Tony Hayward: Obamas idealer Prügelknabe

Aktualisiert

Tony HaywardObamas idealer Prügelknabe

Er soll das Problem lösen und wird selber zum Problem: BP-Chef Tony Hayward gerät wegen der Ölpest im Golf von Mexiko immer stärker unter Beschuss.

von
Peter Blunschi

Tony Hayward entschuldigt sich für die Ölpest. (Video: YouTube)

Zuletzt knöpfte ihn sich Barack Obama vor: «Für mich würde er nach all diesen Äusserungen nicht mehr arbeiten», sagte der US-Präsident in einem Interview über den Konzernchef von BP. Dabei bezog er sich auf einige Statements, die Hayward viel Kritik einbrachten. Ende Mai hatte er sich über den grossen Zeitaufwand beklagt, den ihn der Kampf gegen die Ölpest kostet, und erklärt, er wolle sein «altes Leben wiederhaben».

Dies wurde als geschmacklos gegenüber jenen empfunden, deren Existenz durch die Katastrophe bedroht ist. Deren Ausmass hatte er noch heruntergespielt, als es nicht mehr zu übersehen war: Der Golf von Mexiko sei ein «grosser Ozean», die Auswirkungen der Ölpest auf die Umwelt seien «wahrscheinlich sehr, sehr gering», sagte Hayward am 14. Mai.

Als Schönredner abgestempelt

Ohnehin hat sich Hayward den Ruf des Schönredners eingehandelt, seit die Plattform «Deepwater Horizon» am 20. April im Golf von Mexiko gesunken ist. Immer wieder versprach er eine Lösung, immer wieder scheiterte BP. Zuletzt hatte er auch behauptet, es gebe keine riesigen Ölschwaden unter der Wasseroberfläche. Inzwischen haben Tests deren Existenz bewiesen. Tony Hayward ist der ideale Buhmann, nicht zuletzt für Präsident Obama, dessen Krisenmanagement ebenfalls in die Kritik geraten ist.

Dabei galt der 53-jährige Brite, der seit drei Jahrzehnten für BP tätig ist, als Hoffnungsträger, als er vor drei Jahren die Nachfolge des langjährigen Konzernchefs John Browne antrat. Ihm wurde zugetraut, verkrustete Strukturen aufzubrechen. Gerade erst haben US-Journalisten gravierende Missstände enthüllt. Aus Kostengründen hatte BP jahrelang die Wartung von Anlagen und Pipelines in den USA vernachlässigt. Bereits 2006 war der Konzern vom US-Kongress deswegen gerügt worden, nachdem eine Leitung in Alaska leck geschlagen war.

Missglückte PR-Kampagne

Hayward hat einige Verantwortliche ausgetauscht. Doch das hat offenbar nicht ausgereicht. Inzwischen gerät Tony Hayward selbst dann unter Beschuss, wenn er sich zu entschuldigen versucht, wie Anfang Woche mit Inseraten und einem Video. Er bedauere den Unfall zutiefst, er sei «eine Tragödie und hätte nie geschehen dürfen», sagte der BP-Chef und musste sich unter anderem von Obama fragen lassen, ob das Geld für die PR-Kampagne nicht besser für Aufräumarbeiten und Entschädigungszahlen verwendet werden sollte.

Längst wird spekuliert, wie lange sich Hayward auf dem Chefsessel noch halten kann. Bislang zeigt er keinen Willen zum Rücktritt. Er sehe keinen Grund dafür, sagte er dem «Sunday Telegraph». Der tiefe Fall der BP-Aktie aber könnte seinen eigenen Fall beschleunigen, zumal sich immer mehr Experten fragen, ob der Konzern die Katastrophe überleben wird. Am 17. Juni wird Tony Hayward erstmals vor einem Ausschuss des US-Kongresses aussagen. Er muss sich auf scharfe Fragen gefasst machen.

Tony Hayward will sein altes Leben wiederhaben:

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