Bürgermeister-Kandidatin: Obdachlose sollen wegen Touristen raus aus Madrid

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Bürgermeister-KandidatinObdachlose sollen wegen Touristen raus aus Madrid

Die konservative Bürgermeister-Kandidatin Esperanza Aguirre will Obdachlose aus Madrid vertreiben. Aber auch Graffiti und Strassenprotesten sagt sie den Kampf an.

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Esperanza Aguirre kandidiert für das Bürgermeisteramt in Madrid. Ende April 2015 versprach sie an einer Veranstaltung mit Vertretern der Tourismusbranche, dass sie versuchen werde, Obdachlose aus Madrids Zentrum zu vertreiben.

Esperanza Aguirre kandidiert für das Bürgermeisteramt in Madrid. Ende April 2015 versprach sie an einer Veranstaltung mit Vertretern der Tourismusbranche, dass sie versuchen werde, Obdachlose aus Madrids Zentrum zu vertreiben.

Keystone/Angel Diaz
Die 63-jährige Aguirre hat eine interessante Karriere hinter sich: Unter dem früheren konservativen Premier José Maria Aznar war sie in den 1990er-Jahren Erziehungsministerin und Senatspräsidentin.

Die 63-jährige Aguirre hat eine interessante Karriere hinter sich: Unter dem früheren konservativen Premier José Maria Aznar war sie in den 1990er-Jahren Erziehungsministerin und Senatspräsidentin.

Keystone/Alberto Martín
Ab 2003 war sie Ministerpräsidentin der Region Madrid - fast zehn Jahre lang, bis sie im September 2012 wegen eines Brustkrebsleidens zum vorzeitigen Rücktritt gezwungen war.

Ab 2003 war sie Ministerpräsidentin der Region Madrid - fast zehn Jahre lang, bis sie im September 2012 wegen eines Brustkrebsleidens zum vorzeitigen Rücktritt gezwungen war.

Keystone/Javier Lizon

Esperanza Aguirre will die nächste Bürgermeisterin von Madrid werden. Bei einer Veranstaltung mit Vertretern der Tourismusbranche versprach die Kandidatin der konservativen Volkspartei («Partido Popular»), dass sie «alle legalen Mitteln» überprüfen werde, um «das Schlafen auf der Strasse und Plätzen» zu verbieten. Anders ausgedrückt: Aguirre will Obdachlose aus Madrids Zentrum vertreiben.

Diese würden Touristen abschrecken, meinte Aguirre. Beim Treffen sagte die 63-Jährige: «Früher holten die Sozialdienste diese Menschen am Abend ab und brachten sie in Notunterkünfte. Dann war die Gegend wieder sauber. Ich verstehe nicht, wieso das heute nicht mehr so ist.»

Bettler-Mafias sollen dahinterstecken

Obdachlose und Bettler wirft Aguirre in den gleichen Topf. Sie würden von «Mafias aus dem Ausland» instruiert und von «von den Einkünften sehr gut leben». Dem müsse man ein Ende setzen, denn nicht nur werde das Stadtbild verschandelt, auch der Tourismus in der spanischen Hauptstadt leide schwer unter den Randständigen.

Aguirres Plan stösst den Hilfsorganisationen sauer auf. Sebastián Mora, Leiter von Caritas Spanien, sagte an einer Pressekonferenz am Donnerstag, dass «Armut nicht kriminalisiert» werden dürfe. Ausserdem seien Obdachlose «nicht ein ästhetisches, sondern ein ethisches Problem».

Madrid wählt konservativ

Die Kandidatin ärgert sich zudem über die zahlreichen Graffiti – sowie über die rund «1800 Proteste», welche auf Madrids Strassen wegen der Wirtschaftskrise stattfanden. Eine etwas übertriebene Behauptung: Offiziell fanden im Jahr 2013 «nur» 391 Demonstrationen statt.

Madrid wählt am 24. Mai eine neue Stadtregierung. Laut einer Umfrage der Zeitung «ABC» vom verganganen Sonntag hat Esperanza Aguirre etwa 35 Prozent der Madrider Wähler auf ihrer Seite.

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