Polizeigewalt: Obdachloser stirbt nach Taser-Einsatz
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PolizeigewaltObdachloser stirbt nach Taser-Einsatz

Vincent Valenzuela widersetzt sich der Festnahme durch zwei Polizisten. Dass die Beamten einen Elektroschocker einsetzen, wird ihm zum Verhängnis.

von
mlr

Fermin Vincent Valenzuela jr. starb am 10. Juli 2016 im Spital.

Ein weiterer Fall von Polizeigewalt erschüttert die USA: In Anaheim im US-Bundesstaat Kalifornien ist am Sonntag ein Obdachloser gestorben, der Tage zuvor von zwei Polizisten mit einem Elektroschocker traktiert wurde. Am Montag veröffentlichten die Behörden das Video einer Überwachungskamera in einem Waschsalon, auf dem der Vorfall dokumentiert ist.

Laut CBS rief eine Frau am 2. Juli die Polizei, weil ihrer Mutter auf deren Nachhauseweg ein verdächtiger Mann gefolgt sei, der nun vor ihrem Haus herumlungere. Dieser Mann war Fermin Vincent Valenzuela jr., ein Obdachloser mit Drogenproblemen.

Rangelei im Waschsalon

Als die Beamten eintrafen, flüchtete sich Valenzuela in einen Waschsalon. Den Behörden zufolge versuchte er dort, sich einer Pfeife zum Drogenkonsum zu entledigen. Als die Polizisten ihn festnehmen wollten, leistete der 32-Jährige Widerstand und rannte aus der Wäscherei. Daraufhin hielt ihm einer der Beamten einen Taser an den Rücken.

Auf der Polizeiwache bemerkten die Polizisten, dass mit Valenzuela etwas nicht stimmte. Der Mann erlitt mehrere Herzinfarkte und fiel ins Koma. Neun Tage später starb er im West Anaheim Medical Center. Gemäss «Los Angeles Times» stellten die Ärzte die lebenserhaltenden Massnahmen ein. Untersuchungen ergaben, dass er stark unter Drogen stand. Die Obduktion steht noch aus.

Der Anwalt der Familie, Garo Mardirossian, macht den Elektroschocker für Valenzuelas Tod verantwortlich. Ihm zufolge richteten die Beamten den Taser auch auf die Brust des Mannes. Der Jurist will eine Klage gegen die Polizei von Anaheim und die Hersteller-Firma des Elektroschockers einreichen. Mardirossian zufolge war Valenzuela auf dem Weg zu seiner Tante.

«Er hatte Todesangst»

«Ich glaube nicht, dass er Widerstand geleistet hat. Ich glaube, er hatte Todesangst», sagte der Vater des Toten, «mein Sohn war nicht gewalttätig. Er war ein netter, liebenswerter Mensch.» Patricia Gonzalez, Valenzuelas Ex-Frau und Mutter seiner beiden Kinder, sagte: «Es ist hart, deinen Kindern sagen zu müssen, dass ihr Vater nicht mehr länger Teil ihres Lebens sein wird.»

Die beiden Polizisten trugen während des Vorfalls Körperkameras, deren Aufnahmen nun untersucht werden sollen. Beide Beamten sind wieder im Dienst. Valenzuela hatte Gerichtsprotokollen zufolge bereits längere Zeit Drogenprobleme und war wegen geringer Vergehen schon mehrmals im Gefängnis gewesen. Er lebte auf der Strasse.

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