Aktualisiert 19.06.2015 06:54

Bittersüßes PolitikumNutella-Streit entzweit Frankreich und Italien

Die französische Umweltministerin rief zum Nutella-Boykott auf. Das erzürnte den italienischen Umweltminister: Statt Pasta zum Abendessen wollte er demonstrativ Nutella-Brötchen essen.

von
mh
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«Man muss aufhören, Nutella zu essen.» Mit einem Aufruf gegen den beliebten Schoko-Brotaufstrich hat Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal am 15. Juni 2015 für Aufsehen gesorgt.

«Man muss aufhören, Nutella zu essen.» Mit einem Aufruf gegen den beliebten Schoko-Brotaufstrich hat Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal am 15. Juni 2015 für Aufsehen gesorgt.

Caroline Blumberg
Die Kritik an ihrem beliebten Schoko-Brotaufstrich ließen sich die Italiener nicht gefallen. Die Ehefrau von Ministerpräsident Matteo Renzi, Agnese Landini, ließ sich bei einem Besuch an der Expo Mailand demonstrativ einen Nutella-Crêpe mit Sahne servieren.

Die Kritik an ihrem beliebten Schoko-Brotaufstrich ließen sich die Italiener nicht gefallen. Die Ehefrau von Ministerpräsident Matteo Renzi, Agnese Landini, ließ sich bei einem Besuch an der Expo Mailand demonstrativ einen Nutella-Crêpe mit Sahne servieren.

Twitter
Die empörten Reaktionen aus Italien und der Spott aus Frankreich zwangen Royal zum Rückzieher. Am 17. Juni erklärte die sozialistische Politikerin über den Kurznachrichtendienst Twitter: «Ich bitte wegen der Polemik über Nutella tausend Mal um Entschuldigung.»

Die empörten Reaktionen aus Italien und der Spott aus Frankreich zwangen Royal zum Rückzieher. Am 17. Juni erklärte die sozialistische Politikerin über den Kurznachrichtendienst Twitter: «Ich bitte wegen der Polemik über Nutella tausend Mal um Entschuldigung.»

Twitter

«Man muss aufhören, Nutella zu essen.» Der vernichtende Aufruf, den Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal am Montagabend machte, löste einen Streit zwischen der Grande Nation und Italien aus – denn die Italiener ließen sich selbstverständlich die Kritik an ihrem beliebten Schoko-Brotaufstrich nicht gefallen.

Im Interview mit dem Sender Canal Plus hatte Royal erklärt, dass sich in Nutella Palmöl befinde – für dessen Gewinnung Waldflächen gerodet würden. «Das richtet beträchtliche Schäden an», sagte die frühere Lebensgefährtin von Frankreichs Staatschef François Hollande und richtete sich dann an den Nutella-Hersteller Ferrero: «Sie müssen andere Rohstoffe verwenden.»

Nutella-Streit wird zum Politikum

Der Boykott-Aufruf führte in Italien zu empörten Reaktionen. Royals italienischer Amtskollege Gian Luca Galletti nannte ihre Äusserungen am Mittwoch «erstaunlich» und erklärte über Twitter: «Ségolène Royal soll Italiens Produkte in Ruhe lassen. Heute Abend: Brot und Nutella.» Ein italienischer Abgeordneter sprach von einer «hässlichen und schweren Entgleisung Frankreichs».

Sogar die Ehefrau von Ministerpräsident Matteo Renzi mischte sich in der Sache ein. Wie die Zeitung «Blitz Quotidiano» berichtet, ließ sich Agnese Landini bei einem Besuch an der Expo Mailand demonstrativ einen Nutella-Crêpe mit Sahne servieren.

So viele Rüffel zwangen Royal zum Rückzieher. Am Mittwochabend erklärte die sozialistische Politikerin über den Kurznachrichtendienst Twitter: «Ich bitte wegen der Polemik um Nutella tausend Mal um Entschuldigung.»

Greenpeace lässt uns Nutella essen

Die Sozialistin Royal ist nicht die einzige Kritikerin des Anbaus von Palmöl. Zahlreiche Umweltorganisationen – darunter Greenpeace – kämpfen seit Jahren gegen neue Palmölplantagen, Ölpalmen wachsen besonders gut in tropischen Gebieten, also besonders dort, wo es auch Regenwälder gibt.

Die Expansion des Palmölanbaus hat in Indonesien, Malaysia, Ecuador und Kolumbien zur Entwaldung durch Brandrodungen geführt. Und nur selten werden ehemalige Ackerflächen zu Anbaugebieten umfunktioniert, schreibt das Nachrichtenportal «Quartz». Durch die Rodung werden zudem große Mengen Kohlendioxid freigesetzt.

Doch laut Greenpeace kommen viele Firmen, unter anderem Ferrero, aber auch Proctor & Gamble, L?Oréal und Unilever den Forderungen nach nachhaltigem Palmölanbau nach. Mit anderen Worten: Es ist wohl nicht nötig, auf Nutella zu verzichten, um den Regenwald zu schützen.

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