Obama auf Überholspur: 1070 zu 1095
Aktualisiert

Obama auf Überholspur: 1070 zu 1095

Mit triumphalen Siegen bei vier Vorwahlen hat der demokratische Bewerber Barack Obama seine Konkurrentin Hillary Clinton im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur fast eingeholt. Obama siegte am Samstag in den Staaten Louisiana, Nebraska und Washington mit deutlichem Vorsprung.

Bei den Republikanern gab es bei zwei von drei Entscheidungen Dämpfer für den führenden Senator John McCain, der nach dem Rückzug seines grössten Konkurrenten Mitt Romney aber weiter klar in Führung liegt.

Nach Zählung der Nachrichtenagentur Associated Press führt bei den Demokraten Clinton nur noch mit 25 Delegiertenstimmen vor Obama: Die New Yorker Senatorin kann demnach bisher mit 1.095 Delegierten rechnen, der Politik-Neuling aus Illinois mit 1.070. Darin sind bereits die sogenannten Superdelegierten enthalten, das sind Parteifunktionäre, die nicht bei Vorwahlen und Wählerversammlungen auf einen Kandidaten festgelegt wurden und die in ihrem Abstimmverhalten bei dem Nominierungsprozess im August frei sind. Für die Nominierung benötigt werden mindestens 2.025 Delegierte.

Obama, der in Washington seine erste Amtszeit als Senator im US-Kongress absolviert, nutzte seine Siegesansprache in Richmond zu Angriffen auf die Politikveteranen Clinton und McCain. Seine Partei habe die Alternative, im Kampf um das Weisse Haus darüber zu debattieren, wer die meiste Erfahrung habe. Oder sie könne den Republikaner McCain mit der Frage herausfordern, wer wohl in Washington nach der Präsidentenwahl am meisten verändern werde. «Denn das ist eine Debatte, die wir gewinnen können», erklärte Obama. «Heute sind Wähler von der West- bis zur Golfküste und dem Herzen Amerikas aufgestanden und haben gesagt: «Yes we can.» (»Ja, wir können es schaffen.»)

Clinton ging in Richmond vor Obama ans Rednerpult und ging in ihrer Ansprache nicht auf die Siege ihres Konkurrenten ein. Über den führenden republikanischen Bewerber McCain sagte sie, der 71-Jährige Senator stehe für «mehr vom selben» der Politik von Präsident George W. Bush. Sie verliess den Saal, bevor Obama eintraf.

Bei den Republikanern sorgte der ehemalige Baptisten-Prediger Mick Huckabee mit Siegen in Kansas und Louisiana für eine Überraschung, McCain setzte sich nur in Washington durch. In Louisiana verfehlte er allerdings die Schwelle von 50 Prozent der Stimmen, die ihm sofort alle 20 Delegiertenstimmen des Staates gesichert hätten. Die endgültige Entscheidung fällt auf einem Sonderparteitag in der kommenden Woche.

Trotz der beiden Dämpfer führt McCain bei den Republikanern sicher mit 719 Delegiertenstimmen vor Huckabee mit 234 Stimmen, nachdem sich Romney am Donnerstag aus dem Rennen zurückzog. Um Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden, sind 1.191 Stimmen nötig. Huckabee will weiterkämpfen: Er glaube noch immer an Wunder, sagte er auf einer Wahlkampfveranstaltung.

Die Siege in den Staaten Washington und Nebraska fielen für den Demokraten Obama mit etwa zwei Dritteln der Stimmen deutlich aus. Auf den Jungferninseln, wo es drei Delegiertenstimmen gibt, bekam er sogar fast 90 Prozent. Etwas knapper war das Rennen in Louisiana: Dort holte Obama 57 Prozent, Clinton kam auf 36 Prozent. Wie bereits in Alabama, Georgia und South Carolina bekam der schwarze Politiker breite Unterstützung von afroamerikanischen Wählern.

(dapd)

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