Neurowissenschaft: Ob Ohrwurm oder nicht, verrät das Teenie-Hirn
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NeurowissenschaftOb Ohrwurm oder nicht, verrät das Teenie-Hirn

Chart-Erfolg oder Flop? Anhand der Reaktionen in Hirnarealen von Teenagern lässt sich offenbar das Potenzial eines Hits erkennen.

von
rre

Sogenannte Artist-and-Repertoire-Manager (A&Rs) entscheiden bei Musikkonzernen, welcher Künstler einen Vertrag bekommt und entsprechend für den Markt «aufgebaut» wird. Doch Optik und Begabung sind nur die halbe Miete: Um es in den Pop-Olymp zu schaffen, muss ein Hit her, ein Song, der so richtig einfährt und in den Hirnwindungen hängen bleibt.

Teenie-Gehirn erkennt Hit-Potential

Ein Phänomen, das sich wissenschaftlich messen lässt? Neuroökonom Gregory Berns von der Emory University in Atlanta, USA, hat «chicagotribune.com» zufolge einen solchen Indikator gefunden – wenn auch eher zufällig: 2006 wollte Berns mit seinem Team im Rahmen einer Studie herausfinden, wie sich Gruppenzwang auf die Entscheidungsfindung von Teenagern auswirkt. Dabei konzentrierten sich die Wissenschaftler insbesondere auf Aktivitäten des präfrontalen Kortex und des ventralen Striatums, also auf die Regionen des Gehirns, in denen Prozesse zur Enscheidungsfindung ablaufen. Sichtbar machten sie die Reaktionen mittels bildgebender Verfahren (MRI).

Während der Versuchsphase durften sich 27 Probanden im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren 120 Songs anhören, die allesamt vom Portal MySpace und von eher unbekannten Künstlern stammten. Einer dieser damals unbekannten Songs sollte nur drei Jahre später zum Welthit werden: «Apologize» von One Republic.

Unterbewusst zur besseren Trefferquote

Zufall? Berns und seine Kollegen wollten es genauer wissen. In einer Folgestudie ergründeten die Forscher die Fähigkeit zur Hiterkennung von Teenagern. Zu diesem Zweck analysierten sie rückwirkend die Verkaufszahlen der für die 2006er-Studie verwendeten Songs und verglichen sie mit den gemessenen Hirnreaktionen der Testteilnehmer – mit überraschendem Resultat: Die durch die Hirnreaktionen gemessenen Prognosen über Chart-Hit oder Flop stimmten zu 90 Prozent mit dem späteren Erfolg oder Misserfolg des Titels überein.

Interessanterweise wurde diese Entscheidung unterbewusst gefällt: Im Vergleich zu einer zuvor bei den Teenagern erhobenen Einschätzung prognostizierten die beobachteten Gehirnareale der selben Probanden Erfolg und Misserfolg eines Songs deutlich besser. Vielleicht ein nützlicher Hinweis für A&R-Manager, die sich in Bezug auf das Hit-Potential eines Songs unschlüsslig sind.

Die Studie wurde im Fachmagazin Journal of Consumer Psychology publiziert.

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