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Kantonale ImpfstrategienOberster Kantonsarzt nimmt Trödel-Kantone in Schutz

«Vorwärts machen beim Impfen»: Das fordern Politiker und der Präsident der Hausärzte von den Kantonen. Rudolf Hauri erklärt die unterschiedlichen Impfstrategien.

von
Daniel Graf
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Rudolf Hauri ist Zuger Kantonsarzt und Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte und -ärztinnen der Schweiz.

Rudolf Hauri ist Zuger Kantonsarzt und Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte und -ärztinnen der Schweiz.

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Die Impfstarts in den Kantonen erfolgten zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Die Impfstarts in den Kantonen erfolgten zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Tamedia AG
Jetzt steht mit dem Moderna-Vakzin ein weiterer Impfstoff bereit.

Jetzt steht mit dem Moderna-Vakzin ein weiterer Impfstoff bereit.

AFP

Darum gehts

  • Bern sucht noch einen Impfkoordinator, andere Kantone haben spät mit dem Impfen begonnen.

  • Das kritisieren Politiker.

  • Rudolf Hauri erklärt, warum in den Kantonen ein unterschiedliches Vorgehen Sinn macht.

  • Er kündigt auch Sonderschichten in den Impfzentren an.

Herr Hauri, laut Alain Berset wird spätestens mit der Zulassung des Moderna-Impfstoffs ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehen, um bis Ende Monat alles Bewohner von Alters- und Pflegeheimen durchzuimpfen. Ist das auch Sicht der Kantone realistisch?

Das ist ein sehr hohes Ziel und hängt insbesondere von der tatsächlichen Verfügbarkeit des Impfstoffs ab. In kleineren und mittleren Kantonen dürfte – vorbehältlich der tatsächlichen Verfügbarkeit des Impfstoffs – das möglich sein, grössere Kantone brauchen eher etwas mehr Zeit. Kommt dazu, dass in einem Heim erst im grossen Umfang geimpft werden kann, wenn das Virus dort nicht allzu aktiv ist.

Wie gross sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Kantonen, was die Möglichkeit, schnell viele Menschen zu impfen, angeht? Wie kommen sie zustande?

Ein Wettbewerb zwischen den Kantonen ist nicht das Ziel. Ziel ist es gemäss Impfstrategie der Impfkommission und BAG, zuerst die besonders gefährdeten Personen, später die Bevölkerung, die eine Impfung möchte, zu impfen. Da nicht nur der Impfstoff sondern auch die Impfabläufe sicher sein müssen, stehen die Kantone vor grossen organisatorischen Herausforderungen und da gibt es dann halt naturgemäss Unterschiede in der Geschwindigkeit der Organisation.

Welches sind die grössten Herausforderungen beim Aufbau der Impf-Infrastruktur und der Verteilung des Impfstoffs?

Die Impfinfrastruktur muss sicher und stabil sein. Sie muss über einen längeren Zeitraum tadellos funktionieren, zum Beispiel weil es auch die Verabreichung von zwei Dosen des gleichen Impfstoffs im Abstand eines klaren Zeitrahmens braucht. Die Sicherheit der Impfung und die medizinischen Standards sind jederzeit zu gewährleisten, das heisst, man kann nicht einfach eine Drive-in-Organisation aufziehen. Die Logistik muss unter strikter Einhaltung der Kühlkette den Impfstoff zur richtigen Zeit am richtigen Ort in der richtigen Menge anliefern.

Was entgegnen Sie dem Vorwurf, die Kantone seien beim Impfen nicht schnell genug?

Nach der Zulassung des ersten Impfstoffs durch Swissmedic wurde sehr schnell mit den Impfungen begonnen und dies, obwohl die Erhältlichkeit des Impfstoffs lange auf das Frühjahr 2021 in Aussicht gestellt wurde. Es begannen nicht alle Kantone am gleichen Tag, da es eben kein Wettrennen ist, sondern die infrastrukturellen und personellen Vorbereitungen solide und nicht improvisiert getroffen wurden. Dass es angesichts der strukturellen und geographisch verschiedenen Gegebenheiten der Kantone Unterschiede geben kann, liegt in der Natur der Sache. Grundsätzlich haben aber alle Kantone Ende Dezember/Anfang Januar mit Impfungen begonnen, was bei mengenmässig deutlich begrenztem Impfstoff keine wirklich entscheidenden Unterschiede ausmacht.

Wird derzeit eigentlich sämtlicher Impfstoff in Erstimpfungen verimpft?

Am Zuger Impfzentrum werden die Dosen so aufgeteilt, dass für jede Erstimpfung auch eine zeitgerechte Zweitimpfung garantiert werden kann. So kann auch im Falle von unvorhergesehenen Lieferverzögerungen sichergestellt werden, dass alle Zweitimpfungen fristgerecht vorgenommen werden können. Für die Zweitimpfungen dürfen die verschiedenen Impfstoffe bekanntlich nicht vermischt werden.

Anne Lévy vom BAG forderte kürzlich, in den Impfzentren dürfe nicht nur von 9 bis 17 Uhr geimpft werden, sondern es müsse «bis in die Nacht» geimpft werden. Sind Sonderschichten, verlängerte Öffnungszeiten in den Kantonen ein Thema, sobald grosse Mengen Impfstoff geliefert werden?

Ja, sobald grössere Mengen an Impfstoffen vorhanden sind, werden auch die Öffnungszeiten entsprechend ausgebaut.

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77 Kommentare
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upinsmoke

14.01.2021, 13:37

Das wir mit einem Virus schwer zu kämpfen haben, ist für mich verständlich, was ich aber nicht verstehe, warum das Virus nicht intensiver studiert wird, z.B. die Verbreitung. Wenn ich sehr abstrakt denke, könnte ich mir zum Beispiel vorstellen, das das Virus schon in jedem Organismus vorhanden ist, und erst im Körper, durch irgendeine Transformation oder Mutation erst zu Covld 19 wird. Man muss unbedingt und sehr genau das Infizieren studieren, denn dann kann man auch den massiven Gegenangriff sehr konsequent führen.

Yuelin

13.01.2021, 08:39

Die Menschen welche die Gesellschaft und Wirtschaft am Laufen halten und dies nicht aus dem Homeoffice tun können, MÜSSEN zuerst gemipft werden. Dann diejenigen welche zwar im Homeoffice arbeiten, aber aktuell nicht in der Lage sind Güter oder Dienstleistungen zu konsumieren was die Wirtschaft am Leben hält. Dann kann man sich überlegen ob man die Alten und Schwachen impfen soll, oder ob man den Tod wieder als Teil des Lebens akzeptieren und die Menschen (welche nach medizinischen Standards schon längst tod sein sollten) in Würde abtreten lässt. Der Tod ist genau so ein Teil des Lebens wie Geburt und Fortpflanzung, und nichts was man ums ver recken auf Kosten der Allgemeinheit verhindern muss.

Stichli

13.01.2021, 08:35

Ich werde mich impfen lassen, aber bis ich als jugendlicher dran komme kann es Sommer werden. Bis dahin sollten genug Impfungen gemacht worden sein und relativ viele Daten vorliegen. Vielleicht wächst mir ja ein dritter Arm, wäre doch auch cool ;)