Obama nervt Diplomaten mit Posten-Schacher

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Belohnung für FundraiserObama nervt Diplomaten mit Posten-Schacher

London, Berlin, Paris: In diese Städte entsenden die USA traditionell Profi-Diplomaten. Doch für Barack Obama zählt mehr, wie viel jemand seinem Wahlkampf eingebracht hat.

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Begehrter Posten: Die vornehme Residenz des US-Botschafters in London. (Bild: http://london.usembassy.gov)

Begehrter Posten: Die vornehme Residenz des US-Botschafters in London. (Bild: http://london.usembassy.gov)

Die Schweiz ist es gewohnt, dass die US-Botschaft in Bern nicht von einem Berufsdiplomaten geführt wird. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind gut, die geopolitische Bedeutung Berns ist vergleichsweise klein, der Posten daher wenig heikel. Hierzulande vier Jahre als Botschafter zu arbeiten, ist auf der anderen Seite attraktiv genug, dass ein US-Präsident jemanden mit der Nominierung belohnen kann – in aller Regel einen verdienten Fundraiser, der Millionenspenden für den Wahlkampf gesammelt hat.

London, Berlin und Paris sind hingegen Orte, die traditionell Profis vorbehalten sind – oder waren: Barack Obama hat auch diese Posten an treue Fundraiser vergeben. Am Dienstag teilte der US-Präsident mit, dass er den Finanzchef seines Wahlkampfteams, Matthew Barzun, nach London entsenden werde. Die Botschaft in Berlin wird künftig von Fondsmanager John Emerson geleitet, der 1,5 Millionen Dollar für ihn sammelte. IBM-Erbin Jane Stetson brachte es auf 2,4 Millionen und wird Gerüchten zufolge mit Paris belohnt.

«Schadet der Glaubwürdigkeit»

Im diplomatischen Korps ist man zunehmend sauer über diesen «Ausverkauf». Der amerikanische Diplomatenverband (AFSA) schätzt, dass die begehrtesten Posten in Westeuropa und einem Teil Asiens inzwischen zu 70 bis 85 Prozent von Laien besetzt sind. «In diesem Ausmass schadet das der Glaubwürdigkeit und der Effektivität des diplomatischen Dienstes», sagte AFSA-Präsidentin Susan Johnson gegenüber dem britischen «Guardian».

Gerade jetzt wären Profi-Diplomaten auf diesen Posten gefragt, findet Johnson. Nach all den Militäreinsätzen habe man gemerkt, dass sich nicht jedes Problem mit «Truppen, Flugverbotszonen und Drohnen» lösen lasse. «Diplomatie ist etwas sehr Wichtiges, und wir sollten das ernster nahmen, als langfristige Karriere ansehen und die Leute entsprechend vorbereiten», sagte sie.

Der «Guardian» hat errechnet, dass die betreffenden Kandidaten im Durchschnitt 1,5 Millionen Dollar gesammelt haben. Laut amerikanischem Gesetz sollten Zuwendungen an Wahlkämpfe keine Rolle in der Besetzung eines Botschafterpostens spielen. Das Weisse Haus betont denn auch, dass alle seine Kandidaten hervorragend qualifiziert seien.

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