Aktualisiert 25.09.2014 21:30

«Bittersüsser Moment»

Obama nimmt Rücktritt seines Vertrauten an

US-Justizminister Eric Holder tritt nach sechs Jahren von seinem Amt zurück. Präsident Obama würdigte die Arbeit des ersten schwarzen Politikers an der Spitze des US-Justizapparats.

von
pat
US-Präsident Barack Obama (l.) und US-Justizminister Eric Holder am 25. September 2014, nachdem Holder seinen Rücktritt bekannt gab.

US-Präsident Barack Obama (l.) und US-Justizminister Eric Holder am 25. September 2014, nachdem Holder seinen Rücktritt bekannt gab.

Für den ersten schwarzen Präsidenten ist es ein «bittersüsser Moment», dass der erste schwarze Justizminister der USA seinen Abschied nimmt.

Holder habe US-Präsident Barack Obama seine Entscheidung erst vor wenigen Tagen mitgeteilt, hiess es aus dem Weissen Haus. Er werde so lange auf dem Posten bleiben, bis ein Nachfolger bestimmt ist. Dieser Prozess könnte sich allerdings noch bis ins kommende Jahr ziehen.

Obama hat den Rücktritt von Justizminister Eric Holder angenommen. Er würdigte die Arbeit des ersten schwarzen Politikers an der Spitze des US-Justizapparats: Holder habe sich in dem Amt sechs Jahre dafür eingesetzt, dass alle Amerikaner gleiches Recht bekommen, sagte Obama am Donnerstag in Washington.

Die Zeremonie im Weissen Haus, in der er Holders Rücktritt akzeptierte, bezeichnete Obama als «bittersüssen Moment«. Er sei froh darüber, dass Holder die Amtsgeschäfte weiter führe, bis ein Nachfolger bestätigt sei. Holder sagte, er sei stolz darauf, was das Ministerium unter seiner Leitung erreicht habe. Es bleibe aber noch viel zu tun.

Amtsmüder Justizminister?

US-Medien spekulierten, dass Holder nach fünfeinhalb Jahren an der Spitze des Ministeriums amtsmüde sein könnte. In seiner Funktion als Justizminister war Holder nach Obama der ranghöchste schwarze Politiker in den USA. Er gehörte im Kabinett von Obama zu den Ministern mit der längsten Amtszeit.

Ein ehemaliger Regierungsvertreter sagte dem Radiosender NPR, Holder sei in seinem Wunsch zunehmend «unnachgiebig» geworden. Er habe sich gesorgt, für den Rest von Obamas Amtszeit bis 2016 auf dem Posten festzusitzen.

Erster afroamerikanischer Justizminister

Holder war als 82. US-Justizminister der erste Afroamerikaner auf dem Posten. Unter dem früheren Präsidenten Bill Clinton war er bereits Vize-Chef des Ministeriums. Der gebürtige New Yorker arbeitete in seiner Karriere unter anderem als Anwalt, Bundesrichter und Staatsanwalt. Auch bei der Bürgerrechtsbewegung für Schwarze NAACP war er tätig.

Mit Obama, der ihn gleich mit seinem Amtsantritt im Februar 2009 ins Regierungsboot holte, verbindet ihn so einiges: Beide studierten an der Columbia Universität in New York, ihre beiden Väter stammen nicht aus den USA. Sie gelten als enge Vertraute.

Holder ist verheiratet und hat drei Kinder. Er hat sich während seiner Amtszeit besonders für Bürgerrechtsthemen eingesetzt, verteidigte die gleichgeschlechtliche Ehe, ging gegen die Benachteiligung von Minderheiten bei Wahlen vor und stellte immer wieder das Gebaren lokaler Polizeibehörden auf den Prüfstand, wenn er unangemessenes Verhalten sah.

Auch setzte er sich für kürzere Haftzeiten bei nicht-gewaltsamen Drogendelikten ein. Bei der Terrorismusbekämpfung erzielte er ebenfalls Erfolge.

Liberaler Kurs eckt bei Konservativen an

Gleichzeitig hatte er oft Ärger mit den oppositionellen Republikanern im Kongress, denen sein liberaler Kurs nicht passte. Die stiessen sogar einmal im Abgeordnetenhaus eine Klage gegen ihn an, die sich aber in Luft auflöste.

Obama, der sich am Donnerstag zu Sitzungen der Vereinten Nationen in New York aufhielt, wollte am Nachmittag eine «Personalentscheidung» verkünden, wie das Weisse Haus mitteilte.

Holder habe seinen Entschluss nach einer eine Stunde dauernden Unterhaltung mit Obama in der Residenz des Weissen Hauses Anfang September gefasst, berichtete der Sender ABC. Seine Zeit an der Spitze des Justizministeriums werde er bei der Verkündung als «grösste Ehre seines Berufslebens» bezeichnen. (pat/sda)

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