Zeituni Onyango: Obama will seine Tante ausweisen lassen
Aktualisiert

Zeituni OnyangoObama will seine Tante ausweisen lassen

In den letzten Minuten wird der US-Wahlkampf richtig schmutzig: Eine aus Kenia stammende Tante von Barack Obama lebt seit Jahren illegal in den USA. Obama zeigt Härte und will seine Tante ausweisen lassen. Und die Behörden untersuchen, wie die Information an die Öffentlichkeit gelangen konnte.

Trotz eines 2004 abgelehnten Asylantrags sei Zeituni Onyango im Land geblieben, berichtete die Nachrichtenagentur AP am Freitag. Die 56-Jährige, die Obama in seiner Autobiografie «Tantchen Zeituni» nennt, soll in einer Sozialwohnung in Boston im US-Staat Massachusetts leben.

«Tantchen Zeituni» spendete sogar 260 Dollar für Obamas Wahlkampf. Spendengeld, das der dunkelhäutige Senator jetzt zurückgibt, wie der «Boston Herald» berichtet. Denn illegale Immigranten dürfen keine Wahlspenden geben.

Obendrein sieht sich Obama jetzt genötigt, Härte gegen seine eigene Verwandte zu zeigen. In einem Interview mit dem TV-Sender CBS sagte Obama, seine Tante müsse ausgeschafft werden. Die Gesetze würden für alle gelten, hiess es in dem vorab publizierten Transkript der Sendung, die heute ausgestrahlt werden soll.

Ermittlungen wegen Informationsleck

Zwei Tage nach dem Bekanntwerden des illegalen Aufenthalts einer Tante von Barack Obama in den USA hat die Regierung interne Ermittlungen wegen möglicher Gesetzesverstösse eingeleitet. Die Bundesbehörden oder ihre Beamten dürfen keine Informationen über Einzelfälle öffentlich machen. Das Amt für Einwanderung und Zoll (ICE) hat deswegen eine Untersuchung des Falls beantragt.

Ob ein ranghoher Mitarbeiter der Regierung von George W. Bush oder des Wahlkampfteams von Obamas Kontrahent John McCain an der Enthüllung beteiligt war, konnte zunächst nicht herausgefunden werden. Einer der Informanten erklärte jedoch, er sei weder für den Demokraten Obama noch für den Republikaner McCain, und die Präsidentschaftswahl in wenigen Tagen sei kein Motiv für seinen Gang an die Öffentlichkeit gewesen.

Wer ist Zeituni Onyango

Onyango selbst war zunächst nicht zu erreichen. Eine Sprecherin der Einwanderungsbehörde lehnte jeden Kommentar ab. Es gebe keine Auskunft zu Einzelfällen, hiess es lapidar. Offenbar mit Blick auf die politische Sensibilität des Themas wurde nach Angaben eines Informanten verfügt, dass jede Abschiebung vor Dienstag - dem Tag der Wahl - auf hoher Ebene abgesegnet werden müsse.

Obama hat seine Tante bei Wahlkampfveranstaltungen - anders als seinen Vater oder seine kenianische Grossmutter - nie erwähnt. Nach Angaben seines Wahlkampfteams hatte er die Tante zuletzt 2004 gesehen, als sie seiner Amtseinführung als Senator beiwohnte.

Kein Einzelfall

Barack Obama wurde 1961 als Sohn einer weissen Amerikanerin und eines Kenianers in Honolulu auf Hawaii geboren. Seine Mutter stammt aus Kansas. Der Vater des Präsidentschaftskandidaten studierte einige Jahre in den USA.

Onyangos Weigerung, das Land zu verlassen wäre ein Verstoss gegen das Einwanderungsgesetz, aber kein Fall für ein Strafgericht. Schätzungen zufolge leben mehr als zehn Millionen solcher Immigranten ohne Erlaubnis in den Vereinigten Staaten. (dapd)

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