Aktualisiert 27.07.2015 11:25

Historischer BesuchObama redet Kenianern ins Gewissen

Klare Worte zum Abschluss des Kenia-Besuchs: US-Präsident Barack Obama hat die Benachteiligung von Frauen im afrikanischen Land angeprangert.

von
woz
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Gute Beziehungen: Am letzten Tag seiner Afrika-Reise trifft US-Präsident Barack Obama die Kommisionsvorsitzende der Afrikanischen Union Dr. Nkosazana Dlamini-Zuma. (28. Juli 2015)

Gute Beziehungen: Am letzten Tag seiner Afrika-Reise trifft US-Präsident Barack Obama die Kommisionsvorsitzende der Afrikanischen Union Dr. Nkosazana Dlamini-Zuma. (28. Juli 2015)

Keystone/Evan Vucci
Eine Premiere: Obama spricht vor dem Plenum der Afrikanischen Union in Addis Ababa. (28. Juli 2015)

Eine Premiere: Obama spricht vor dem Plenum der Afrikanischen Union in Addis Ababa. (28. Juli 2015)

Reuters/Jonathan Ernst
Die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas hat für den US-Präsidenten Priorität: Auf einer Führung durch das Unternehmen Faffa Food in Addis Abeba spricht Obama mit Mitarbeitern. (28. Juli 2015)

Die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas hat für den US-Präsidenten Priorität: Auf einer Führung durch das Unternehmen Faffa Food in Addis Abeba spricht Obama mit Mitarbeitern. (28. Juli 2015)

Keystone/Evan Vucci

US-Präsident Barack Obama hat zum Abschluss seines Besuchs in Kenia die Missstände im Land angeprangert. Unter anderem sprach er die Benachteiligung von Frauen mit klaren Worten an.

«Frauen als Bürger zweiter Klasse zu behandeln, ist eine schlechte Tradition. Sie muss sich verändern. Sie hält Euch zurück», sagte Obama bei einer Rede in Nairobi. Für häusliche Gewalt, Genitalverstümmelungen, Zwangsverheiratungen Minderjähriger und Vergewaltigung gebe es keine Entschuldigung. Wenn Kenia als Land Fortschritte machen wolle, müssten Frauen dieselben Chancen bekommen wie Männer.

Auch der in weiten Teilen der Gesellschaft akzeptierten Korruption müsse ein Ende bereitet werden. «Korruption kostet die Kenianer jedes Jahr 250'000 Jobs», sagte Obama. «Jeder als Bestechung gezahlte Schilling könnte in der Tat in die Tasche von jemandem gesteckt werden, der einen Tag ehrliche Arbeit verrichtet.» Die rund 5000 Zuschauer in einer Sportarena reagierten mit lautem Applaus.

Chancen ungleich verteilt

Obwohl das Land Fortschritte mache, seien Chancen und Erfolg immer noch ungleich verteilt. Mehr als 40 Prozent der Kenianer leben nach UNO-Angaben unterhalb der Armutsgrenze von 1,25 Dollar am Tag, jeder vierte Kenianer ist arbeitslos.

«Kenia ist an einem Scheideweg - ein mit Risiken aber auch mit enormen Versprechen gefüllter Moment», sagte Obama. Nun müssten die Kenianer ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. «Zu lange haben viele ausserhalb nach Rettung gesucht.» Bereits am Samstag hatte Obama die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas gewürdigt.

Tausende waren zu der Arena im Nordosten der Hauptstadt gepilgert. «Präsident Barack hat eine Vision für Afrika», sagte der 17-jährige Moses Mungai aus dem Nyandarua-Bezirk im Osten des Landes. «Als Schüler fühlte ich mich ermutigt, dass die Zukunft Afrikas in uns selbst liegt und wir nicht auf westliche Ländern warten, uns selbst zu verändern.» Obamas Eindruck werde noch für Jahre nachwirken.

Die zu den Massai gehörende Rhoda Naserian zeigte sich glücklich, dass Obama die Ungleichbehandlung von Frauen erwähnte. «Ich komme aus einer Minderheiten-Gemeinde, die Genitalverstümmmelung an Frauen und Hochzeiten von Minderjährigen praktiziert», sagte die 21-Jährige. «Diese Probleme müssen angesprochen und ernst genommen werden.»

Familientreffen

Obama war am Freitagabend erstmals in seiner Amtszeit als US-Präsident im Land seines Vaters eingetroffen. Lange Zeit mied Obama Kenia wegen einer Anklage gegen Staatschef Uhuru Kenyatta vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Gewalt nach der Präsidentschaftswahl 2007. Die Anklage wurde aber im Dezember überraschend zurückgenommen.

Aus Sicherheitsgründen reiste Obama nicht in das Dorf seines Vaters, sondern traf sich mit seinen Verwandten in einem Hotel der Hauptstadt. Unter anderem sassen seine Halbschwester Auma und seine 89-jährige Stiefgrossmutter «Mama» Sarah mit ihm am Tisch.

Immer wieder machte Obama deutlich, wie sehr ihn sein Besuch persönlich berühre. Er versprach, nach dem Ende seiner Amtszeit 2017 zurückzukehren, auch, um sich privat für die Entwicklung des Landes einzusetzen.

Sicherheitsfragen

Sicherheitsfragen waren auch ein beherrschendes Thema von Obamas Besuch. Den Kampf gegen die islamistische Al-Shabaab-Miliz, die in den vergangenen zwei Jahren mehr als 500 Menschen getötet hat, nannte Obama als weiter bestehende Herausforderung.

Gewaltbereite Extremisten wollten die Kenianer gegeneinander aufhetzen. Die USA würden Kenia zur Seite stehen, um der Gefahr durch Terroristen zu begegnen.

Auch bei seiner zweiten und letzten Station der viertägigen Reise nach Ostafrika dürfte Terrorismus zu den wichtigsten Themen zählen: Obama reiste noch am Sonntag in die äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba weiter, wo neben einem Treffen mit Premierminister Hailemariam Desalegn auch ein Besuch bei der Afrikanischen Union (AU) sowie Vertretern der Zivilgesellschaft geplant ist. (woz/sda)

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