Aktualisiert 14.11.2011 14:43

Nach Tod von «Shadow»Oberster Tierarzt verteidigt Delfinhaltung

Der Direktor des Bundesamtes für Veterinärwesen sieht im Conny Land keinen Handlungsbedarf. Derweil kündigt der Freizeitpark eine Ehrverletzungsklage gegen BDP-Nationalrätin Brigitta Gadient an.

von
tog
Das «Conny Land» steht nach dem Tod von «Shadow» wieder einmal unter Beschuss.

Das «Conny Land» steht nach dem Tod von «Shadow» wieder einmal unter Beschuss.

Nach dem Tod des Delfins Shadow im Vergnügungspark Connyland sieht der Direktor des Bundesamts für Veterinärwesen, Hans Wyss, «keinen Handlungsbedarf» im Bereich der Haltung von Delfinen in der Schweiz, wie er in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» sagte. Die Haltung der Tiere entspreche «den strengen Vorschriften», und der letzte Import eines Delfins liege ohnehin schon beinahe 20 Jahre zurück.

Diese Woche ist im Connyland im thurgauischen Lipperswil der siebte Delfin innerhalb von drei Jahren verendet. Ein Importverbot für Delfine, wie es derzeit politisch gefordert wird, werfe zudem grundsätzliche Fragen auf, zumal auch andere Wildtiere anspruchsvoll in der Haltung seien, sagte Wyss. In der Konsequenz würde dies auf eine schwarze Liste herauslaufen: «Nur, welche Tiere sollen auf die Liste? Was sind die Kriterien?» Das seien sehr schwierige Fragen, und es bedeute eine Abkehr vom bewährten bisherigen System, das keine Verbote, dafür aber strenge Vorschriften für die Tierhaltung kenne.

Der Prügelknabe verteidigt sich und teilt aus

Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, reichte Ocean Care, eine Schutzorganisation für Meeressäuger, letztes Jahr wegen der Zustände im Delfinarium Strafanzeige ein. Unter anderem wegen mangelnder Hygiene, fehlender Sicherheitsvorrichtungen für ein Seelöwenwelpen und der falschen Behandlung eines Delfinweibchens. Beide Tiere starben.

Gestern verkündete Conny-Land nun an einer Pressekonferenz die Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen. «Sämtliche Vorwürfe sind als haltlos widerlegt», sagt Sprecher Erich Brandenberger. Wie erst jetzt aufgrund der eingestellten Strafanzeige bekannt wird, starben bis September 2009 innert 15 Monaten drei Delfinbabys. Bisher hat Conny-Land nur einen der Todesfälle bekannt gemacht.

Die hängige Motion der BDP-Nationalrätin Brigitta Gadient, die ein Importverbot fordert, kontert das Conny-Land mit der Ankündigung einer Ehrverletzungsklage, weil sie den Betrieb als tierquälerisch bezeichnete.

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