Zwillingsmord von Horgen: Obergericht hält an Strafe für Bianca G. fest
Aktualisiert

Zwillingsmord von HorgenObergericht hält an Strafe für Bianca G. fest

Die Mutter, die 2007 ihre Zwillinge erstickt hat, bleibt im Gefängnis. Die Oberrichter lehnen einen Aufschub des Strafvollzugs zugunsten einer stationären Therapie ab.

von
Attila Szenogrady
Die Zeichnung zeigt die Angeklagte Bianca G., links oben, sowie den Staatsanwalt Markus Oertle, links unten, vor dem Geschworenengericht in Zürich im März 2010.

Die Zeichnung zeigt die Angeklagte Bianca G., links oben, sowie den Staatsanwalt Markus Oertle, links unten, vor dem Geschworenengericht in Zürich im März 2010.

Das Obergericht bestätigte am Donnerstag das Urteil des Bezirksgerichts Horgen. Es komme nur eine lebenslängliche Freiheitsstrafe für Bianca G. in Frage. Abzüglich der 2174 Tage, die die Mörderin bereits verbüsst hat. Der Gerichtsvorsitzende Peter Marti führte aus, dass die Beschuldigte skrupellos, heimtückisch und grausam vorgegangen sei. Die beiden Kinder seien ihr chancenlos ausgeliefert gewesen, sagte er und erinnerte an den minutenlangen Todeskampf der Opfer.

Die Oberrichter lehnten zudem den Antrag auf eine stationäre Massnahme ab - auch im Hinblick auf das Übermassverbot. Eine allenfalls erfolgreiche stationäre Behandlung stünde im Missverhältnis zur Sanktion, erklärte Marti. Zum Schluss bejahte Marti die Haltung der Beschuldigten in Bezug auf ihr Geständnis und bekräftigte, dass Bianca G. mit der Therapie alles aufarbeiten solle. Dass sei sie sich selber, aber auch ihrem Ex-Mann und den Opfern schuldig.

Bianca G. gesteht ihre Tat erneut

Auch vor Obergericht legte die heute 40-Jährige ein umfassendes Geständnis ab. Bereits im Juli 1999 hatte sie ihre erste, sieben Wochen alte Tochter mit der Hand erstickt. «Ich wollte, dass sie einfach ruhig ist», sagte sie zu ihrer ersten Tat. Die Behörden gingen damals von einem plötzlichen Kindstod aus, das Verbrechen blieb unentdeckt.

An Weihnachten 2007 schlug die gebürtige Österreicherin erneut zu. In der Nacht auf den 24. Dezember erstickte sie ihre damals 7-jährigen Zwillinge, einen Buben und ein Mädchen, mit einem Kissen. Beide Kinder wehrten sich, hatten aber keine Chance. Nach der Tat legte Bianca G. ein kaltblütiges Verhalten an den Tag, indem sie nicht nur einen Einbruch vortäuschte, sondern später auch noch den Verdacht auf ihren unschuldigen Ehemann lenkte.

Motiv: Wut und Eifersucht

Vor dem Obergericht brach Bianca G. wiederholt in Tränen aus. «Ich verstehe nicht, wieso ich nicht stoppen konnte», sagte sie. Sie habe die Tat nicht bewusst begangen. Allerdings wisse sie heute, dass sie ihre Kinder aus Wut und Eifersucht umgebracht habe. Diese hätten eine schönere Kindheit gehabt als sie selbst. Vor allem der Grosseltern wegen, die mit ihren Enkeln im Gegensatz zu ihr herzlich umgegangen seien. «Ich hatte auch Angst, dass meine Mutter die Kinder wegnehmen würde», blickte sie zurück. Als sich die Kinder unter dem Kissen gewehrt hätten, sei sie noch wütender geworden.

Alle Kontakte abgebrochen

Bianca G. lebt heute im Frauengefängnis in Hindelbank, wo sie im Rahmen einer Wohngruppe regelmässig eine Psychotherapie besucht und zu 60 Prozent in einer Wäscherei arbeitet. Zudem geht sie wöchentlich in eine Einzeltherapie. Ziel sei es, die Delikte aufzuarbeiten, erklärte sie. «Ich will heute die Verantwortung für alles übernehmen», erklärte sie. «Im Rahmen der Therapie sehe ich mich aber nicht als Mutter, sondern als Monster.» Inzwischen sei sie operativ unterbunden.

Ferner erklärte sie, dass seit ihrem Geständnis sämtliche Kontakte zu ihrer Familie in Österreich abgebrochen seien. Selbst vom Tode ihres Vaters habe sie erst vom Bezirksgericht Horgen erfahren.

Beim Ex-Mann nie persönlich entschuldigt

Präsident Marti befragte die Beschuldigte auch nach ihrem Ex-Mann. So soll Bianca G. gegenüber einer Person im Gefängnis gesagt haben, dass sie ihren früheren Lebenspartner aus Hass und Rache nach der Haftentlassung umbringen werde. «Das stimmt nicht», wehrte sich die Beschuldigte dagegen. Allerdings räumte sie ein, dass sie sich bis heute nie persönlich bei ihrem Ex-Mann entschuldigt habe, sondern lediglich vor dem Bezirksgericht Horgen.

Sie bereue ihre Tat zutiefst, sagte Bianca G. in ihrem Schlusswort: «Ich lebe jeden Tag damit. Eine schlimmere Strafe gibt es nicht.»

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