Ölförderung: Obama stellt umstrittene Bohrstrategie vor
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ÖlförderungObama stellt umstrittene Bohrstrategie vor

US-Präsident Barack Obama hat «neue Wege» angekündigt, um heimische Energiequellen auszuschöpfen. Im Klartext heisst das: Er will vor den US-Küsten nach Öl und Gas bohren lassen.

Präsident Obama kündigte auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews an, er wolle die Interessen des Naturschutzes bei seinen Bohrplänen berücksichtigen.

Präsident Obama kündigte auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews an, er wolle die Interessen des Naturschutzes bei seinen Bohrplänen berücksichtigen.

Präsident Obama ist sich der Brisanz seiner Pläne bewusst, erstmals Öl- und Gasbohrungen vor der Küste zu genehmigen. So versicherte er am Mittwoch auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews im Bundesstaat Maryland, er werde auch die Interessen des Naturschutzes berücksichtigen. Damit rechtfertigte er seine energiepolitische Kehrtwende: «Wir werden neue Technologien einsetzen, um die Auswirkungen der Ölförderung zu mindern.» Obama versprach: «Wir schützen Gebiete, die wichtig für den Tourismus, die Umwelt und unsere nationale Sicherheit sind.»

Die Ausweitung der Förderung sei nötig, um den Energiebedarf der USA zu stillen, Arbeitsplätze zu sichern und das Wachstum der Konjunktur zu fördern, sagte Obama. Er räumte ein, dass die Erteilung der Bohrgenehmigungen eine «harte Entscheidung» gewesen sei. Sein Ziel sei es dabei, «die Notwendigkeit zur Ausbeutung inländischer Energiequellen mit dem Naturschutz in Einklang zu bringen».

Abhängigkeit von Ölimporten lindern

Die neuen Erschliessungen seien «Teil einer breiteren Strategie», welche die Abhängigkeit der USA von Ölimporten und fossilen Brennstoffen verringern soll. «Diese Umkehr kann nur gelingen, wenn sie unsere Wirtschaft stärkt», sagte Obama. «Diese Wahrheit zu ignorieren wäre ein Fehler.»

Laut Obama sollen die mittleren und südlichen Abschnitte der US- Ostküste für Bohrungen im Atlantik freigegeben werden, ebenso die Südküste am Golf von Mexiko. Verschont bleiben soll die US-Westküste.

Während Umweltschützer die Pläne ablehnen, könnte sich Obama mit dem Schachzug die Zustimmung oppositioneller Republikaner für Zugeständnisse bei der Klimagesetzgebung sichern. In seinem Wahlkampf 2008 hatte Obama deren Forderung nach einer Öffnung von tausenden Küsten-Kilometern noch zurückgewiesen.

Die Debatte wird in den USA seit Jahren geführt. Obamas Vorgänger George W. Bush hatte für die Ausbeutung der Rohstoffvorkommen vor den US-Küsten plädiert.

Gegen Ideologien

Obama sagte zu, für die neuen Erschliessungen umweltfreundliche Technologien einzusetzen und den Erfordernissen des Naturschutzes Rechnung zu tragen. Er wolle, dass die Frage der Bohrungen nach wissenschaftlichen Kriterien entschieden wird, nicht nach Weltauffassungen der Rechten und der Linken.

Unter seiner Regierung sollten die USA weltweit führend bei der Herstellung sauberer Energien werden. Obama nannte Deutschland als Beispiel für ein Land, welches das wirtschaftliche Potenzial neuer Energien erkannt habe und ausnutze.

Umweltschützer übten scharfe Kritik an Obama. Der Präsident der Umweltvereinigung Sierra Club, Michael Brune, zeigte sich «sehr enttäuscht» von der Entscheidung. «Wir stellen die letzten unserer geschützten und unberührten Küstenstreifen den Ölkonzernen zur Verfügung, damit diese weitere Rekordgewinne einfahren können», erklärte Brune.

Bevölkerung gibt Wirtschaft Vorrang

In einer am Mittwoch vom Sender CNN veröffentlichten Umfrage gaben 51 Prozent der Befragten in den USA an, für sie hätten die Interessen der Wirtschaft Vorrang vor jenen des Umweltschutzes. Nur 45 Prozent sahen den Umweltschutz als vordringlich. (sda)

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