Obama übernimmt die Favoriten-Rolle
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Obama übernimmt die Favoriten-Rolle

Mit Barack Obamas Sieg in Iowa hat sich die Ausgangslage im US-Wahlkampf verändert. Hillary Clinton ist zwar noch lange nicht besiegt, den Nimbus der Unbesiegbarkeit hat sie allerdings verloren.

Die Sieger der ersten Vorwahlen in Iowa haben für Überraschungen gesorgt und bringen Fahrt in das Rennen um die US-Präsidentschaft: Der demokratische Senator Barack Obama hat gezeigt, dass ein Kandidat afroamerikanischer Herkunft trotz einer mehrheitlich weissen Bevölkerungsstruktur gute Chancen hat. Der ehemalige Gouverneur und Baptisten-Prediger Mike Huckabee von der republikanischen Partei hat hingegen vorgeführt, dass sich mit der Unterstützung evangelikaler Christen Wahlen gewinnen lassen.

Obama gelang ein erstaunlicher Triumph. Er verwies die landesweit als Favoritin gehandelte Senatorin Hillary Rodham Clinton hinter John Edwards auf Platz drei. Wahlnachfragen von Fernsehsendern und der Nachrichtenagentur AP ergaben, dass Obama gegenüber Clinton auch bei Wählerinnen in Führung lag, mit 35 zu 30 Prozent. Offenbar kann der charismatische Politiker aus Illinois zahlreiche Frauen überzeugen, die damit auch die Möglichkeit aussen vor lassen, erstmals eine Frau ins Weisse Haus zu schicken. Weiterhin ergaben die Nachfragen, dass Obama mit seiner Botschaft des Wechsels vor allem junge Wähler anzog.

Ein Viertel der knapp 240 000 Demokraten, die zu den Urnen kamen, waren unter 30. Davon stimmten 57 Prozent für ihn, 14 Prozent für Edwards und nur gut jeder zehnte für Clinton. Obamas gutes Abschneiden in Iowa, wo 95 Prozent der Bürger weisser Hautfarbe sind, ist Beobachtern zufolge ein Zeichen, dass er als Bewerber mit afroamerikanischem Hintergrund auch landesweit gute Chancen hat. «Das zeigt, dass sich in Amerika etwas ändert, wenn es um Hautfarbe und Politik geht», erklärt ein Berater der Demokraten, Jamal Simmons. In fünf Tagen steht im Staat New Hampshire der nächste Test an, die Bevölkerungsstruktur dort ist ähnlich. «In Iowa zu gewinnen heisst noch nicht, die Nominierung zu gewinnen - aber es ist sehr bedeutend», erklärt Simmons.

Das weiss auch Clinton. Sie betonte gleich nach der Wahlniederlage, dass sie schliesslich einen landesweiten Wahlkampf führe und nunmehr bereit sei, die Führung in den übrigen Staaten zu übernehmen. Sollte Obama sie in New Hampshire wieder deklassieren, könnte sie allerdings nervös werden. Die frühen Siege in den relativ kleinen US-Staaten bedeuten Aufwind für den Wahlkampf der Sieger: mehr Medienberichterstattung, mehr Helfer und auch mehr Spenden.

Der Republikaner Huckabee hatte sich deswegen auf die ersten Vorwahlstaaten konzentriert. Bis vor wenigen Wochen wurde er noch als Aussenseiter belächelt - aber nur von jenen, die überhaupt je von ihm gehört hatten. Das Auftreten des ehemaligen Predigers aus dem Südstaat Arkansas als streng konservativer und religiöser Kandidat hat ihm den Sieg eingebracht. Er spricht sich klar gegen Abtreibungen, mehr Rechte für Homosexuelle und Waffenbeschränkungen aus. Die evangelikalen Christen im ländlich strukturierten Iowa dankten es ihm: 80 Prozent der Huckabee-Wähler bezeichneten sich selbst als wiedergeborene oder evangelikale Christen, wie Wählernachfragen der AP ergaben.

Guter Startplatz für den «Superdienstag»

Sechs von zehn Befragten erklärten dabei, dass Werte und Authentizität des Kandidaten ausschlaggebend für ihr Stimmverhalten seien. Allerdings glaubten nur fünf Prozent, dass Huckabee auch die besten Chancen hätte, im November tatsächlich zum US-Präsidenten gewählt zu werden. Das ist sein Problem: Schon kommende Woche in New Hampshire gibt es wesentlich weniger religiöse Wähler, sein Abschneiden wird daher vermutlich repräsentativer für den Bundestrend sein. Deswegen muss nun der unterlegene Konkurrent, der frühere Gouverneur und Geschäftsmann Mitt Romney, der bislang wesentlich mehr Geld in seinen Wahlkampf steckte, auf einen Sieg in New Hampshire hoffen.

Die ersten Kandidaten haben bereits aufgegeben, das Schicksal der Favoriten wird sich aber vermutlich frühestens am 5. Februar entscheiden. An diesem sogenannten Superdienstag entscheiden die Wähler in rund der Hälfte der 50 US-Staaten über ihren Favoriten für die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei. Dazu zählen auch die bevölkerungsreichen Staaten New York und Kalifornien. Darauf setzt vor allem der Republikaner und Ex-Bürgermeister von New York, Rudy Giuliani. Da er als liberaler Republikaner gilt, bemühte er sich nicht um einen Sieg in den kleinen und eher konservativen Staaten. Er setzt mehr auf Amerikas Mitte, wo er die Mehrheit vermutet.

Der Vorwahlmarathon zieht sich noch bis Anfang Juni hin. Die Entscheidung fällt dann auf Nominierungsparteitagen, deren Delegierte in den Vorwahlen bestimmt werden: Vom 25. bis 28. August kommen die Demokraten in Denver zusammen, die Republikaner folgen vom 1. bis 4. September in Minneapolis.

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