27.07.2020 04:46

Steigende Corona-ZahlenOberster Kantonsarzt denkt an Clubschliessungen

Rudolf Hauri, Präsident der Kantonsärztevereinigung, rechnet mit steigenden Corona-Fallzahlen. Die Frage nach einer Schliessung der Clubs sei berechtigt.

von
Daniel Waldmeier
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In einem Berner Club gab es mehrere Corona-Fälle.

In einem Berner Club gab es mehrere Corona-Fälle.

KEYSTONE
Eine Person, die Mitte Juli im Berner Club Kapitel gefeiert hatte, wurde am vergangenen Freitag positiv auf Corona getestet. Zwei weitere kamen am Samstag hinzu.

Eine Person, die Mitte Juli im Berner Club Kapitel gefeiert hatte, wurde am vergangenen Freitag positiv auf Corona getestet. Zwei weitere kamen am Samstag hinzu.

KEYSTONE
Sämtliche Personen, die an derselben Party zugegen waren, müssen nun für zehn Tage in Quarantäne.

Sämtliche Personen, die an derselben Party zugegen waren, müssen nun für zehn Tage in Quarantäne.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Der Zuger Kantonsarzt warnt vor einer Virenverschleppung durch Ferienreisen.
  • Eine Schliessung der Clubs ist für ihn nach dem neuerlichen Corona-Fall in einem Berner Lokal kein Tabu.
  • Die Clubs belasteten das Contact-Tracing stark.

Angesichts der Sommerferien und der in Europa und der Schweiz langsam steigenden Corona-Fallzahlen: Wie lange kann das noch gut gehen?
Derzeit müssen wir von steigenden Fallzahlen ausgehen. Die Reisetätigkeit birgt das Risiko der Virusverschleppung besonders stark. Ob die Quarantäne für Rückkehrer aus den vom BAG gelisteten Ländern greift, wird sich erst noch zeigen.

Ist es richtig, dass Clubs angesichts der steigenden Fallzahlen geöffnet bleiben? Welche Massnahmen braucht es?
Die Frage, ob Clubs geöffnet bleiben sollen, stellt sich berechtigterweise. Sie gelten als Risikoorte für die Virusübertragung. Sollten sich die Schutzkonzepte und insbesondere deren Einhaltung als unzureichend für die Verhinderung der Virusausbreitung erweisen, so bleibt bei ansteigenden Fallzahlen wohl bald einmal nur die Schliessung.

Rudolf Hauri ist Zuger Kantonsarzt sowie Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte in der Schweiz.

Rudolf Hauri ist Zuger Kantonsarzt sowie Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte in der Schweiz.

KEYSTONE

Reicht das Contact-Tracing nicht?
Das Contact-Tracing kann zwar nach Bekanntwerden einer Virusübertragung in einem bestimmten Club im Idealfall die weitere Infektionskette unterbrechen. Es ist aber keine präventive Massnahme für die Clubbesucher selbst, es kann also weder deren Ansteckung und damit auch deren Erkrankung noch die persönliche Einschränkung durch die angeordnete Quarantäne verhindern.

Bern musste in besagtem Fall mehrere Hundert Leute in Quarantäne setzen. Wie wahrscheinlich ist es, dass sich alle an die Auflagen halten?
Falls die Clubbesucher den Sinn der Quarantäne einsehen, werden sie diese auch einhalten. Das dürfte bei mehreren Hundert Personen vermutlich nicht bei jeder einzelnen der Fall sein, weshalb die Einhaltung der Quarantäne zumindest stichprobenartig zu überprüfen ist.

In Prag gab es nach einer Party 109 Covid-19-Fälle. Wäre es Ihnen wohler, wenn die Clubs per sofort geschlossen würden?
Durch die vielen Kontaktpersonen belasten betroffene Clubs das Contact-Tracing neben den bereits nachgewiesenen Infizierten sehr. Es stellt sich neben der epidemiologischen Frage daher auch jene in Bezug auf den personellen und finanziellen Aufwand für die Allgemeinheit. Bleiben die Clubs weiterhin geöffnet, dann müssen sie auch bereit sein, einiges in die Umsetzung und vor allem in die Durchsetzung geeigneter Schutzkonzepte zu investieren. Kontaktlisten selbst stellen kein Schutzkonzept dar.

Fälle in Berner Club

Über das Wochenende sind dem Bundesamt für Gesundheit insgesamt 258 neue Covid-19-Infektionen gemeldet worden. In der Stadt Bern liess die Kantonsärztin den Club «Kapitel Bollwerk» am Samstagabend um 23 Uhr schliessen. Nachdem schon am Freitag eine Person, die am Wochenende davor den Club besucht hatte, positiv getestet worden war, stellte sich am Samstagabend heraus, dass sich zwei weitere Personen mit der Lungenkrankheit Covid-19 angesteckt hatten. Der Kanton schickte 140 Clubgäste in Quarantäne. (sda)

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186 Kommentare
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Kiki G

29.07.2020, 01:00

Die Infektionszahlen sind ja stabil...oder??

Esther

28.07.2020, 13:56

Man hätte die Clubs nicht so schnell aufmachen sollen man hätte im Herbst es machen sollen mit maskenpflicht. Im Sommer kann man draussen was machen

Sepp17

28.07.2020, 09:30

wir sind ja immer ca. 3 Wochen in Verzug. Die Politiker sind jetzt erst einmal in den Ferien. Das ist schliesslich wichtiger als sich um solche Bagatellen zu kümmern (Ironie Ende).