Dark Tourism – diese düsteren Orte ziehen Touristen an

Lieber ins Sperrgebiet von Tschernobyl statt ans Meer: Beim Dark Tourism reisen Touristen und Touristinnen an Orte mit einer düsteren Vergangenheit.

Lieber ins Sperrgebiet von Tschernobyl statt ans Meer: Beim Dark Tourism reisen Touristen und Touristinnen an Orte mit einer düsteren Vergangenheit.

Instagram/chernobylx_tours
Publiziert

Phänomen Dark TourismOb Tschernobyl oder KZ – darum ziehen düstere Orte Touristen an

In den Ferien ab in die Katakomben oder in atomare Sperrzonen  – beim Dark Tourism sind Orte mit einer besonders düsteren Vergangenheit gefragt.

von
Laura Zygmunt

Würdest du deine Strandferien gegen einen Trip ins verstrahlte Tschernobyl oder in ein Konzentrationslager eintauschen? Was für viele nicht gerade erholsam klingt, ist für andere Spannung pur. Nicht nur verlassene Orte üben eine gewisse Faszination aus, sondern auch das Phänomen Dark Tourism (auf Deutsch dunkler Tourismus oder Katastrophentourismus).

Dark Tourism….

Dabei reisen Interessierte an Orte mit einer besonders düsteren und oftmals grausamen Vergangenheit. Doch was ist die Motivation dahinter? Häufig steht nicht die Sensationslust im Vordergrund, sondern das Bedürfnis, sich selbst ein Bild von Weltkatastrophen oder anderen schlimmen Ereignissen zu machen und um mehr darüber zu erfahren. 

Von Kambodscha bis nach Paris: Wir stellen einige der bekanntesten Orte des Dark Tourism vor.

Killing Fields in Phnom Penh, Kambodscha

Kambodscha hat ein besonders dunkles Kapitel hinter sich. Unter der Herrschaft der Roten Khmer wurden zwischen 1975 und 1979 mehr als zwei Millionen Menschen (fast ein Viertel der Bevölkerung) brutal ermordet – darunter viele Studierte, aber auch Mütter und Kinder. Über 300 Stätten erinnern heute noch an diese Gräueltaten und sind unter dem Namen Killing Fields bekannt.

Viele der Massenmorde geschahen unter anderem in Phnom Penh, wo das einstige Gymnasium Tuol Sleng zum Gefängnis sowie Folter-und Verhörzentrum wurde. Heute ist es das Tuol Sleng Genocide Museum und erinnert Besuchende an die Grauen der Vergangenheit. Der Eintritt in das Museum kostet fünf Franken.

Kernkraftwerk Tschernobyl, Ukraine

Die Atomkraftwerk-Katastrophe am 26. April 1986 von Tschernobyl ist der schwerste Nuklearunfall in der Geschichte der Kernenergie. Die umliegenden Städte wie Prypjat sind seither Geisterstädte und werden aufgrund der hohen Radioaktivität noch für Jahrhunderte unbewohnt bleiben. Dennoch, oder gerade deswegen, zieht das Sperrgebiet von einem Radius von 30 Kilometer rund um Tschernobyl Menschen aus aller Welt an. Dazu beigetragen hat auch der Erfolg der US-amerikanischen HBO-Serie «Chernobyl» aus dem Jahr 2019.

Verschiedene Anbieter haben sich auf Touren spezialisiert und geben Einblicke in das menschengemachte Katastrophengebiet. Falls Tschernobyl jedoch demnächst auf deiner Bucket-List steht, musst du dich gedulden. Aufgrund des Kriegs in der Ukraine sind Touren derzeit nicht möglich und das Gebiet ist geschlossen. 

Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Polen

Im Konzentrationslager Auschwitz und Arbeitslager Birkenau in Oświęcim, etwa 66 Kilometer von Krakau entfernt, wurden unter Adolf Hitler zwischen 1940 und 1945 systematisch 1,1 Millionen Menschen – vorwiegend Jüdinnen und Juden – umgebracht. Heute gehört Auschwitz als einziges Vernichtungslager zum Unesco-Weltkulturerbe und steht als Symbol für den Schrecken des Holocaust.

Um an den von den Nazis verübten Völkermord zu erinnern, sind das Konzentrationslager Auschwitz I sowie Auschwitz II – Birkenau als Gedenkstätte und Museum der Öffentlichkeit zugänglich. Tickets sind je nach Art der Tour ab 18 Franken erhältlich und führen in das Museum mit persönlichen Gegenständen der Gefangenen, Teile der Baracken sowie in die Vergasungskammern.

Katakomben von Paris, Frankreich

Während das Leben in den Strassen und Gässchen von Paris nur so pulsiert, verbirgt sich zwanzig Meter unter der Erde in den Katakomben ein Labyrinth aus Menschenknochen. In einem Teil der stillgelegten Stollen werden Millionen von Knochen verstorbener Pariserinnen und Pariser aufbewahrt, seit 1809 sind sie für die Öffentlichkeit zugänglich.

Die ersten Gebeine wurden Ende des 18. Jahrhunderts in den Untergrund von Paris gebracht und stammen vom damals bedeutenden Friedhof Les Saint-Innocents, welcher aus Platzmangel und Hygienegründen geschlossen werden musste. Wenn du die morbide Seite Paris kennen lernen willst, kannst du dir Tickets für 29 Franken kaufen und für rund 45 Minuten in die düstere Unterwelt abtauchen.

Warst du schon einmal an einem Ort mit einer dunklen Vergangenheit oder möchtest an einen reisen? 

Deine Meinung

21 Kommentare