In Berlin gelandet: Obama ist da – sein Kultstatus bleibt zurück
Aktualisiert

In Berlin gelandetObama ist da – sein Kultstatus bleibt zurück

Barack Obama ist nach Berlin zurückgekehrt. Gut, dass es vor dem Brandenburger Tor nur für 4000 Gäste Platz hat - denn die hunderttausend Begeisterten von 2008 kommen nicht mehr wieder.

von
gux/kub

Fünf Jahre nach seinem umjubelten Berlin-Auftritt im US-Wahlkampf ist Barack Obama als Präsident in die Bundeshauptstadt zurückgekehrt. An Bord der US-Präsidentenmaschine Air Force One landete Obama am Dienstagabend auf dem Flughafen Tegel.

Zuvor hatte er am G-8-Gipfel in Nordirland teilgenommen. Begleitet wird der Präsident von seiner Ehefrau und den beiden Töchtern.

Politische Gespräche waren für Dienstag nicht mehr geplant: Nach der Landung will sich die Präsidentenfamilie zur Übernachtung ins Ritz-Carlton-Hotel am Potsdamer Platz begeben, wo schärfste Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Gäste getroffen wurden.

Der offizielle Teil der knapp 26-stündigen Visite soll am Mittwochmorgen in Schloss Bellevue beginnen, wo Bundespräsident Joachim Gauck den Gast mit militärischen Ehren begrüsst.

Danach kommt Obama im Kanzleramt mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel zusammen. Themen des Gesprächs dürften die Lage in Syrien, die geplante transatlantische Freihandelszone und das umstrittene Internet-Überwachungsprogramm des US-Geheimdiensts sein.

Am Nachmittag hält der Präsident am Brandenburger Tor eine Rede, die an die legendäre Berliner Ansprache von John F. Kennedy vor fast genau 50 Jahren anknüpfen soll.

Als Kandidat war Obama in Berlin

Obamas erster Berlin-Besuch seit seinem Amtsantritt im Januar 2009 endet am Abend mit einem Bankett in Schloss Charlottenburg. First Lady Michelle Obama wird am Mittwoch unter anderem das Holocaust-Mahnmal und die Gedenkstätte Berliner Mauer besuchen. Dabei wird sie zeitweise von Merkels Mann Joachim Sauer begleitet.

Obama war bereits als Präsidentschaftskandidat im Sommer 2008 in Berlin. «Yes we can!» klang es damals aus 200'000 Kehlen an der Berliner Siegessäule. Stundelang haben die Menschen gewartet, um den amerikanische Messias zu sehen und seine Grundsatzrede zur Aussenpolitik zu hören.

«Jetzt ist die Zeit, neue Brücken zu bauen», ruft der damalige Präsidentschaftskandidat ihnen zu. Und: «Wir brauchen Verbündete, die einander zuhören, voneinander lernen und einander vor allem vertrauen.»

Das war vor fünf Jahren. Was damals mitreissend klang, hat heute einen ironischen Beigeschmack. Nicht nur angesichts des enormen Bespitzelungsskandals auch europäischer Partner durch den US-Geheimdienst NSA. Der überbordende Drohnen-Krieg oder die Nicht-Schliessung Guantánamos sind weitere Punkte, die die deutsche und europäische Wahrnehmung der USA belasten. Dem mittlerweile ergrauten Nobelpreisträger jubeln die Friedensaktivisten heute sicher nicht mehr zu.

Vorsorglich hat man den Auftritt im Vorfeld zum Arbeitsbesuch deklariert. Zu erwarten ist eine «professionelle, aber seeelenlose» Feier, heisst es in deutschen Medien.

John F. Kennedys Berliner Rede vom 26. Juni 1963

(gux/kub/sda)

Deine Meinung