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MissbrauchsskandalOberster Bischof muss dem Papst berichten

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, muss Papst Benedikt XVI. über die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche berichten.

Die Audienz ist für den Vormittag geplant, eine genaue Uhrzeit stand laut Bischofskonferenz-Sprecher Matthias Kopp nicht fest. Am Mittag wollte Zollitsch auf einer Pressekonferenz in Rom über die Ergebnisse des Gesprächs informieren.

Bei dem Besuch in Rom handelt es sich eigentlich um einen Routinebesuch, bei dem Zollitsch das Kirchenoberhaupt über die Ergebnisse der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz informieren soll. Das Thema Missbrauch steht dabei jedoch angesichts der zahlreichen aufgedeckten Fälle in katholischen Einrichtungen im Mittelpunkt.

Wir sind Kirche

Die katholische Reformbewegung «Wir sind Kirche» verlangte vom Papst grundsätzliche Entscheidungen, um den Missbrauch zu bekämpfen. Der Sprecher der Reformer, Christian Weisner, sagte im Südwestrundfunk, der Papst müsse einsehen, dass die Kirche ein «globales Problem» habe, das wesentlich in ihrer Haltung zur Sexualität und zu den Geschlechterrollen begründet sei.

Es genüge nicht, die Bischöfe einzelner Länder einzubestellen, «wenn es da gerade brennt», sagte Wiesner mit Blick auf die Papst-Audienz von Zollitsch. Vielmehr komme es darauf an, Homosexualität zu enttabuisieren und männliches Dominanzstreben gegenüber Frauen zu verurteilen.

(dapd)

Umfrage: Katholische Kirche tut nicht genug

Die Katholische Kirche unternimmt nach Ansicht der überwiegenden Mehrheit der Deutschen Bürger zu wenig bei der Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe: 86 Prozent werfen der Kirchenführung mangelnde Bereitschaft dazu vor; nur 10 Prozent sehen ausreichendes Handeln, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid unter rund 1000 Personen für den Nachrichtensender N24 ergab. Das Bekanntwerden dieser Fälle schmälert zudem das Vertrauen der Menschen in die Bildungsarbeit der Katholischen Kirche: 68 Prozent sehen diese nun kritischer, 28 Prozent vertrauen der katholischen Bildungs- und Jugendarbeit weiterhin uneingeschränkt. (AP)

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