SCL Tigers: Oben bleiben und sparen
Aktualisiert

SCL TigersOben bleiben und sparen

Die SCL Tigers haben entschieden, in der NLA zu bleiben. Mehr noch: Präsident Peter Jakob leistet für die nächste Saison eine Defizitgarantie in unbegrenzter Höhe.

von
Klaus Zaugg
Trainer John Fust (l.), Geschäftsführer Ruedi Zesiger (Mitte) und Verwaltungsratspräsident Peter Jakob: Die Saison ist gerettet.

Trainer John Fust (l.), Geschäftsführer Ruedi Zesiger (Mitte) und Verwaltungsratspräsident Peter Jakob: Die Saison ist gerettet.

Damit sind die Voraussetzungen für eine ruhige Saison gegeben - falls sich die Langnauer nicht in die NLB sparen und nur mit zwei oder drei Ausländern spielen.

Ein glorreiches Dutzend aus dem Emmental. Exakt zwölf Referenten sitzen vorne an den Tischen, um die (Eishockey)-Welt davon zu überzeugen, warum es diesmal kein Sommertheater gibt, warum die SCL Tigers auch wirtschaftlich in der NLA überleben können und warum NLA-Eishockey im Emmental eine Zukunft hat: Präsident Peter Jakob, drei Verwaltungsräte der SCL Tigers, Gemeindepräsident Bernhard Antener, der Präsident der Ilfisstadion AG, Tiger-Geschäftsführer Ruedi Zesiger, Trainer John Fust, der Geschäftsführer der Nachwuchsorganisation Young Tigers, der Präsident der Gönnerorganisation «Club 76» plus zwei Vertreter der Organisation Region Emmental.

Wagnis ist spürbar

Die ganze Problematik rund um die SCL Tigers wird ausgebreitet. Es ist zu spüren, welches Wagnis es für die Verwaltungsräte ist, in der NLA weiterzumachen. Es sind Männer, die Verantwortung übernehmen und sich gewohnt sind, diese Verantwortung auch zu tragen. Und sich in der Krise nicht einfach durch Rücktritte davonstehlen. Deshalb hatten sie den freiwilligen Abstieg in die NLB oder in die 1. Liga erwogen. Denn aus der vergangenen Saison wird gemäss Präsident Peter Jakob ein Defizit von gut einer Million erwartet und die Verkaufsabteilung der SCL Tigers muss für nächste Saison zusätzliche Mittel in der Höhe von rund 1,5 Millionen hereinholen.

Die Referenten beginnen ihre Ausführungen mit «Liebi Froue u Manne«. Nicht meine «Damen und Herren.» Guter Wille, ja Leidenschaft sind zu spüren. Hier zeigt sich, warum die SCL Tigers den sportlichen Ligaerhalt geschafft haben. Die Emmentaler können immer noch zusammenstehen. Es ist ein ehrliches Engagement.

Aber eben: Das Abenteuer NLA ist knallhartes Sportbusiness, dessen Gesetze nicht im Emmental gemacht werden, sondern in den wirtschaftlichen Zentren dieses Landes und vom internationalen Sportmarkt.

Grunder hat seine Million bezahlt

Können die Emmentaler in diesem Geschäft bestehen, das sie nicht selber finanzieren können und für das sie Gelder im ganzen Land generieren müssen?

Die Defizitgarantie von Präsident Peter Jakob schafft eine neue, erfreuliche Situation und kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er bestätigt: «Ja, es ist eine Defizitgarantie. Wir garantieren die wirtschaftliche Existenz des Unternehmens.» Die Existenzfrage, die das Unternehmen SCL Tigers AG im letzten Sommer und auch im Laufe der aktuellen Saison auf vielen Ebenen lähmte, immer wieder das Sommertheater nährte und allenthalben für Verunsicherung sorgte, ist damit vom Tisch. Die SCL Tigers fallen als Nummer im grossen Emmentaler Sommertheater aus. Die Bedeutung von kulturellen Institutionen wie der Emmentaler Liebhaberbühne und ähnlicher Theatergruppen wird zumindest bis zum ersten Meisterschaftsspiel grösser.

Ja, sogar die Frage, ob Hans Grunder seinen finanziellen Verpflichtungen jetzt nachgekommen sei (rund eine Million), beantwortet Präsident Jakob erstmals ohne wenn und aber mit einem «Ja». Damit ist die Vergangenheit bewältigt.

Spart sich Langnau in die NLB?

Die SCL Tigers können auf dem Markt endlich als strahlende Braut auftreten. Sie sind nicht mehr ein von finanzieller Schwindsucht geplagtes, jammerndes Froueli.

Aber die SCL Tigers sind ein Sportunternehmen und deshalb steht die bange Frage im Raum: Sparen sich die SCL Tigers sportlich in die NLB? Der Grund für diese Frage: Manager Ruedi Zesiger lässt es offen, ob die Mittel für vier Ausländer zum Saisonstart reichen. Der SCB oder die ZSC Lions können in der NLA auch mit zwei Ausländern spielen. Sie haben genug Schweizer für vier Linien. Aber nicht die SCL Tigers. Die Leistungen der ausländischen Arbeitnehmer machen bei den Teams des unteren Tabellendrittels die Differenz. So einfach ist das. Manager Ruedi Zesiger sagt, ob drei oder vier Ausländer sei nicht entscheidend und man solle daraus nicht eine Existenzfrage machen. Wenn er sich da nur nicht irrt.

Damit zeichnet sich ab: Die SCL Tigers versuchen die Quadratur des Kreises. Einerseits die Kosten tief halten, um die Defizitgarantie des Präsidenten nicht zu stark zu beanspruchen (beispielsweise durch den Verzicht auf einen vierten Ausländer) - aber andererseits trotzdem attraktives Eishockey spielen, um das Stadion zu füllen, den Ligaerhalt zu schaffen und endlich neue Sponsoren zu finden.

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