Neue Afghanistan-Strategie: Obama: «Wir müssen alle zusammenstehen»
Aktualisiert

Neue Afghanistan-StrategieObama: «Wir müssen alle zusammenstehen»

US-Präsident Barack Obama hat seine Entschlossenheit bekräftigt, den Krieg in Afghanistan siegreich zu Ende zu bringen: Er will bis kommenden Sommer weitere 30 000 Soldaten entsenden – und bereits im Juli 2011 die ersten Truppen wieder nach Hause holen.

von
Steven Hurst
AP

«Wir müssen alle zusammenstehen, um diesen Krieg erfolgreich zu beenden», sagte Obama in seiner Rede vor Kadetten der Militärakademie West Point im Staat New York. «Es handelt sich nicht nur einfach um einen Glaubwürdigkeitstest der NATO. Es geht um die Sicherheit unserer Verbündeten und die gemeinsame Sicherheit der Welt», sagte der Präsident weiter.

Von den europäischen NATO-Mitgliedern fordert Obama nach Angaben aus Brüssel die Entsendung von bis zu 10 000 weiteren Soldaten. Die Bundesregierung rechnet offenbar mit einer Forderung der USA, bis zu 2 500 zusätzliche Bundeswehr-Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Das berichten die «Bild»-Zeitung und die «Leipziger Volkszeitung» unter Berufung auf Regierungskreise. Damit würde das deutsche Kontingent auf deutlich über 6 000 Soldaten anwachsen und ein neuer Beschluss des Bundestages nötig werden.

Kernpunkt von Obamas neuem Afghanistan-Kurs ist neben der Truppenaufstockung auch eine Exit-Strategie, also ein mittelfristiger Plan zur Übergabe der Verantwortung für die Sicherheit an die afghanischen Truppen und die Polizei, gefolgt von einem schrittweisen Rückzug der ausländischen Streitkräfte. Oberstes Ziel der US-Politik in Afghanistan bleibe die Bezwingung des Terrornetzwerks Al Kaida, betonte Obama.

Merkel von Obama vorab informiert

Mit seiner geplanten Truppenaufstockung wird die Zahl der US-Soldaten auf mehr als 100 000 steigen. Der angesichts von immer mehr in Afghanistan getöteten Soldaten von der Bevölkerung zunehmend abgelehnte Einsatz wird dann jährlich rund 75 Milliarden Dollar kosten. Die ersten zusätzlichen US-Soldaten sollen Obama zufolge noch vor Jahresende im Einsatz sein.

Obama informierte am Dienstag Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere ausländische Staats- und Regierungschefs vorab über seine Rede. Wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm mitteilte, erläuterte er in einem Telefonat die «wesentlichen Inhalte seiner Rede», die Kanzlerin ihrerseits informierte den US-Präsidenten über die deutschen Bemühungen zur Stabilisierung in Afghanistan. Ausserdem legte Obama seine Strategie dem afghanischen Staatschef Hamid Karsai und dem pakistanischen Präsidenten Asif Ai Zardari dar.

Der Befehlshaber der US- und NATO-Truppen in Afghanistan, General Stanley McChrystal, hat sich für weitere 40 000 Soldaten ausgesprochen, um eine Niederlage im Kampf gegen die Taliban zu verhindern. Seit Jahresbeginn sind in Afghanistan fast 300 US- und mehr als 500 NATO-Soldaten getötet worden, so viele wie in keinem Jahr zuvor seit Beginn des Einsatzes 2001.

Positives Echo

Die neue Afghanistan-Strategie von US- Präsident Barack Obama ist in ersten Reaktionen auf ein positives Echo gestossen. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy erklärte in der Nacht zum Mittwoch, Obama habe eine «mutige» und «entschlossene» Rede gehalten.

Frankreich werde sich weiter und so lange wie nötig gemeinsam mit seinen Verbündeten in Afghanistan engagieren, hiess es. Von der möglichen Entsendung zusätzlicher Truppen, wie Obama sie von den NATO-Partnern gefordert hat, war derweil nicht die Rede.

Auch der Kommandant der US-Truppen in Afghanistan, Stanley McChrystal, begrüsste die neue Strategie. Sein Schwerpunkt werde darauf liegen, die einheimischen Sicherheitskräfte in Afghanistan auszubilden und aufzubauen, erklärte McChrystal in Kabul.

Die neue Strategie gebe ihm eine «klare militärische Mission und die Ressourcen, um unsere Aufgabe zu erfüllen». McChrystal hatte Obama vor einem Scheitern des Afghanistan-Einsatzes gewarnt, sollten die Streitkräfte die Aufständischen nicht rasch unter Kontrolle bekommen. Er hatte deshalb im August 40'000 zusätzliche Soldaten angefordert.

Obama hatte in einer mit Spannung erwarteten Rede in West Point angekündigt, im ersten Halbjahr 2010 rund 30'000 zusätzliche US- Soldaten an den Hindukusch zu schicken. Zugleich forderte er auch die Verbündeten zu Truppen-Aufstockungen auf. Obama zufolge soll der Abzug dann im Juli 2011 beginnen.

(sda)

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