Obama und die «schamlose» Hillary Clinton

Aktualisiert

Obama und die «schamlose» Hillary Clinton

In Nevada hat die demokratische Präsidentschafts- Bewerberin Hillary Clinton bei den Latinos abgeräumt. Konkurrent Barack Obama greift jetzt mit einer gepfefferten Kampagne an. Doch die Zeit wird knapp.

Hillary Clinton hat sich im Spielerparadies Las Vegas schon zum Jubeln fertig gemacht. Aber im Endspurt der Stimmenauszählung nach den Wählerversammlungen in Nevada hat ihr Barack Obama den schon sicher geglaubten Sieg verdorben. Clinton hatte zwar mit einem Anteil von 52 Prozent mehr Stimmen als Obama. Aufgrund der proportionalen Verteilung der Stimmbezirke sicherte sich dieser aber mehr Delegierte für den Nominierungsparteitag im August, auf dem die Demokraten ihren Präsidentschaftskandidaten wählen.

Damit behält Obama vor dem «Super Tuesday» mit Vorwahlen und Wählerversammlungen in 24 US-Staaten den Fuss in der Tür. Zuvor kommt es am kommenden Samstag noch zu einer weiteren Vorentscheidung bei der Vorwahl der Demokraten in South Carolina. Und im Süden kann Obama auf seine grosse Popularität bei den Schwarzen bauen. Deshalb liegt er in den meisten Umfragen in South Carolina vorn. Aber Clinton rechnet sich auch dort Chancen aus und hat mehrere prominente Persönlichkeiten der «black community» auf ihre Seite gezogen.

Dass die Hautfarbe der Bewerber eine wichtige Rolle im Vorwahlkampf spielt, zeigen die Ergebnisse in Nevada. Dort waren zwei Drittel der demokratischen Wähler Weisse, und mehr als die Hälfte von ihnen hat sich für Clinton entschieden. Ausserdem machten die Ergebnisse in Nevada erneut deutlich, dass die Frau von Expräsident Bill Clinton auf die Unterstützung der Frauen bauen kann. Sechs von zehn Teilnehmern der «Caucasus» in Nevada waren Frauen. Knapp die Hälfte von ihnen stimmte für Clinton, nur etwa jede dritte Frau gab Obama den Vorzug, wie aus der Analyse der «Exit Polls» hervorgeht, der Umfragen im Anschluss an die Stimmabgabe.

Die schwarzen Wähler der Demokraten würden Obama die Treue halten, sagt der Politikwissenschaftler Scott Huffmon von der Winthrop University in Rock Hill in South Carolina. Aber Obama müsse in South Carolina auch wirklich gewinnen, um seine Chancen zu wahren. Der Kalender kommt dem Senator von Illinois entgegen: Am Montag begehen die USA den Martin-Luther-King-Tag, und die zahlreichen Ehrungen für den schwarzen Bürgerrechtler werden sicherlich die Mobilisierung von Obamas Wählern fördern.

Der Senator, der erster Präsident der USA mit dunkler Hautfarbe werden möchte, hat sich für den Feiertag einen symbolträchtigen Besuch von Kings Kirche in Atlanta vorgenommen. Die Rede in der Ebenezer Baptist Church soll seiner Sache neuen Auftrieb geben. Zur Vorbereitung der Woche zog sich Obama schon vor dem Abschluss der Wählerversammlungen in Nevada in seine Heimatstadt Chicago zurück und verzichtete im Unterschied zu Clinton auf einen öffentlichen Auftritt.

Eine herbe Niederlage gab es am Samstag für John Edwards. In mindestens einer Umfrage war er mit Clinton und Obama auf gleicher Höhe eingeschätzt worden. Dann aber konnte er nur vier Prozent der Demokraten in Nevada für sich gewinnen - ihm fehlten sowohl das Geld für Werbekampagnen als auch die Unterstützung der Gewerkschaften. «Jetzt ist es die Frage, wie lange er noch mithalten kann», sagte Politikwissenschaftler Huffmon.

Vor den Wählerversammlungen in Nevada sind die Töne im Wahlkampf der Demokraten wieder heftiger geworden. Mit Blick auf die Latinos unter den Wählern schalteten die Anhänger Obamas eine spanischsprachige Anzeige, die Clinton als «schamlos» bezeichnet und ihr vorgeworfen hat, «unser Volk nicht zu respektieren». Clinton und Edwards riefen Obama auf, sich von der Anzeige zu distanzieren. Aber Barack Obama lehnte dies ab. Bislang liegt Hillary Clinton vorne. Bis am 5. Februar, dem «Super Tuesday», hat Obama noch Zeit, um aufzuholen. (sda)

Zwischenstand im US-Wahlkampf

Zweieinhalb Wochen nach Beginn des Vorwahlkampfs in den USA ergibt sich für beide Parteien folgender Zwischenstand mit Siegen in den genannten Staaten.

Demokraten (für Nominierung 2025 Delegierte erforderlich)

Hillary Clinton: New Hampshire, Michigan (ohne Delegierte), Nevada - 236 Delegierte

Barack Obama: Iowa - 136 Delegierte

John Edwards: 50 Delegierte

nächste Vorwahl: 26. Januar in South Carolina

Republikaner (für Nominierung 1191 Delegierte erforderlich)

Mitt Romney: Wyoming, Michigan, Nevada - 59 Delegierte

Mike Huckabee: Iowa - 40 Delegierte

John McCain: New Hampshire, South Carolina - 36 Delegierte

Fred Thompson: 5 Delegierte

Ron Paul: 4 Delegierte

Rudolph Giuliani: 1 Delegierter

nächste Vorwahl: 29. Januar in Florida

(AP)

Deine Meinung