Krisentreffen: Obama entlässt den Skandal-General
Aktualisiert

KrisentreffenObama entlässt den Skandal-General

US-Präsident Barack Obama hat ein Rücktrittsangebot seines Oberbefehlshabers für Afghanistan, Stanley McChrystal, angenommen.

Stanley McChrystal verlässt das Weisse Haus.

Stanley McChrystal verlässt das Weisse Haus.

Der Oberbefehlshaber der internationalen Truppen in Afghanistan, US-General Stanley McChrystal, ist nach abschätzigen Bemerkungen über die amerikanische Regierung des Amtes enthoben worden.

Präsident Barack Obama sagte am Mittwoch, Stanley McChrystals Verhalten entspreche nicht den Erwartungen, die an einen General gestellt würden. Zudem «untergräbt es die zivile Kontrolle des Militärs», sagte Obama im Rosengarten des Weissen Hauses.

Nun soll General David Petraeus vom übergeordneten Central Command den Posten übernehmen. An der Afghanistan-Strategie werde sich nichts ändern, betonte Obama. McChrystal war am Hindukusch Chef der internationalen Truppe Isaf.

Die afghanische Regierung zeigte sich in einer ersten Stellungnahme enttäuscht. Ein Sprecher von Präsident Hamid Karsai sagte, man habe auf ein anderes Ergebnis gehofft, respektiere aber Obamas Entscheidung.

Scharfe Kritik

McChrystal war im US-Musikmagazin «Rolling Stone» mit scharfer Kritik an Vizepräsident Joe Biden und am US-Botschafter in Kabul, Karl Eikenberry, zitiert worden. Ein enger Berater des Generals wurde zudem mit der Einschätzung zitiert, dass McChrystal wenig von Obamas Afghanistan-Politik halte.

McChrystal habe sich nach seinem ersten Treffen mit Obama «enttäuscht» gezeigt. McChrystal entschuldigte sich nach Bekanntwerden des Artikels umgehend.

Als Reaktion auf die Äusserungen hatte Obama den General zu einem Vieraugengespräch ins Weisse Haus beordert. Bereits zuvor hatte der US-Präsident dem hochdekorierten General ein «schlechtes Urteilsvermögen» bescheinigt. Nach Angaben des Weissen Hauses war Obama «wütend» über die abfällige Kritik McChrystals.

Nach dem halbstündigen Treffen sagte Obama, es sei schwierig, auf McChrystal verzichten zu müssen. Für die nationale Sicherheit sei dies aber der richtige Schritt. Zwar begrüsse er Diskussionen unter seinen Mitarbeitern, er werde aber keine «Spaltung» seiner Mannschaft tolerieren.

Kein Strategiewechsel

Obama betonte, dass die Berufung von Petraeus zum neuen Oberbefehlshaber der NATO- und US-Truppen in Afghanistan keinen Strategiewechsel bedeute.

Ähnlich äusserte sich in einer ersten Reaktion auch NATO- Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Brüssel. Die von McChrystal in Afghanistan verfolgte Strategie sei die richtige, und die NATO werde diese Strategie fortführen. Rasmussen dankte McChrystal für die «ausserordentlichen Anstrengungen, die er in die Leitung der ISAF-Mission» gesteckt habe.

Die Entlassung kommt für Obama zu einem ungelegenen Zeitpunkt. Die internationalen Truppen bereiten im Süden Afghanistans eine Grossoffensive gegen die Taliban vor, gleichzeitig nehmen die Todesfälle von Soldaten bei Kämpfen und Anschlägen zu. McChrystal galt als erfahrener und kompetenter Oberbefehlssshaber, der nur schwer ersetzt werden könne.

McChrystal hat im vergangenen Jahr den Strategiewechsel am Hindukusch umgesetzt. Die USA stockten ihre Truppen massiv auf, gingen in die Offensive gegen die Taliban und entwickelten gleichzeitig einen Zeitplan für einen Abzug ihrer Kampftruppen. (sda)

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