Aktualisiert 11.08.2009 11:49

ZensurObamas ambivalenter Umgang mit Bildern

US-Präsident Barack Obama sieht seine achtjährige Tochter Sasha auf einem Balkon des Weissen Hauses und winkt ihr fröhlich zu. Die Szene ist zutiefst natürlich und harmlos, ein Moment berührender Normalität. Doch das Weisse Haus bat alle Medien, das Foto nicht zu veröffentlichen.

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David Bauder/AP

Wenige Wochen später, rechtzeitig zum Vatertagswochenende, führte Obama seine Töchter zum Eis-Essen aus. Diesmal wurden die Medien ganz offiziell eingeladen, um fürs Fernsehen und die Zeitungen schöne und familienfreundliche Bilder zu machen. Das Magazin «Parade» hatte an jenem Wochenende sogar ein süsses Bild der Obama-Familie auf dem Titelblatt. Dazu gab es einen allgemeinen Artikel über Vaterschaft, den das Weisse Haus angeregt hatte.

Damit ist die ambivalente Haltung Obamas umrissen: Fotos von den Kindern vermeiden, soweit es möglich ist, sie aber auch vorsichtig einsetzen, um das Image des Präsidenten als guten Familienvater zu pflegen. «Obama wird versuchen, beides zu tun, solange die Leute nicht anfangen, sein Wertesystem und seine Ehrlichkeit bei dieser Rolle infrage zu stellen», sagt Gerald Shuster, ein Experte für politische Kommunikation an der Universität Pittsburgh.

Verkörperung eines Familienideals

So junge Kinder gab es seit den Kennedys vor fast 50 Jahren nicht mehr im Weissen Haus. Bilder von der kleinen Caroline und ihrem Bruder John unterstrichen damals das jugendliche Image von Präsident John F. Kennedy - auch wenn First Lady Jacqueline versuchte, die Kinder vor den Fotografen zu schützen. Die Unschuld und Fröhlichkeit der Kinder, zusammen mit der Verkörperung eines Familienideals, sind für einen Präsidenten wahres politisches Kapital.

Bilder sind grossartige Kommunikationsmedien - vor allem, wenn man sie kontrollieren kann. Dazu gibt sich das Weisse Haus unter Obama redlich Mühe. Sasha und ihre elf Jahre alte Schwester Malia werden gut abgeschirmt, sind aber keineswegs unsichtbar.

«Wenn die Kinder mit dem Präsidenten und der First Lady an offiziellen Anlässen teilnehmen, dann gehören sie zur First Family», sagt Obamas Sprecher Robert Gibbs. «Aber wenn die Kinder alleine sind, oder wenn der Präsident und die First Lady nur ihre Rollen als Vater und Mutter ausüben, dann sollte der Familie ein weiter Schutzraum der Privatsphäre gewährt werden.»

Als der Sender NBC unlängst die Dokumentation «Im Weissen Haus der Obamas» drehte, lehnten es die Eltern ab, auch die Mädchen filmen zu lassen. Der Sender zeigte zwar, wie Obama Sasha bei einem Fussballspiel anfeuerte, die Kameramänner folgten aber der Auflage, die Achtjährige selbst nicht abzulichten. Aus dem Weissen Haus will Obama keine Familienbilder tolerieren ausser bei öffentlichen Anlässen. Der Wohntrakt und der Garten sind für Fotografen tabu.

Weisses Haus wählt Bilder am liebsten selbst aus

Mit dieser Begründung wollte das Weisse Haus auch das nette Foto vom winkenden Vater und der Kleinen auf dem Balkon nicht veröffentlicht sehen. Einige Medien - darunter die Nachrichtenagentur AP - weigerten sich in diesem Fall jedoch, die Forderung des Weissen Hauses zu erfüllen. Das hat einen Grund: Wenn es Obama gefällt, publiziert er im Internet über FlickR durchaus selbst ausgewählte private Fotos. Diese Kontrolle missfällt inzwischen vielen im Weissen Haus akkreditierten Fotografen.

Im Internet gibt es denn auch eine Reihe Fotos mit den Kindern. Einmal sitzt die ganze Familie auf einem Sofa im Oval Office, Sasha sitzt beim sichtlich entspannten Daddy auf dem Schoss. Ein anderes zeigt den stolzen Papa und seine zwei Töchter beim neugebauten Spielplatz im Garten des Weissen Hauses, andere die Töchter beim Ausführen des Hundes Bo. Sprecher Gibbs räumt ein, dass dies vor allem ein Versuch sei, Paparazzi zu kontrollieren, indem ihr Markt zerstört werde.

Die Fotos sind im Internet zur Nutzung für alle Medien freigegeben, die Kontrolle geht jedoch bis ins Detail: Erhältlich sind nur Aufnahmen von sehr geringer Auflösung. Damit sind interessierte Medien gezwungen, die für einen Abdruck nötigen Fotos in besserer Qualität direkt vom Weissen Haus zu beziehen. Solche Gesuche aber hat das Presseamt schon des Öfteren abgelehnt.

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