03.07.2014 09:55

Nationalheld

Obama rät US-Goalie Howard zur Bartrasur

Die USA sind aus der WM ausgeschieden. In der Heimat werden die Spieler aber wie Helden gefeiert - allen voran Goalie Tim Howard. Der 35-Jährige zeigte das Spiel seines Lebens.

von
Adrian Hunziker

Tim Howard ist in den USA der Mann der Stunde. Der amerikanische Goalie parierte bei der Achtelfinal-Niederlage (1:2 n.V.) gegen Belgien 16 Schüsse, so viele wie seit 1966 kein Torhüter an einer WM. Howard und seine Teamkollegen kämpften wie die Löwen, doch am Ende siegten die roten Teufel. Die Leistung, die die Mannschaft von US-Coach Jürgen Klinsmann in Brasilien an der ganzen WM ablieferte, gibt immer noch zu reden. Die Amerikaner sind mächtig stolz auf ihre Mannschaft.

Sogar US-Präsident Barack Obama liess es sich nicht nehmen, Howard und Captain Clint Dempsey persönlich zu gratulieren. Per Telefon meldete sich Obama bei den beiden: «Ich rufe nur an, um zu sagen, dass ihr uns stolz gemacht habt. Der erste Sport, den ich betrieben habe, war auch Fussball, obwohl ich nie so gut war wie ihr.» Das US-Team habe viel für diesen Sport in der Heimat getan, so der mächtigste Mann der Welt weiter.

«Ich hoffe, Sie überleben die Journalisten-Meute»

Da Howard zuerst im Spiel und auch in Zukunft stark im Fokus stehen wird, hat Obama noch einen Tipp für ihn bereit: «Tim, ich hoffe, Sie überleben die Journalisten-Meute, wenn Sie wieder da sind. Am besten rasieren Sie sich den Bart, dann werden Sie nicht mehr erkannt.» Und der US-Präsident hoffte, dass er das US-Team wieder einmal im Weissen Haus begrüssen darf. «Ich habe immer noch das Jacket, das ihr mir gegeben habt.»

Howard bestätigte gegenüber Obama, dass er und seine Mannen alles gaben, um den Fussball in den USA bekannter zu machen. «Wir wussten, dass Sie zuschauen, und wir wollten Sie stolz machen. Für uns ist es immer eine Ehre, unser Land zu repräsentieren», anwortete der Goalie seinem Präsidenten. Der Everton-Goalie, der am Tourette-Syndrom leidet - dabei zuckt beispielsweise sein Arm, der Hals oder ein Auge heftig, Howard stösst aber keine Flüche aus -, ist überzeugt, dass die Partie gegen Belgien dazu beigetragen habe, dass Fussball - oder Soccer, wie er in Nordamerika genannt wird - endlich auch in den USA gross angesehen werde.

Viele Amerikaner ahnungslos, wenns um Fussball geht

Wenn man sich aber das Video von Jimmy Kimmel aus seiner US-Show anschaut, muss man an Howards Aussage zweifeln. Im Video werden nämlich Passanten befragt, wie Landon Donovan an der WM gespielt habe. Dumm nur, dass Coach Klinsmann den Rekordtorschützen der Amerikaner - 57 Länderspieltore und dabei fünf WM-Treffer - nicht für die WM aufgeboten hatte.

Jimmy Kimmel stellte amerikanische Passanten bloss. (Quelle: Youtube)

Am Tag nach dem Belgien-Spiel war Howard im Interview mit dem amerikanischen TV-Sender NBC noch heiser. Sie seien schwer enttäuscht, der Traum sei zu früh zu Ende gegangen, sie hätten alles gegeben, so Howard. «Für mich war es aber nicht das beste Spiel, das ich je gemacht habe, da wir verloren haben», meinte der 35-Jährige.

Übrigens konnte der amerikanische Held nach dem Achtelfinal nicht mit seinen Kameraden in die Kabine verschwinden. Der Goalie musste zuvor noch zum Doping-Test. «Ich wurde dorthin gezerrt, zufällig, schon wieder», so Howard. Offenbar wird der Goalie regelmässig zum Test aufgeboten, in seinen Augen mehr als andere. «So nach dem zehnten oder elften Mal sind die Tests ja nicht mehr zufällig», scherzte Howard. Während der WM werden nach jeder Partie je zwei Spieler der beiden Teams zufällig ausgewählt und zum Doping-Test gebeten, so will es die Fifa. Bisher wurde kein Spieler auf verbotene Substanzen positiv getestet. Howards Resultate stehen noch aus.

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