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Gegen die MasernimpfungOberste Schweizer Ärztin im Kreuzfeuer

Die neue Präsidentin der Verbindung der Schweizer Ärzte steht im Kreuzfeuer der Corona-Taskforce. Sie stelle sich gegen die Impfempfehlungen des Bundes, lautet der Vorwurf.

von
Leo Hurni
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Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte, die über 40’000 Mitglieder vertritt, steht in Kritik:

Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte, die über 40’000 Mitglieder vertritt, steht in Kritik:

REUTERS
Die neu gewählte Präsidentin Yvonne Gilli soll in der Vergangenheit impfkritisch aufgetreten sein. 

Die neu gewählte Präsidentin Yvonne Gilli soll in der Vergangenheit impfkritisch aufgetreten sein.

FMH
So habe sie ihre Kinder nicht gegen die Masern geimpft, was Gilli allerdings abstreitet.  «Ich unterstützte bereits damals die Masernimpfungen gemäss den offiziellen Empfehlungen des BAG.»

So habe sie ihre Kinder nicht gegen die Masern geimpft, was Gilli allerdings abstreitet. «Ich unterstützte bereits damals die Masernimpfungen gemäss den offiziellen Empfehlungen des BAG.»

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Darum gehts:

  • Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte hat eine neue Präsidentin: Yvonne Gilli

  • Der Verband steht mit der Entscheidung in Kritik: So soll sich Gilli früher impfkritisch geäussert haben.

  • Gilli dementiert: Sie unterstütze die Impfempfehlungen des Bundes und sei nicht impfskeptisch.

Die Ärztin und ehemalige Grüne-Nationalrätin Yvonne Gilli übernimmt per 1. Februar das Präsidium der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH (siehe Box). Noch vor dem Amtantritt steht sie schon im Kreuzfeuer der Kritik: Vertreter der wissenschaftlichen Covid-Taskforce des Bundes greifen die designierte oberste Ärztin in den sozialen Medien wegen früherer Äusserungen zum Thema «Impfen» frontal an.

So kämpfte Gilli 2013 gegen das Epidemiengesetz des Bundes und das damit verbundene Impf-Obligatorium, das wegen der Corona-Pandemie viel diskutiert wird. Dabei sprach sie sich gegenüber der Zeitung Südostschweiz gegen das Impf-Obligatorium aus, bei dem Angestellte aus bestimmten Branchen, zum Beispiel das Pflegepersonal, zu einer Impfung gezwungen werden können. Sie erzählte im Interview zudem, dass sie ihre Kinder nicht gegen die Masern geimpft habe. Unter anderem sagte sie: «Der jüngste Sohn ist noch ein Kind und hat Zeit, die Krankheit durchzumachen.»

Kritiker bekommen prominente Unterstützung

Der Berner Epidemiologieprofessor Matthias Egger kritisiert Gilli auf Twitter dafür, dass sie sich mit ihrer Masern-Impfverweigerung gegen die Impfempfehlungen des Bundesamt für Gesundheit (BAG) stelle. Egger verweist dabei auf eine Studie von 2008, die zeigt, dass ungeimpfte Personen Masernausbrüche verursachen können.

Taskforce-Mitglied Dominique de Quervain von der Uni Basel geht einen Schritt weiter und bezeichnet die Wahl Gillis als eine «wissenschaftlichen Bankrotterklärung» des Berufsverbandes. Der Grund: Gilli verfügt über eine Ausbildung in klassischer Homöopathie und traditioneller chinesischer Medizin. Für Quervain bedient sich die Homöopathie «nicht-evidenzbasierter Methoden». Wäre er noch FMH-Mitglied, so würde er seinen Austritt heute abschicken, schreibt er auf Twitter.

Der Kritik von Matthias Egger entgegnet Yvonne Gilli wie folgt: «Ich unterstützte bereits damals die Masernimpfungen gemäss den offiziellen Empfehlungen des BAG. Es ist selbstverständlich, dass die FMH und ich persönlich auch die aktuelle Corona-Impfung ebenso empfehlen. Meine persönliche Einstellung dazu deckt sich mit diesen Empfehlungen.» Die kritische Haltung gegenüber der Homöopathie verstehe sie allerdings. «Diese kritische Aussensicht ist berechtigt, da es noch viel zu wenig universitäre Forschung gibt in der Komplementärmedizin, inklusive der Homöopathie. Als bisheriges Mitglied des Zentralvorstandes und Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin kennen mich die Mitgliedorganisationen und die Delegierten des Ärzteverbände aber und sie wissen meine Fähigkeiten und Kompetenzen zu schätzen.»

Unterstützung kommt dabei auch vom Verband selber. Jürg Schlup, Präsident der Verbindung, sagt dazu: «Die Ärztekammer der FMH hat mit Frau Gilli eine ausgewiesene Medizinerin (...) an die Spitze des Verbands gewählt. Ihre Kandidatur hat daher eine überwiegende Mehrheit der Delegierten der Ärztekammer der FMH überzeugt.» Die kritischen Stimmen scheinen dabei in der Minderheit zu sein, denn: «Die FMH verzeichnet in den letzten Monaten einen kontinuierlichen Zuwachs an Mitgliedern.»

Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH

Die FMH (Foederatio Medicorum Helveticorum) ist der Berufsverband der Schweizer Ärztinnen und Ärzte. Sie vertritt über 40'000 Mitglieder und ist der Dachverband von über 90 Ärzteorganisationen. Die Koordination zwischen der operativen und der strategisch-politischen Ebene übernimmt das Generalsekretariat, das mit seinen über 100 Mitarbeitenden als Bindeglied zwischen Ärzteschaft und Öffentlichkeit fungiert.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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182 Kommentare
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Dr Faustus

05.01.2021, 19:09

Wer an Homöopathie glaubt, sollte sich die Walpurgisnacht freihalten, den Besen nehmen und zum Brocken fliegen. Dort kann er -sie sich dann über Geisterbeschwörung weiterbilden.

Kinder Riegel

05.01.2021, 18:45

Was für ein Kindergarten, jetzt fangen schon Politiker und „Experten“ an sich Online zu mobben.

Kenny25

05.01.2021, 18:25

Wenn man öffentlich irgendetwas kritisches gegen eine von der Mehrheot vertretene Meinung sagt, wird man massiv unter Druck gesetzt und verliert allenfall auch gleich noch den Job. Meinungsfreiheits existiert nur noch auf dem Papier.