Raumfahrt: Obama lässt Orion nicht sterben
Aktualisiert

RaumfahrtObama lässt Orion nicht sterben

Nach heftiger Kritik an seinen abgespeckten Raumfahrtplänen lenkt US-Präsident Barack Obama zumindest teilweise ein.

von
Seth Borenstein
AP
Im Rahmen des Orion-Programms wurden im vergangenen September bereits Triebwerk-Tests durchgeführt.

Im Rahmen des Orion-Programms wurden im vergangenen September bereits Triebwerk-Tests durchgeführt.

Das von Obama eigentlich schon zu den Akten gelegte Konzept der Orion-Kapsel, die Teil des gekippten Programms einer Rückkehr zum Mond war, soll nun doch realisiert werden - allerdings in stark überarbeiteter Form: Das Raumschiff soll nicht Astronauten zum Mond bringen, sondern lediglich der Besatzung der ISS als Rückkehrvehikel für Notfälle dienen.

Das verlautete am Dienstag aus Regierungskreisen - die neuen Pläne sollen vor einem Besuch Obamas in Cape Canaveral am Donnerstag offiziell vorgestellt werden. Neben dem Revival der Orion soll die US-Raumfahrtbehörde NASA auch die Entwicklung einer Schwerlastrakete vorantreiben, die Fracht und eine Mannschaft weit hinaus ins All bringen könnte, wenngleich noch kein Ziel ausgegeben wurde.

Die Rakete soll bis 2015 konzipiert und dann gebaut werden. Damit wäre sie einige Jahre früher einsatzbereit als im Constellation-Programm von Obamas Vorgänger George W. Bush geplant. Obama hatte das ambitionierte Konzept, das den Bau einer Basisstation auf dem Mond als Sprungbrett zum Mars ermöglichen sollte, als unhaltbar verworfen.

Stattdessen setzt der US-Präsident auf eine Privatisierung der Raumfahrt, zugleich aber auch auf eine Verlängerung der Lebenszeit der Internationalen Raumstation ISS um fünf Jahre. Milliarden Dollar sollen in die Forschung gesteckt werden, um später einmal den Bau von Raketenschiffen für Flüge zu Asteroiden, zum Erdmond oder zu Marsmonden möglich zu machen.

«So nötig wie ein Loch im Kopf»

Die Kritiker - angeführt von Raumfahrtlegende Neil Armstrong, dem ersten Mann auf dem Mond - sahen mit Obamas Plänen die industrielle Führerschaft der USA in der Raumfahrt gefährdet. Andere Veteranen des Apollo-Programms und frühere NASA-Manager schlossen sich dem Protest an. Die NASA müsste sich für absehbare Zeit aus der bemannten Raumfahrt verabschieden, hiess es in einem Brief.

Auch die überarbeiteten Pläne des Orion-Raumschiffs sind weit von dem umfassenden Konzept Bushs einer Rückkehr zum Mond entfernt. Die Kapsel soll nun unbemannt von bereits verfügbaren Trägerraketensystem wie Delta oder Atlas zur ISS gebracht werden, wie aus der NASA verlautete. Mit ihr könnte die Besatzung in einem Notfall zur Erde zurückkehren. Dann wären die Amerikaner zumindest dabei nicht mehr auf die russische Sojus-Kapsel angewiesen.

Die von Kritikern als zu vage bezeichneten Pläne, Milliarden in die Forschung zu stecken, um die Raumfahrt irgendwann billiger und schneller zu machen, sollen konkretisiert werden. Nun bekennt sich Obama zum Bau einer grossen Trägerrakete. Sie soll sich nicht wie die Ares-V des Constellation-Programms an der Saturn-Mondrakete orientieren, sondern neue Konzepte wie eine Betankung in der Erdumlaufbahn verfolgen.

Doch der Präsident kann damit nicht alle Kritiker überzeugen. NASA-Legende Chris Kraft, der massgeblich an den Raumfahrtprogrammen von Mercury bis Apollo beteiligt war, sagte, die Änderungen räumten seine grundsätzlichen Bedenken nicht aus. «Sie konzentrieren sich auf den falschen Punkt», erläuterte der Raumfahrt-Veteran. Das Problem sei nicht die Sicherheit auf der Raumstation und eine Rückkehrmöglichkeit im Ernstfall. Das Problem sei vielmehr, wie man die ISS erreiche und zur Erde zurückkomme, sagte Kraft mit Blick auf das Ende des Shuttle-Programms.

Und für die beschleunigte Entwicklung einer neuen Trägerrakete bringt er überhaupt kein Verständnis auf: «Ein Schwerlast-Transportsystem haben wir so nötig wie ein Loch im Kopf.»

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