Pussy-Riot-Urteil: Obama «enttäuscht», Merkel «besorgt»

Aktualisiert

Pussy-Riot-UrteilObama «enttäuscht», Merkel «besorgt»

Die internationalen Reaktionen auf das Urteil gegen die Rockband Pussy Riot sind erwartungsgemäss negativ. US-Präsident Barack Obama und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel haben Kritik geäussert.

von
aeg

US-Präsident Barack Obama hat sich «enttäuscht» über das Urteil gegen die drei Frauen der russischen Punkband Pussy Riot gezeigt. «Die Vereinigten Staaten sind über das Urteil enttäuscht, einschliesslich der unverhältnismässigen Strafen, die erteilt wurden», sagte ein Sprecher des Weissen Hauses, Josh Earnest, am Freitag.

Auch wenn das Verhalten der Punk-Rockerinnen für einige Menschen einer Beleidigung gleichkomme, habe die US-Regierung «ernsthafte Bedenken wegen der Art und Weise, mit der diese jungen Frauen von dem russischen Justizsystem behandelt worden sind», sagte Earnest.

Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Urteil scharf kritisiert. «Das unverhältnismässig harte Urteil steht nicht im Einklang mit den europäischen Werten von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, zu denen sich Russland unter anderem als Mitglied des Europarates bekannt hat», erklärte Merkel am Freitagnachmittag in Berlin.

Pussy Riot schuldig: Zwei Jahre Straflager

Eine lebendige Zivilgesellschaft und politisch aktive Bürger seien eine notwendige Voraussetzung und keine Bedrohung für Russlands Modernisierung, betonte die Kanzlerin, die den Prozess gegen die Mitglieder der Band «mit Besorgnis» verfolgt hatte. Auch die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton zeigte sich «tief enttäuscht».

Der wahre Pussy Riot

Proteste in Berlin und Warschau

Unterstützer der russischen Punkband Pussy Riot demonstrierten vor der russischen Botschaft in Berlin. Sechs Menschen ketteten sich aus Protest gegen die Verurteilung der drei Frauen an den Zaun der russischen Botschaft, wie ein Sprecher der Berliner Polizei mitteilte. Die Protestaktion wurde von der Polizei aufgelöst.

Urteil gegen Pussy Riot ausgesprochen

In Warschau gingen rund hundert Anhänger auf die Strasse. «Heute sind wir alle Pussy Riot, und wir erlauben niemandem, uns den Mund zu verbieten», sagte eine Demonstrantin, die wie viele Teilnehmer nach dem Vorbild der Sängerinnen eine bunte Gesichtsmaske trug.

Weltweite Proteste gegen Putins Justiz

Einige Demonstranten in Warschau hatten ihren Mund zugeklebt. Vor Beginn des Protestmarsches, der zur russischen Botschaft zog, sangen sie das «Punkgebet» von Pussy Riot, mit dem die Band gegen Russlands Staatschef Wladimir Putin protestiert hatte.

OSZE kritisiert Schuldspruch

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat den Schuldspruch gegen die Punk-Band Pussy Riot kritisiert. «Vorwürfe wie Rowdytum und religiöser Hass sollten nicht dafür benutzt werden, um die Meinungsfreiheit einzuschränken», teilte die OSZE-Beauftragte für Pressefreiheit, Dunja Mijatovic, in Wien mit.

Freie Meinungsäusserung sollte nicht beschränkt oder unterdrückt werden, egal wie provokativ, satirisch oder heikel sie auch sei: «Unter keinen Umständen darf sie zu Gefangenschaft führen», hiess es am Freitag vom OSZE-Hauptsitz in Wien weiter. Russland gehört zu den 56 OSZE-Mitgliedsstaaten. (aeg/sda/dapd)

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