10 Kilometer: Oberson hofft auf nicht allzu kaltes Wasser
Aktualisiert

10 KilometerOberson hofft auf nicht allzu kaltes Wasser

Mit Swann Oberson schickt die Schweizer Equipe eine weitere Medaillen-Kandidatin ins Rennen. Die Schwimm-Weltmeisterin über 5 Kilometer fühlt sich vor dem Olympia-Wettkampf in Topform.

Seit letztem Samstag schon befindet sich Swann Oberson, die nach der Eröffnungsfeier nochmals ins Tessin zurückgereist war, in Englands Hauptstadt. «Das ist zwar recht früh, doch mir war dies recht. So konnte ich mich an die teils zeitaufwändigen Abläufe vor Ort gewöhnen», so die 5-km-Weltmeisterin von Schanghai. Am Montag nutzte Oberson die erste von zwei Möglichkeiten, um im Serpentine Lake zu trainieren. «Das zweite Training liess ich aus. Ich kenne den See ja schon vom olympischen Test-Wettkampf im letzten Jahr.»

Oberson kommt vom Becken-Schwimmen und fühlt sich in offenem Gewässer weniger wohl als andere. Deshalb ist es für die Schweizerin von Vorteil, dass die olympischen Wettkämpfe im Langstreckenschwimmen in einem See stattfinden. «Auch gut für mich ist, dass nur 25 statt 70 Schwimmerinnen am Start sind. So gibt es viel weniger Positionskämpfe», erklärt die Olympia-Sechste von Peking.

Anpassbare Strategie

Ihr «Knackpunkt» aber ist die Temperatur des Wassers. Oberson, die sich in Schanghai bei 31 Grad im Element gefühlt hat, liebt die Wärme: «Ist es kalt, kostet mich das viel Energie. Wenn die Temperatur im See wie zuletzt üblich bei rund 20 Grad bleibt, dann ist das schon gut.» Das Wetter scheint der Schweizerin wohlgesonnen zu sein. Für Mittwoch und Donnerstag waren vermehrt Sonnenschein und höhere Temperaturen gemeldet, wodurch sich der nicht sehr grosse «Teich» im Hyde Park recht schnell erwärmt.

Allerdings zeigte gerade auch der Test-Wettkampf im letzten Jahr, dass Oberson selbst bei Kälte nicht gänzlich chancenlos sein muss. Nur gerade 17,7 Grad warm war das Wasser damals. Dennoch hielt die Schweizer Medaillenhoffnung bis zum Anfang der sechsten und letzten Runde mit. «Ich hatte mich schon Wochen vorher darauf eingestellt, dass es kalt wird», so Oberson. Dass sie mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun hatte, war die Folge eines taktischen Fehlers, wie sie zugibt: «Ich hätte mich nicht mehr verpflegen, sondern ganz einfach in der Spitzengruppe bleiben sollen.» So aber verpasste Oberson den entscheidenden Abgang im Kampf um den Sieg. Dies wird ihr heute nicht nochmals passieren. «Geplant ist, dass ich nach der zweiten und vierten Runde verpflege. Doch wenn die Spitzenschwimmerinnen nach der dritten gehen, gehe ich halt auch dann», sagt Oberson.

Engländerin als Topfavoritin

Heute will Oberson ernten, was sie in den letzten zwei Jahren mit harten und umfangreichen Trainings in Würzburg gesät hat. In den härtesten Phasen kam die Romande auf bis zu 120 km pro Woche, verteilt auf zwölf Trainings. Zuletzt wurde der Aufwand laufend und deutlich reduziert. «Das letzte harte Training fand am Freitag über acht Kilometer statt. Zuletzt aber ging es einzig darum, die Energie fürs Rennen zu behalten.»

Gefragt nach den grössten Konkurrentinnen im Kampf um die Medaillen, spricht Oberson zwar von der «englischen Schwimmerin (Keri-Anne Payne - Red.), die im Training zuletzt ganz stark geschwommen ist. Aber man muss alle auf der Rechnung haben. Ich sage immer, ich habe 24 Konkurrentinnen.» Unter Umständen könnte sich Oberson wie in Peking, als ihr nach zwei Stunden Schwimmzeit nur sechs Sekunden zu Bronze gefehlt haben, mit einem Diplom zufrieden geben. «Mein Ziel lautet einfach, das bestmögliche Resultat herauszuholen.» Dafür, dass das «bestmögliche Resultat» eine Medaille («Das wäre wirklich genial») bedeutet, hat Oberson alles getan: «Wenn es nicht klappt, kann ich mir nichts vorwerfen. Ich habe in den letzten zwei Jahren so hart wie nie zuvor trainiert.» (si)

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