Nahost-Konflikt: Obama zu Gesprächen mit Hamas bereit
Aktualisiert

Nahost-KonfliktObama zu Gesprächen mit Hamas bereit

Die amerikanische Nahost-Politik steht vor einem fundamentalen Wandel. Im Gegensatz zur Bush-Regierung will der neue Präsident Barack Obama gemäss einer britischen Zeitung den Kontakt zur radikalen Hamas suchen.

Zum Konflikt zwischen Israel und der Hamas im Gaza-Streifen hatte Barack Obama bislang wenig zu sagen. Hinter den Kulissen allerdings ist einiges in Bewegung. Die Zeitung «The Guardian» berichtete mit Berufung auf drei Personen, die mit der Diskussion im Obama-Lager vertraut sein sollen, dass die neue Regierung den Kontakt zur radikalislamischen Hamas suchen will. Es wäre eine klare Abkehr von der Doktrin der Bush-Regierung, welche die Hamas als Terrororganisation eingestuft und isoliert hatte.

Gemäss den Quellen des «Guardian» geht es nicht um direkte diplomatische Verhandlungen, sondern um Gespräche auf niedriger Ebene oder im Geheimen. Eine Möglichkeit wären Kontakte zwischen der Hamas und US-Geheimdienstkreisen, wie sie in den 70er Jahren bereits mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) stattgefunden hatten – damals ohne Wissen Israels. Bei engen Beratern Obamas wie auch unter Republikanern und Demokraten in Washington wachse die Erkenntnis, «dass die Ausgrenzung der Hamas kontraproduktiv ist», so der «Guardian».

Obama will mit Feinden reden

Barack Obama selbst hatte im Wahlkampf immer wieder betont, dass er zu Gesprächen mit Feinden der USA bereit sei. Dafür war er teilweise scharf kritisiert worden, unter anderem von Hillary Clinton, die nun als Aussenministerin für das Dossier verantwortlich sein wird. Als Nahost-Gesandter ist gemäss Medienberichten Richard Haass vorgesehen. Er hatte als Diplomat unter beiden Bush-Präsidenten gedient und sich für Gespräche mit Hamas auf niedriger Ebene ausgesprochen. Voraussetzung seien ein Waffenstillstand mit Israel und eine Versöhnung von Hamas und Fatah.

Der Terrorexperte Bruce Hoffman von der Georgetown University erklärte dem «Guardian», dass Obama wohl erst dann mit der Hamas Kontakt aufnehmen werde, wenn die radikale Führungsriege in Damaskus durch den Konflikt in Gaza geschwächt sei. Bislang zeigte sich diese nicht kompromissbereit, die ägyptisch-französische Initiative für eine Waffenruhe etwa lehnte sie ab. Die in Gaza unter Beschuss stehende Hamas-Fraktion gab sich dagegen konzilianter. Für «Spiegel Online» dürfte die Zeit den Moderaten in die Hände spielen – und den Weg für Gespräche mit den USA frei machen.

(pbl)

Raketen an libanesisch-israelischer Grenze entdeckt

Die libanesischen Streitkräfte haben an der Grenze zu Israel nach eigenen Angaben 34 Raketen entdeckt. Die Geschosse seien nahe der Ortschaft Kafer Hamman versteckt gewesen, rund sechs Kilometer von der Grenze entfernt. Am Donnerstag wurden mindestens drei Raketen aus dem Südlibanon nach Israel abgeschossen, dabei wurden zwei Menschen leicht verletzt. Die israelischen Streitkräfte erwiderten das Feuer mit mehreren Artilleriegranaten. Verletzt wurde niemand. Der Zwischenfall schürte Bedenken wegen eines neuerlichen Konflikts an der israelisch-libanesischen Grenze. Beide Länder haben nach dem Krieg Israels gegen die Hisbollah-Miliz im Sommer 2006 einen Waffenstillstand unterzeichnet.

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