schwierig, denn wegen 50 Franken beschweren sich die wenigsten. Schliesslich komme man laut Angst nur in die engere Auswahl, wenn man bezahlt. Dieses Beispiel bestätige, dass die Dreistigkeit aufgrund der Wohnungsnot zunehme, so Angst.

Die Mieter finden ihre Methode fair

Alles andere als dreist finden jedoch die beiden Mieter, dass sie für die Besichtigung ihrer Wohnung «eine Gebühr» verlangen. Zur AZ sagten sie, dass es ihnen nicht ums Geld gehe. Das sei ja nichts im Gegenzug zum Aufwand, den sie hätten. Sie wollen nur nicht die Dummen sein, die einen riesigen Aufwand haben. «Die Wohnungssuche in Zürich ist schwierig. Wir wollten die Wohnung nicht unter der Hand vergeben und nicht an den Ersten, sondern wollten es fair machen.» Mit dieser Einschränkung würden nur diejenigen kommen, die wirklich an der Wohnung interessiert seien und somit würde sich der Kreis einschränken. Das sei angenehmer für alle: Weniger Konkurrenz und bei Einzelterminen hätten sie nicht 100 Leute gleichzeitig in der Wohnung.

«In anderen Ländern ist das völlig normal. Es ist nur unüblich auf diesem Markt, aber ökonomisch finden wir das die sinnvollste Massnahme und richtig», erklären die jungen Männer und vergleichen es mit einer Tombola. Die Verwaltung wisse nichts, aber das sei ja auch ihre Sache. Gestern hatten sie 20 Zusagen von Leuten, die bereit sind, zu bezahlen. Insgesamt kassieren die beiden also 1000 Franken. Das Geld kann man laut den beiden Männern im Voraus auf ein Konto zahlen oder bei der Besichtigung in bar bringen.

«Rechtlicher Graubereich»

Rechtlich liegt die Besichtigungsgebühr im Graubereich, so Rechtsexperte Ruedi Spöndlin vom Mieterverband: Er nennt es Handgeld oder Koppelungsgeschäft und dies sei nicht zulässig. Wäre es eine Vermittlungsgebühr für den Zuschlag, könnte man diskutieren. Aber die Besichtigung sei keine Leistung, die entlohnt werden müsse. Es sei anrüchig. Schliesslich gingen die Mieter ausserterminlich aus der Wohnung und diesen Aufwand haben alle bei der Nachmietersuche. «Wenn der Vermieter davon weiss, ist das eindeutig nicht zulässig.»

Haben Sie das Inserat gesehen und Geld für die Wohnungsbesichtigung ausgegeben? Schreiben Sie uns an feedback@20minuten.ch.

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